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09.12.17 Schneeschuhwandern im Wipptal [52]
geschrieben von: Felix Welzenbach (IP-Adresse bekannt)
Datum: 12. Dezember 2017 23:30

Im Zuge des traditionellen jährlichen Meteorologentreffens hab ich meine Schneeschuhe mitgeschleppt und konnte erstmals seit meinem Wegzug aus Innsbruck (2010) bei dieser Gelegenheit eine ansprechende Tour machen. Überraschenderweise lag auch im Wipptal genügend Schnee. Mangels Messdaten schwer einzuschätzen. Ich profitierte von der Kaltfront, die vor allem in der Nacht rund 20-30cm Pulverschnee brachte. Start ganz bequem mit der S-Bahn bis Matrei. Dann kurze Wegsuche, denn die eingezeichnete Straße führt vom Ort abbiegend als enger Fußweg versteckt zwischen zwei Häusern zur eigentlichen Auffahrt unter der Brenner-Autobahn durch.

Bild 1: Die Straße ist bis zu den Höfen geräumt, wofür ich durchaus dankbar bin.

Rechts unten Matrei mit der urkundlich 1311 erwähnten Pfarrkirche, mit romanischem Südturm.



Bild 2: Der Wachhund entpuppt sich als kälteresistent und zum Glück nicht als Hund.



Bild 3: Der Kugler-Hof.



Bis zur Zufahrt war noch geräumt, dann nicht mehr. Anfangs konnte man aber auch ohne Schneeschuhe gut stapfen. Ich holte dabei ein einheimisches Vater-Sohn-Gespann mit Hund ein, die zu Fuß bis Maria Waldrast stapften. Das wäre bis dahin auch gut ohne Schneeschuhe gegangen, aber das wusste ich ja vorher nicht. So legten sie mir die Spur und ich stapfte hinterher. Umgekehrt wäre sinnvoller gewesen, aber ich wollte halt auch ab und zu zum Fotografieren stehenbleiben.

Bild 4: Links Bärenkopf (1837m) am Eingang ins Navistal, ganz hinten von Schneewolken verdeckt Padaunerkogel.



Bild 5: Unfreiwillig erzeugtes Muster am ansteigenden Weg, nachdem ich das Blankeis darunter zu spät bemerkte.

Hier legte ich die Schneeschuhe dann an.



Bild 6: Vater und Sohn am Quellenweg mit mächtigen Schneeverwehungen.



Bild 7: Der Quellenweg ist teilweise auch ein Kreuzweg.



Bild 8: Ab rund 1400m Seehöhe wird die Landschaft deutlich winterlicher.



Bild 9: Schön verzierte Kapellen aus dem frühen 18. Jahrhundert.



Bild 10: Dann entlang der Winterrodelbahn auf direktem Weg zur Wallfahrtsstätte.



Bild 11: Nach knapp zwei Stunden war ich beim Kloster auf 1638m angelangt.

1429 wurde eine erste Kapelle gebaut, im Jahr 1644 zum Kloster ausgebaut. Der gotische Chor vom ersten Bau ist noch erhalten.



Bild 12: Richtung Sattel waren dann keine Spuren mehr zu sehen.

Die letzte Spur eines Tourengehers stammte vom Vortag und war eingeschneit. Immerhin erleichterte es mir ein wenig das Spuren.



Bild 13: Oberhalb 1700m war die Schneeauflage schon beachtlich.



Bild 14: Auffindungskapelle.

Der Sage nach haben zwei Hirten im Jahr 1407 in einem Lärchenstamm das Bild der Muttergottes entdeckt und ihnen wurde befohlen, an dieser Stelle eine Kirche zu bauen. Die wurde dann unterhalb auf der Lichtung erbaut. An der Stelle des Lärchenstamms hingegen diese Holzschindelkapelle, Alter unbekannt.



Bild 15: Etwas oberhalb der Kapelle, links der Felsaufbau der Serles.



Bild 16: Blick Richtung Peilspitze, die Sonne kämpft sich durch die Wolken.



Bild 17: Der Steig wird bald flacher und die Schneehöhe gewaltig.



Bild 18: Hier war ich dann doch ganz froh um die Spur.



Bild 19: Und schon am Gipfel, von den Einheimischen abgesehen ist mir im Aufstieg niemand begegnet.



Bild 20: Von Mieders kommend ist der Berg hingegen bei Skitourengehern beliebt.



Ich halte mich nur kurz oben auf, es ist doch recht zapfig mit rund -12°C, zum Glück aber nur wenig Wind. Außerdem bin ich auf den Abstieg gespannt. Weglos gehen konnte ich vergessen, zu viel Schnee. Alleine zu riskant, irgendwo tief einzusinken und sich nicht mehr befreien zu können.

Anfangs - Tourengeher bitte weghören - folgte ich der Aufstiegsspur der Tourengeher und versuchte, sobald möglich, eine zweite Spur zu legen, was aber infolge der gewaltigen Schneemengen nicht ging. Bei der erstbesten Gelegenheit verließ ich die Spur und folgte Forstwegen in Richtung Ochsenhütte.

Bild 21: Nederjoch und Jochkreuz gegenüber, rechts ein Teil der Nordkette.



Bild 22: Die Kalkkögel zwischen Sonne und Wolken, ein beeindruckender Anblick.



Bild 23: Herrlicher Pulverschnee an dieser Stelle.

Endlich konnte ich gehen, ohne Spuren zerstören zu müssen.



Bild 24: Blick ins Inntal, an der Nordkette hingen die Schneeschauer bis zum Abend.



Bild 25: Ein fast jungfräulicher Hang hinab zur Ochsenhütte.

Hier bemerkte ich die lawinenanfällige Schneedeckenzusammensetzung. Der harte Altschnee mit Reifüberzug hatte wenig Bindung zum lockeren Pulverschnee. Ihm fehlt wohl Oxytocin. Ich glitt wie auf einer Rutsche hinab mit ein paar unfreiwilligen Verrenkungen, konnte mich aber noch rechtzeitig derfangen.



Bild 26: Der Hang zur Dramatik im Rückblick.



Bild 27: Hier hätte ich Richtung Wassertal absteigen können, wäre landschaftlich und von der Unterlage her vermutlich die elegantere Variante gewesen.



Bild 28: Sonnenstein, 2441m. Vorgipfel der Serles mit Bannerwolke (im Lee).



Bild 29: Blick zur Schlick links mit Kalkkögeln im Hintergrund, Marchreisenspitze (mittig) und Nockspitze (rechts) jeweils von Wolken verdeckt.

Im Vordergrund ein unerwarteter, weil in der Größe nicht eingezeichneter Speicherteich für das Skigebiet Koppeneck (Serlesbahn).



Bild 30: Selbst der Sonnenstein ist schon gewaltig.



Bild 31: Riepenwand (2774m) und Große Ochsenwand (2700m).



Bild 32: Schlicker Seespitze (2804m), Riepen- und Ochsenwand. Wie in den Dolomiten.



Bild 33: Auch an der Serles lockern die Wolken zunehmend auf.

Im Schatten wirds bereit recht eisig und ich steige zügig ab. Bei der Bergstation sehe ich einen anderen Wanderer, ohne Schneeschuhe, der die Rodelstrecke hinaufgestapft ist. Seinen Spuren folge ich großteils zurück. Sonst treffe ich auch im gesamten Abstieg niemanden. Das Skigebiet ist noch nicht offen, nichts präpariert.



Bild 34: Dorf Mieders im Stubaital, mit spätgotischer Kirche, romanische Mauerreste im Turm.

Dahinter die berühmten Telfer Wiesen mit dem Lärchenwald, ein beliebtes Erholungsgebiet, das nur zu Fuß oder mit der Stubaitalbahn erreichbar ist. Dazwischen gräbt sich die Ruetz in eine tiefe Schlucht.



Bild 35: Lärchenwald in der Nachmittagssonne.



Bild 36: Telfes im Stubai mit der barocken Pfarrkirche aus dem Jahr 1754-56, der Turm stammt von 1626.



Bild 37: Geländeformen.



Bild 38: Mieders im Vordergrund, gegenüber Telfes und links Fulpmes.



Bild 39: Nach den letzten Metern am Ende des Skihangs heißt es Abschnallen, ein schöner Eiswasserfall.



Bild 40: Auch die Stubaitalkatzen sind frostfest und neugierig.



Bild 41: Kirchdach (2840m), Ilmspitze (2692m) und Nördlicher Elferturm (2495m)

Dazwischen verläuft das Pinnistal, das am Talschluss zum Pinnisjoch und zur Innsbrucker Hütte führt, von wo man auf den Habicht (3277m), meinem bisher höchsten Gipfel, steigen kann.

Auffallend auch hier jeweils die Bannerwolken im Lee, die entstehen, wenn durch den Unterdruck durch die Überströmung feuchte Luft aufsteigt und kondensiert.



Um 13.45 komme ich in Mieders an. Es ist wirklich eiskalt und ich überlege schnell. Ich bin viel früher unten als gedacht und hab noch etwas Tageslicht übrig. Schon immer wollte ich mal das gesamte Stück mit der Stubaitalbahn fahren. Bisher bin ich nur bis Kreith gefahren und das ist schon wieder 12 Jahre her. Also schnell am Busfahrplan geschaut und um 14.00 nach Fulpmes. Ich muss zwei Mal nachfragen, aber die Busfahrt ist wirklich gratis dank meiner Schneeschuhe. Tirol isch lei oans. Von Fulpmes Ortsmitte in 10 Minuten zum Bahnhof. Rasch in den aufgewärmten Zug und dann bei nahezu sauberen Fenstern im Bummeltempo bis Innsbruck. Die Fahrt genoss ich und benutzte die "Durch Glas fotografieren"-Funktion der Lumix. Die Bilder 42-51 zeigen die besten Aufnahmen.

Bild 42: Telfes mit Großem Bettelwurf im Hintergrund.



Bild 43: Schircher Wellnessbau, gegenüber der bewahrene dörfliche Charakter von Mieders.



Bild 44: Hinter der Elferspitze thront der Habicht.



Bild 45: Nachmittagssonne im hinteren Stubaital.



Bild 46: Europabrücke und Patsch.



Bild 47: Schafseitenspitze (2602m), Sunntiger (2400m) und Bentlstein (2436m), Tuxer Alpen.

Der Kamm verläuft zwischen Navistal und Schmirntal.



Bild 48: Patscherkofel, zwei Tage später mit Föhnorkan bis 176 km/h.



Bild 49: Zwischen Natters und Mutters ein Rückblick: Spitzmandl (2206m), Nockspitze (2404m) und Pfriemeswand (2103m).



Bild 50: Serles nun wolkenfrei, der Sonnenstein rechts wirkt aus der Perspektive viel unscheinbarer.



Bild 51: Die Sonne streicht über den Talboden.



Bild 52: Zum Abschluss ein Bild vom Folgetag, Sonntag: Stürmisch auffrischender Südföhn auf der Hungerburg, im Tal noch vorföhniger Westwind.



In Innsbruck griff der Föhn am späten Nachmittag teilweise bis in die Stadt durch, am Flughafen blieb es bei lebhaftem Westwind. Am Montag blieb er von der Stärke unter den Erwartungen angesichts einen Druckgefälles von rund 17 hPa. Die Top 4 teilen sich dagegen die ÖBB-Messstation Feuersang am Nordportal des Tauerntunnels auf 2090m mit 249 km/h, das Klosterwappen (2061m) am Schneeberg mit 220 km/h, 189 km/h am Aineck (Nockberge) und 184 km/h auf der Elferspitze (Stubaital). Am stärksten betroffen im Hinblick auf verfügbare Messdaten war Bad Gastein mit Spitzen bis 120 km/h. So ging ein spannendes Wetterwochenende in Innsbruck fließend in einen spannenden Arbeitstag über.

Gruß,Felix

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Indem wir wenigstens den Willen zum Scheitern haben, kommen wir vorwärts.



Thema Klicks geschrieben von Datum/Zeit
  09.12.17 Schneeschuhwandern im Wipptal [52] 912 Felix Welzenbach 12.12.17 23:30
  Prima Aufnahmen! Danke, Felix! (oT) 70 Ralf aus Teltow (südlich v. Berlin-Ze 14.12.17 01:48
  Danke für die große Mühe und das Mitnehmen in eine sehr schöne Gegend! (oT) 74 Hutsimpel 15.12.17 12:56
  Geile Aktion. Danke! (oT) 64 Eschi, Seebruck am Chiemsee, 524 m 16.12.17 15:32
  Großartiger Bildbericht mit schönen Bildern.Danke dafür (oT) 70 Markus Duisburg-Süd 17.12.17 09:27
  Re: 09.12.17 Schneeschuhwandern im Wipptal [52] 74 Freddy aus Murrhardt / BaWue 21.12.17 22:02
  Re: 09.12.17 Schneeschuhwandern im Wipptal [52] 83 Cumulus gewittrus 24.12.17 15:07


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