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Re: Wie isses mit der Kaltfront?
geschrieben von: Kaltlufttropfen (80 km sö v Berlin) (IP-Adresse bekannt)
Datum: 10. Dezember 2016 21:45

Moin Herbert,
Grundsätzlich gibt es erstmal 2 Typen von Kaltfronten (wobei es zwischen diesen natürlich auch
wieder fließende Übergänge gibt).

herbert, burgdorf/hann schrieb:
-------------------------------------------------------
> Liebe Met's, ich benötige mal etwas Aufklärung.
>
> Es wird verbreitet immer noch gelehrt, daß die
> frische Kaltluft bodennah unter die Warmluft geht
> und diese zum Aufsteigen zwingt, woraus dann die
> markanten Erscheinungen beim Frontdurchgang (und
> alles weitere) resultieren.

Das wäre die klassische Kaltfront 1.Art (auch Anafront genannt), welche insbesondere dann
vorkommt, wenn sie weitgehend höhenströmungsparallel ist (wie etwa die morgige).
Im Idealfall liegt dann ein stratiformes Niederschlagsgebiet kaltseitig der Front. Ist die
frontvorderseitige Warmluft labil geschichtet (im Sommer, wo dieser KF-Typ am häufigsten ist,
sehr oft bis meist der Fall) kommt es an der Front bzw. an vorlaufenden Konvergenzen zu
Gewittern und anderen konvektiven Erscheinungen. Ist die Front durch, folgt dann das stratiforme
Regengebiet, was freilich bei etwas Labilität auch konvektiv durchsetzt sein kann. Die typischen
Rückseiten-Schauer treten erst weit hinter dem Regengebiet auf, wenn die Kaltluft hochreichend
genug ist, manchmal bleiben sie auch völlig aus.
In etwa also ein Wetterablauf wie Warmfront-rückwärts... ;-)

>
> Nun meine ich, daß MH schon vor 15 Jahren im Forum
> geschrieben hat, daß es in den meisten Fällen
> nicht so abläuft, sondern die Kaltluft in der Höhe
> weit voreilt und daher die Labilisierung bis zu 24
> Stunden vor der Front einsetzt.

Ja, das wäre die klassische Kaltfront 2.Art, wie sie bei guter frontsenkrechter Schubkomponente,
also vor allem bei ausgeprägten Westlagen und vor allem im Winter auftritt.
Die Frontfläche ist hier wesentlich steiler und manchmal kann die Kaltluft die Warmluft etwas
überholen. Ist dieser Fall erreicht, kommt es sofort zu kräftigen konvektiven Umlagerungen, die
Front "springt" dann regelrecht in die vorgelagerte Warmluft. Den konvektiven Erscheinungen an
der Front folgt dann meist eine gut ausgeprägte postfrontale Subsidenz (Aufheiterung durch Absinken infolge starker KLA) und dieser dann bei zunehmender Labilität in der dann hochreichenden Kaltluft die klassischen Rückseiten-Schauer. Das ist die typische
"Lehrbuch"-Kaltfront!
Daß allerdings Kaltluft 24 Stunden der Front in der Höhe vorauseilt halte ich doch sehr stark für
ein Gerücht, so lange hält unsere Atmosphäre ein labiles Gleichgewicht nicht aus, ohne ihr
durch konvektive Umlagerungen entgegenzuwirken.

Was unseren MH betrifft: So manchmal trauer ich ihm ja etwas nach, da er ein totaler
Synoptik-Freak war und immer wieder neue Denkanstöße gab. Manchmal zog er allerdings
seine ganz privaten Thesen und Theorien, die dann doch etwas fragwürdig sind...

>
> Finde ich einleuchtend, wäre evtl. auch eine gute
> Erklärung für vorlaufende Konvergenzen.

Mit den vorlaufenden Konvergenzen ist das noch etwas anders. Sie sind ja eine Erscheinung des
Sommers und typisch für (potentiell) labile Warmluft und DER klassische Gewitterbringer und entstehen VOR der Kaltfront, die bei solchen Lagen fast immer erster Art ist. Ein Vorauseilen
von Kaltluft in der Höhe scheidet also komplett aus!
Dafür kommt es bei zunehmndem zyklonalen Einfluß zum Ablaufen kurzwelliger Troganteile
in der Höhe, welche auf ihrer Vorderseite zu Hebung und Streckung der Luftsäule und damit
zu einem "hausgemachten" mitteltroposphärischen Temperaturrückgang und damit zu
zunehmender Labilität führen. Im Bodenniveau kommt es dann in der Zone maximaler
Aufheizung zur Ausbildung dieser Konvergenzen und damit setzt kräftige Konvektion ein.
Da diese konvektiven Erscheinungen (vom Schauer zum Gewitter bis hin zu Begleiterscheinungen
wie kräftigen Böen, Downbursts und Tornados...) im weiteren Verlauf eine kühlende Wirkung
haben, ersetzen solcheKonvergenzen oft die eigentliche KF, welche dann nur noch recht harmlos
mit oft nur noch stratiformen Regen durchzieht. Von in der Höhe vorauseilender Kaltluft kann
hier aber keine Rede sein...

Ich hoffe, daß sich auch der eine oder andere Vollprofi in dieses äußerst interessante synoptische
Thema einschalten und mich korrigieren möge, wenn ich denn an der einen oder anderen Stelle
Scheiße geschrieben hab...

Gruß in den 3.Advent

Michael



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