Allgemeine Meteorologie :  Wetterzentrale Forum Wetterzentrale Forum

| Wetterzentrale-Startseite | Wetterzentrale-Chat | Wetterchronik | wetter-foto.de | Das alte WZ-Forum-Archiv (05/1999-04/2007) |

| Nutzungsbedingungen/Forumsregeln/Datenschutz | Die neuesten Postings aus allen Foren | Wettersymbole einbinden | Präfixe in Betreffs verwenden |

Re: Strahlungsschutz von Wetterhütten / Tonhütte besser als Holz? Warum? ...
geschrieben von: Olaf aus Bauersdorf, Kreis Plön, 60m (IP-Adresse bekannt)
Datum: 04. Juni 2016 00:12

Thomas_Schmidt schrieb:
-------------------------------------------------------
> > Hallo,
>
> Hallo Olaf,
>
>
> > Die Unterseiten wurden schwarz(!)
> > gestrichen, damit die Strahlung nicht
> > durchreflektiert wird.
>
> Die Logik ist nachvollziehbar; ist bin allerdings
> nicht sicher, wie stichhaltig sie letztlich ist.
> Du möchtest verhindern, dass die Strahlung im
> Zickzack durch den Spalt ins Innere der Hütte
> reflektiert wird. Die an der schwarzen
> Spaltoberfläche absorbierte Strahlung erwärmt
> diese jedoch und damit indirekt auch die durch den
> Spalt in die Hütte streichende Luft. (Man muss
> stets bedenken, dass ein Strahlungsschutzschirm
> nicht nur den Sensor beschatten soll. Man muss
> auch verhindern, dass der durch Einstrahlung
> erwärmte Schirm die zu messende Luft durch
> konvektive Wärmeabgabe erwärmt.)
>
> Andererseits reflektiert eine weiße
> Spaltoberfläche zwar einen Teil der Strahlung in
> die Hütte, einen anderen aber zurück nach außen,
> denn wenn man in den Spalt blickt, _sieht_ man ja
> die weiße Oberfläche, sie schickt also Licht nach
> außen.
>
> Ich weiß nicht, welches der beiden Szenarien
> wirklich für die Temperaturmessung günstiger
> ist...

Hallo Thomas,

Diese Gedanken hatte ich auch, was einer der Hauptgründe für das Experiment ist. Es wird bald noch eine zweite baugleiche Hütte ganz in Weiß geben. Ich habe vor, beide stets nebeneinander zu betreiben und jeweils diejenige Hütte, welche die höheren Strahlungsfehler aufweist, so zu optimieren, dass sie besser wird als die andere. Sollte sich „innen weiß“ als besser erweisen, würde ich die schwarze Hütte erst weiß streichen und dann weiter optimieren. Sollte sich schwarz durchsetzen, wird an der weißen Hütte gearbeitet. Dann wird sie innen komplett (auch die Oberseiten) geschwärzt. Ist die Farbe klar, kann man als nächstes zwischen matt und glänzend experimentieren usw.... So wird die Hütte immer besser.

Das nennt man dann „gelenkte Evolution“ Grinsen


> > Ein Blick in ein Tabellenwerk meines
> > Vertrauens brachte mir für Holz eine
> spezifische
> > Wärmekapazität von 1,00 und für Ton eine von
> 1,36
> > kJ / (kg K).
>
> Die beiden Zahlen hast du nicht etwa vertauscht?

Stimmt, Du hast mich ertappt. In der Tat habe ich die vertauscht. Die 1,00 gelten für gebrannten Ton, für Holz habe ich jetzt sogar einen Wert von 2,5 kJ / (kg K). Offenbar war es aber nur ein Schreibfehler, denn es bedeutet ja, dass Holz mehr Wärme (bei gleicher Masse) speichern kann als Ton (was ich ja sagen wollte). Die steht dann bei einer Abkühlung der Umgebung wieder zur Verfügung.

>
> > Es zeigt aber
> > auch, dass die Wärme von den Holzlamellen
> leicht
> > auf die Luft im Innenraum übergeht.
>
> Der Wärmeübergang sollte aber nicht von der
> Wärmekapazität abhängen.
>

Danke, das war ein wichtiger Hinweis, den ich nicht berücksichtigt habe. Hier kann ich leider nicht einfach eine Zahl aus einer Tabelle ansetzen, da das auch von der Belüftung und Bauform abhängt.

>
> > 3. Kommt die Sonne raus und knallt bei
> > windschwachem Wetter auf die Hütten, passiert
> > folgendes: Die Tonhütte reagiert schneller
>
> Der Ton hat eine höhere Temperaturleitfähigeit
> (die Rede ist nicht von der _Wärme_leitfähigkeit
> lambda, sondern vom Verhältnis
> lambda/(Dichte*Wärmekapazität) ), daher wird eine
> aussen aufgebrachte Temperaturerhöhung schneller
> als beim Holz durch die Hüttenwand ins Innere
> "durchgereicht".
>

Auch das war ein wichtiger Hinweis, denn dann ist der Temperaturverlauf jetzt für mich verständlich. Ich habe da wohl etwas naiv gedacht und geglaubt, die Tonhütte nimmt mehr Strahlungswärme durch die Sonne auf, weil der Sensor so schnell reagiert. In Wahrheit absorbiert er aber offenbar sogar weniger Strahlungswärme der Sonne, denn am Ende ist er ja trotzdem kühler. Das, was der Ton aber an Wärme aufnimmt, reicht er nur schneller nach innen durch.

>
> > Mein
> > Greisinger bestätigt die kühlen Temperaturen in
> > der Tonhütte. Wenn man sie anfasst, fühlt sie
> sich
> > auch kalt an, obwohl die Sonne darauf scheint.
> Die
> > Holzhütte fühlt sich wärmer an.
>
> Das "Anfühlen" ist kein zuverlässiger
> Temperaturindikator. Was dein Temperatursinn
> wahrnimmt, ist die Temperatur der Hautoberfläche,
> und diese Temperatur wird nicht nur von der
> Temperatur des berührten Gegenstands bestimmt,
> sondern auch davon, wie schnell er nach Maßgabe
> seiner Wärmeleitfähigkeit und Wärmekapazität Wärme
> aus deiner Haut abziehen kann. Ton wird sich daher
> kälter _anfühlen_ als Holz, auch wenn er dieselbe
> Temperatur hat. Siehe >> Wärmeeindringkoeffizient
> <<.

Ja, da hast Du Recht. Objektiv ist nur mein Greisinger.

> > suche jetzt krampfhaft nach einem Fehler in
> meinem Denken oder in meiner Messung.
>
> Wenn die Kalibrierung in Ordnung ist, kann es wohl
> kaum an der Messung liegen. Das einzige, was mir
> spontan als mögliche Ursache für einen Fehler
> einfällt, der zu geringe Temperaturen in der Hütte
> verursachen könnte, wäre Verdunstungskälte. Der
> Ton kann ja Feuchtigkeit aufnehmen; wenn diese
> infolge Sonnenbestrahlung verdunstet, wird es in
> der Hütte natürlich messbar kühler. In der Nacht
> ist die Hütte kälter und die umgebende Luftfeuchte
> hoch, so dass wenig bis keine Verdunstung zu
> erwarten wäre (eher im Gegenteil:
> Tauwasserausfall, der dann wieder ein
> Feuchtereservoir für die Verdunstung am nächsten
> Tag bereitstellt).
>
> Dieses Argument würde im Prinzip aber auch für die
> Holzhütte gelten, denn Holz kann ja auch Feuchte
> aufnehmen. Die Frage wäre also: warum sollte sich
> Verdunstung bei der Tonhütte bemerkbar machen, bei
> der Holzhütte nicht?

Beide sind ja lackiert. Allerdings stehen Blumenuntersetzer ja normalerweise nicht mit der ganzen Bodenfläche auf dem Boden, sondern sie haben einen Rand auf dem sie stehen. Das ist auch bei meinen so. Ich muss mal darauf achten, ob sich auf dem Dachuntersetzer Tau sammelt. Es müsste mal einen Witterungsabschnitt mit Schauern und Aufheiterungen geben, dann ließe sich der Effekt abschätzen. Leider sind wir hier im nördlichen Schleswig-Holstein vom derzeitigen Wettergeschehen über Restdeutschland völlig abgekoppelt und es scheint einfach nur jeden Tag die Sonne.

Danke für die Denkanstöße. Ich sehe aber auch, dass die Belüftung wichtig ist und das es sinnvoll ist, die weitere Optimierung erst fortzusetzen, wenn das belüftete Innenrohr eingesetzt ist.

Grüße aus der Holsteinischen Schweiz
Olaf

(Takt: 17 °C • klarer Himmel)



Thema Klicks geschrieben von Datum/Zeit
  Strahlungsschutz von Wetterhütten / Tonhütte besser als Holz? Warum? ... 656 Olaf aus Bauersdorf, Kreis Plön, 60m 28.05.16 19:02
  Re: Strahlungsschutz von Wetterhütten / Tonhütte besser als Holz? Warum? ... 232 Thomas_Schmidt 02.06.16 13:40
  Re: Strahlungsschutz von Wetterhütten / Tonhütte besser als Holz? Warum? ... 390 Olaf aus Bauersdorf, Kreis Plön, 60m 04.06.16 00:12


In diesem Forum dürfen leider nur registrierte Teilnehmer schreiben.