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Strahlungsschutz von Wetterhütten / Tonhütte besser als Holz? Warum? ...
geschrieben von: Olaf aus Bauersdorf, Kreis Plön, 60m (IP-Adresse bekannt)
Datum: 28. Mai 2016 19:02

Hallo,

ich betreibe hier bereits seit längerer Zeit eine Wetterhütte aus Holz, die ich selbst akribisch durchgeplant und gebaut habe. Die Hütte ist kleiner als eine Orginalhütte des DWD aber immer noch sehr geräumig. Der Sensor im Innern wird ventiliert. Ich habe keine Lamellentüren aus dem Baumarkt genommen, sondern Winkelprofile, die es aus Holz ja in allen Formen gibt. Es fällt keine Strahlung (auch reflektiert) direkt ein.

Die Hütte scheint schon sehr gut zu sein, denn meine Station gehört bei sonnigem Wetter zu den kühlsten in ganz Schleswig-Holstein (auch im Vergleich mit den offiziellen). Meine Sensoren sind sauber kalibriert, so dass ich diese Aussage auch sicher treffen kann. Stationen im Seewindbereich zähle ich natürlich nicht mit.

Ich experimentiere mit einer neuen und deutlich kleinen Hütte aus Blumenuntersetzern. Allerdings habe ich kein Kunststoff (zu durchlässig für kurzwellige harte Strahlung) sondern massive Untersetzer aus Ton genommen. Diese habe ich innen rund ausgesägt und mit drei Gewindestangen zentrisch übereinander gesetzt (den obersten und untersten Untersetzer natürlich ohne Loch). Der obere ist zudem noch etwas größer. Die Oberseiten aller Untersetzer (eigentlich sind es die Unterseiten aber die liegen ja jetzt oben) wurden weiß gestrichen. Die Unterseiten wurden schwarz(!) gestrichen, damit die Strahlung nicht durchreflektiert wird.

In der Hütte fehlt noch ein doppelter oberer Boden und es gibt noch keinen Lüfter und auch kein Innenrohr. Mit dieser unfertigen Hütte habe ich trotzdem einen ersten Test gewagt. Dazu wurden zwei Kabelsensoren kalibriert und anschließend gemeinsam im ventiliertem Rohr der „alten“ Holzhütte betrieben. Damit wurde noch einmal die Kalibrierung geprüft, beide Sensoren liefen dort absolut gleich (nie mehr als ein Digit auseinander). Jetzt wurde der eine Sensor in die Tonhütte aus Untersetzern verfrachtet und das Ergebnis (Punkt 3) haute mich um:

1. Bei trübem Wetter und bei Regen ist die Temperatur in der unfertigen Tonhütte absolut identisch mit der Temperatur der ventilierten Holzhütte. Das leuchtet auch ein.

2. Die ventilierte Holzhütte reagiert bei Temperaturänderungen etwas träger als die Tonhütte. Ein Blick in ein Tabellenwerk meines Vertrauens brachte mir für Holz eine spezifische Wärmekapazität von 1,00 und für Ton eine von 1,36 kJ / (kg K). Da beide Hütten gefühlt etwa gleich schwer sind, leuchtet auch das ein. Es zeigt aber auch, dass die Wärme von den Holzlamellen leicht auf die Luft im Innenraum übergeht.

3. Kommt die Sonne raus und knallt bei windschwachem Wetter auf die Hütten, passiert folgendes: Die Tonhütte reagiert schneller, allerdings erwärmt sie sich nicht so stark. Der Sensor in der Holzhütte überholt den in der Tonhütte recht schnell und läuft ihm dann um bis zu 1 K voraus. Im Laufe der Nacht gleichen sich die Temperaturen dann wieder an.

Warum ich damit ein Problem habe? Schon mit der Holzhütte ist Bauersdorf oft der kühlste Ort (außgenommen Stationen an der See) in Schleswig-Holstein. Das waren bisher aber nur einige 10-tel Grad und ich wohne ja mit 60 m üNN für hiesige Verhältnisse recht hoch. Mit den jetzigen Messwerten passe ich aber irgendwie nicht mehr so richtig ins Gesamtbild und suche jetzt krampfhaft nach einem Fehler in meinem Denken oder in meiner Messung. Ob sich die Kalibrierung geändert hat, habe ich schon geprüft. Mein Greisinger bestätigt die kühlen Temperaturen in der Tonhütte. Wenn man sie anfasst, fühlt sie sich auch kalt an, obwohl die Sonne darauf scheint. Die Holzhütte fühlt sich wärmer an.

Sind Hütten aus Ton wirklich so gut? Was ändert sich, wenn ein Innenrohr mit Ventilierung hinein kommt?

Die minütlichen Messwerte sieht man hier (Achtung! Versuch läuft erst seit dem 27.05!):
http://www.hansewetter.de/templogging/Temp_Sensoren.log.txt

Erklärung: Zeitpunkt der Messung und Zeitpunkt der Verarbeitung, dahinter die 5 Sensoren. Der Sensor in der Tonhütte ist Nummer 2, der Sensor in der Holzhütte ist Nummer 3. Die Datei ist nicht selbstaktualisierend, also ab und zu mal F5 drücken.

Grüße aus der Holsteinischen Schweiz
Olaf

(Takt: 16,4 °C in Ton / 16,8 °C in Holz // 18 bis 19 °C im übrigen Schleswig-Holstein // sonnig)



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 28.05.16 19:08.



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  Re: Strahlungsschutz von Wetterhütten / Tonhütte besser als Holz? Warum? ... 243 Thomas_Schmidt 02.06.16 13:40
  Re: Strahlungsschutz von Wetterhütten / Tonhütte besser als Holz? Warum? ... 463 Olaf aus Bauersdorf, Kreis Plön, 60m 04.06.16 00:12


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