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ANALYSE: Nach langer Trockenheit kam der ergiebige Starkregen (7. - 9. Mai 2007)
geschrieben von: Daniel / Bühl-Affental (160m) (IP-Adresse bekannt)
Datum: 10. Mai 2007 22:46

Hallo zusammen,

nachdem es im April nur eine spärliche oder so gut wie keine Ausbeute in Sachen Niederschlag gegeben hat, legte die erste Maidekade deutschlandweit kräftig nach. Meine kurze Analyse soll sich auf den süddeutschen Raum beschränken, in dem es am Dienstag 8.5. und Mittwoch 9.5. vor allem in einem Streifen vom Nordschwarzwald bis zum Berchtesgadener Land besonders kräftig geschüttet hat. So fielen am Mummelsee nur innerhalb 24 Stunden 98mm Regen. Zum Vergleich brachte es dort der gesamte Monat April nur auf 1mm.

Ein stationäres, für den typisch wechselhaften Monat April eher außergewöhnliches Hochdruckgebiet über Mitteleuropa inclusive blocking action, welche für die lange Trockenheit verantwortlich war, wurde von einer zyklonalen Westströmung abgelöst. Die Analyse vom Montag 7.5. 12z zeigt eine langgestreckte Wellenfront, die von einem umfangreichen, mehrkernigen Tiefdruckkomplex über Nord- und Nordwesteuropa ausgeht, an dessen Südflanke Mitteldeutschland überquert und über den Süden Großbritanniens bis in den Atlantik hinein reicht. Deutschland liegt somit in einer lebhaften und feuchten Westströmung und wird besonders im Süden wiederholt von eingelagerten Wellentiefs überquert.

Analyse Montag 7.5. 12z (nach DWD):

http://www.wetterzentrale.de/forum2/file.php?0,file=44


In der weiteren Entwicklung ist eine Südwärtsverlagerung des Frontensystems zu erkennen. Dabei verharrt die Welle stationär über Süddeutschland und sorgt in dieser Region ständig für Feuchtenachschub.

Analyse Dienstag 8.5. 12z:

http://www.wetterzentrale.de/forum2/file.php?0,file=45


Analyse Mittwoch 9.5. 0z:

http://www.wetterzentrale.de/forum2/file.php?0,file=43


Auf den Satellitenbildern ist deutlich das Wolkenband über Süddeutschland auszumachen, welches vom Atlantik her kaum abzureißen vermag.

Dienstag 12z (nach FU Berlin):

http://www.wetterzentrale.de/forum2/file.php?0,file=50


Mittwoch 0z:

http://www.wetterzentrale.de/forum2/file.php?0,file=51


Mittwoch 12z:

http://www.wetterzentrale.de/forum2/file.php?0,file=52


Mittwoch 18z:

http://www.wetterzentrale.de/forum2/file.php?0,file=53


Die kräftigsten Regenfälle konzentrierten sich im Zeitraum von Dienstag 6 Uhr bis Mittwoch 20 Uhr. Die nachfolgenden Radarbilder zeigen Ausschnitte von dem gesamten Ereignis. Ersteres gibt die Situation wieder, bei der ein intensives Regengebiet den Nordschwarzwald erreicht und überquert. Zu diesem Zeitpunkt liegt ein kleines Tiefdruckgebiet knapp östlich von Stuttgart. Allein in einer Stunde kommen am Mummelsee im Nordschwarzwaldkamm 17,9mm zusammen, von 15-17 Uhr regnet es dort in nur 2 Stunden 33,6mm.

Dienstag 16:30 MESZ (nach Wetter.com):

http://www.wetterzentrale.de/forum2/file.php?0,file=46


Das zweite Radarbild zeigt die Situation am Mittwoch Morgen. Quer über Süddeutschland liegt in WNW-OSO-Ausrichtung das Starkregenband, das zeitweise immer wieder mit konvektiven Einlagerungen durchsetzt ist.

Die drei nassesten Orte von Mittwoch 8 bis 14 Uhr, 6 stündig (nach meteomedia):

51.0mm Baiersbronn-Ruhestein
44.0mm Marktschellenberg
40.0mm Mummelsee

Mittwoch 8:00 MESZ:

http://www.wetterzentrale.de/forum2/file.php?0,file=47


Diese WNW-OSO-Ausrichtung der Wellenfront und die damit verbundenen Regenfälle finden sich auch in der Regensummenkarte von Bayern wieder. Gut zu erkennen sind die Staueffekte im Luv der Chiemgauer und der Berchtesgadener Alpen. An der Station Marktschellenberg war es am Alpenrand am nassesten mit deutlich über 100mm Regen.

Regensummenkarte Bayern (nach HND Bayern):

http://www.wetterzentrale.de/forum2/file.php?0,file=56


In den Kammlagen des Nordschwarzwaldes fiel örtlich noch mehr Regen. Am Mummelsee wurden in 1040m Seehöhe binnen 44 Stunden von Dienstag 0 Uhr bis Mittwoch 20 Uhr rund 152mm Nass registriert. Einmal mehr sticht der Nordschwarzwald bei feuchter Westströmung mit sehr hohen Regenmengen dank Staueffekt im Wettergeschehen hervor. Die nicht einmal 10km weit entfernte Station Bühl/Baden im Oberrheingraben auf 131m ü.NN brachte es nur auf gut 59mm Regen im gleichen Zeitraum.

Regensummenkarte Baden-Württemberg (nach HVZ, BW):

http://www.wetterzentrale.de/forum2/file.php?0,file=57


Regensumme Mummelsee (nach HVZ, BW):

http://www.wetterzentrale.de/forum2/file.php?0,file=55


Regensumme Bühl/Baden:

http://www.wetterzentrale.de/forum2/file.php?0,file=61


Das Prädikat für den nassesten Ort dieses Starkregenereignisses geht an die Station am Ruhestein, nur etwas südlicher und unweit vom Mummelsee gelegen. Hier regnete es innerhalb den besagten 44 Stunden rund 190mm. Eine stattliche Summe; erst recht, wenn man bedenkt, dass in diesem Gebiet im gesamten Monat Mai im langjährigen Durchschnitt etwa 185mm an Regen fallen.

Regensumme Baiersbronn-Ruhestein:

http://www.wetterzentrale.de/forum2/file.php?0,file=54


Eine logische Konsequenz bei diesen vom Himmel fallenden Wassermassen ist der Anstieg der Flusspegel. Bei den Abflüssen aus dem Nordschwarzwald konnte man deutliche Peaks beobachten, sowohl an der Acher, als auch an der Murg. Die Feuerwehren im Umkreis waren zwar in Alarmbereitschaft, Überflutungen blieben aber aus. Auch der Rheinpegel in Maxau zeigte einen deutlichen Anstieg von etwa 70cm auf 520cm. Analog dazu stieg die Abflussmenge von 900m³/s auf knapp 1300m³/s an.

Pegelverlauf der Acher in Kappelrodeck (nach HVZ, BW):

http://www.wetterzentrale.de/forum2/file.php?0,file=59


Pegelverlauf der Murg in Bad Rotenfels:

http://www.wetterzentrale.de/forum2/file.php?0,file=60


Pegelverlauf des Rheins in Karlsruhe-Maxau:

http://www.wetterzentrale.de/forum2/file.php?0,file=62


In vielen Regionen Deutschlands brachte diese Großwetterlagenumstellung eine deutliche Entspannung in Sachen Trockenheit. Nur im Lee des Harzes und des hessisches Berglandes zeigt die Bodenfeuchtekarte im Thüringer Becken und in der Leipziger Tieflandsbucht noch nennenswerte defizitäre Bodenwasservorkommen.

Bodenfeuchtekarte Deutschland (nach DWD):

http://www.wetterzentrale.de/forum2/file.php?0,file=63


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Gruß,
Daniel



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  ANALYSE: Nach langer Trockenheit kam der ergiebige Starkregen (7. - 9. Mai 2007) 2696 Daniel / Bühl-Affental (160m) 10.05.07 22:46


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