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Mal ein paar Anmerkungen und Ergänzungen dazu:
geschrieben von: Jörg, Berlin-Malchow (53 m) (IP-Adresse bekannt)
Datum: 27. September 2013 03:06

Hallo KHB!

Einige Punkte in dieser Beilage sind grob unvollständig, irreführend bzw. falsch dargestellt.
Aber der Reihe nach:


> Früher:
>
> "Messfühler Quecksilber / Alkohol =
> Glasthermometer, Stundenwert - jeweiliger
> Ablesewert um H - 10 Minuten,


Das stimmt so nicht. Hauptamtliche Stationen ermittelten früher den Stundenwert um H - 30 Minuten. Diese Regelung galt jahrzehntelang im synoptischen Wettermeldedienst in fast allen Ländern Europas (bis im April 2001 in Deutschland die H - 10 Minuten verbindlich wurden).
Im Klimadienst (haupt- und nebenamtliche Stationen) galt dagegen bis Ende 1986 Folgendes:

> Tagesmitteltemperatur aus den Mannheimer
> Stundenwerten, 07, 14 und 2 mal 21 Uhr geteilt
> durch 4


Dabei wäre wichtig zu erwähnen, dass mit diesen Zeitangaben die mittlere Ortszeit gemeint war, denn der Sonnenstand kennt keine Zeitzonen. Das heißt konkret: Während der Beobachter in Aachen erst um 07:36 MEZ sein Thermometer ablesen musste, hatte dies der Beobachter in Görlitz bereits um 07:00 MEZ getan (allerdings wurden die Mannheimer Klimatermine in der ehemaligen DDR 1967 abgeschafft und durch 4- bzw. 8-terminige synoptische Tagesmittel ersetzt).
Von 1987 bis 2001 waren in der BRD die 3 Klima- mit den Synop-Messterminen zusammengelegt, weil die Unterschiede zwischen "H - 30" und den Mannheimer Terminen im größten Teil Westdeutschlands nur im Bereich weniger Minuten lag (auf dem Meridian 7,5°E war Differenz sogar genau Null). Damit konnte man das Tagesmittel aus den im Synop-Dienst sowieso stündlich erfolgenden Wettermeldungen von 07, 14 und 21 UTC berechnen, was den Messzeiten 07:30 MEZ, 14:30 MEZ und 21:30 MEZ entsprach.


> die Extremtemperaturen werden um 07 Uhr für das
> Minimum und 21 Uhr für das Maximum am
> Glasthermometer abgelesen."

Falsch! Das einzige Extremthermometer, das an Klimastationen um 07 Uhr MOZ bzw. seit 1987 um 07:30 MEZ abgelesen wurde, war das Erdbodenminimum (in 5 cm Höhe). Die täglichen Min / Max - Thermometer in der Klimahütte wurden nur 1x täglich um 21 Uhr MOZ bzw. 21:30 MEZ offiziell abgelesen und zum gleichen Termin zurückgestellt.
Das von Wetterstationen seit Jahrzehnten international verbreitete 12-stündige Synop-Minimum von 06 UTC wurde noch nie für Klimastatistiken benutzt, auch wenn dies für manche Betrachtungen (z.B. Tropennächte) sicher ganz interessant wäre.


> Zwar hat der DWD an einigen (viel zu wenigen)
> Orten so genannte Klimareferenzstationen
> eingerichtet und erste Untersuchungen aus einigen
> Vergleichsmessungen veröffentlicht, deren
> Ergebnisse aber leider nicht befriedigen können.
> Hier wurde nicht 'alt mit neu' verglichen, sondern
> verklausuliert nur die elektrischen Thermometer in
> verschiedener Aufstellung untersucht, aber nicht
> mit Glasthermometern verglichen. Somit wurden hier
> nicht die wahren Unterschiede erfasst, die aber
> vorhanden sind."


Diese Kritik teile auch ich, wenngleich die Quecksilberthermometer an manchen ostdeutschen Wetterwarten teilweise schon seit 30-40 Jahren ausgemustert sind. Das genaue Datum der Umstellung auf elektrische Messung findet man auf dieser DWD-Seite in der Spalte "Automat für Lufttemperatur".


> Für die 3144 Tage ergab sich eine
> mittlere Differenz der Tageshöchstwerte von +0,93
> Grad - Pt 100 höher als Quecksilber. Die maximal
> erfasste Differenz habe 6,4 Grad betragen.


Warum verschweigt der Verfasser der Beilage, dass die mittlere Differenz der Tagestiefstwerte bei elektrischer Temperaturmessung gegenüber dem Quecksilberthermometer in fast gleicher Höhe niedriger lag?
Geringere Trägheit bedeutet ja nicht nur höhere Tmax-Werte, sondern eben auch niedrigere Tmins. In der Summe wiegen sich beide Effekte fast genau auf; der verbleibende Einfluss auf das Tagesmittel ist bei korrekter Eichung/Kalibrierung beider Messverfahren (AUCH der Elektronik!) in allen Fällen verschwindend gering - konstant bleibende Messmethodik natürlich vorausgesetzt. (eine Umrechnung einzelner alter Tagesmittel nach Mannheimer Terminen in wahre 24-Stunden-Mittel ist selbstverständlich unmöglich!)


> Wenn dem so ist / wäre, dann erhebt sich doch die
> Frage, wie die globale (oder lokale) Erwämung von
> 0,80K zwischen 1880 und 2013 zu bewerten ist, wenn
> die Differenz zwischen alter und neuer Messmethode
> so groß ist?

Die 1881 beginnende Deutschland-Temperaturreihe des DWD (Flächenmittel) besteht nur aus Monatsmitteln, die aus den jeweiligen Tagesmitteln mehrerer hundert Klimastationen errechnet wurden. Sie enthält keinerlei Tmin- und Tmax-Werte, die von der beschriebenen Inhomogenität betroffen sein könnten.
Anders sieht die Sache natürlich beim Betrachten von Stationszeitreihen oder lokalen Rekorden aus; dabei muss ggf. mit Fehlern bis zu 1 K gerechnet werden. Auch weisen alle hauptamtlichen Tmin- und Tmax-Reihen wegen der Umstellung der Ablesezeit von 21:30 MEZ auf 23:50 UTC im April 2001 einen Bruch auf (zu erwarten sind systematisch bedingt weniger Tropennächte und etwas mehr Frosttage wegen der teilweise doppelten Gewichtung kalter Nächte!).

Leider hat man den Eindruck, dass dem Verfasser diese Aspekte der neuen Messgeräte und -methoden zwar ziemlich sicher bekannt sein dürften, er diese aber verschweigt, weil es "scheinbar" nicht in sein skeptisches Klimawandelbild passt.

In dem kritisierten DWD-Bericht Nr. 238 wird übrigens ausdrücklich vorgeschlagen, dass für die Fortsetzung der alten Klimareihen ab April 2001 nicht die Tmin-, Tmittel- und Tmax-Werte aus der DWD-Klimadatenbank verwendet, sondern die Datengewinnung nach dem traditionellen System z.B. aus Thermogrammen oder anderweitig stündlich registrierten Temperaturwerten simuliert werden sollte. Das Klima-Tagesmittel berechne ich beispielsweise bei historischen Klimareihen als Mittel aus 1/4 * { (05:50z + 2*06:50z) / 3 + (12:50z + 2*13:50z) / 3 + (19:50z + 2*20:50z) / 3 }, während für die Extremtemperaturen zunächst die tiefsten bzw. höchsten Stundenwerte im Zeitraum Vortrag 20:30z bis Messtag 20:30z genommen werden. Diese Stundenextrema kann man dann noch über mehrjährige Vergleiche zwischen Simulation und Messung (in einem gemeinsamen Zeitraum vor 2001) für jeden Kalendermonat so anpassen, dass die gemittelten Differenzen genau Null sind.
In den Wintermonaten sind die dabei notwendigen Korrekturen (Reduktionswerte) stets kleiner als 0,3 K, im Sommer beim Tmax häufig aber auch höher. Der DWD hätte 2001 besser daran getan, ein solches Verfahren für die altehrwürdigen Temperaturreihen parallel zur elektronischen Klimaroutine zu implementieren, anstatt die Mannheimer Klimatermine einfach ersatzlos abzuschaffen.


Gruß Jörg



10-mal bearbeitet. Zuletzt am 27.09.13 03:28.



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