Re: Riesen- Flare, oder: Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde...
Datum: 04. Juni 2012 18:06
dh7fb schrieb:
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> ...als Eure Schulweisheit sich träumt- so dichtete
> Shakespeare im Hamlet. Ein neues Beispiel: In
> einer Arbeit
> [
www.nature.com]
> /full/nature11123.html untersuchten die Autoren
> Baumringe in China mit großer zeitlicher
> Auflösung.
Japan...
Sie fanden in den Jahren +774 und +775
> eine um 14 Promille angehobene C14- Konzentration.
Auch nicht ganz richtig:
"We find a rapid increase of about 12‰ in the 14C content from ad 774 to 775" (zum Vergleich: Der solare Schwabezyklus macht im Mittel etwa 3‰ aus; für 1 Jahr wird etwa 1/20 wegen des Schwabezyklus erwartet)
Und danach wieder ein leichtes abklingen auf die Ursprungswerte.
Was den Fehler der Messungen angeht:
"The significance of this increase (ad 774–775) with respect to the measurement errors is 7.2σ."
Kann also so gut wie ausgeschlossen werden. Und was auch nicht ganz unwichtig ist: Die Daten stimmen mit anderen überein.
> C14 entsteht, wenn kosmische Strahlung auf die
> Atmosphäre trifft.
Es entsteht durch Kernreaktionen mit Neutronen. Woher diese Neutronen kommen ist erstmal egal. Als natürliche Quelle ist die kosmische Strahlung mit Abstand die größte.
[...]
Mit einem Modell zeigen sie, dass die Übereinstimmung Modell/Messung bei kurzzeitigen Events deutlich kürzer ist. Eine längerfristige Änderung über ein paar Jahre kann also quasi ausgeschlossen werden. Wegen der begrenzten zeitlichen Auflösung des Modells (1 Jahr) kann jedoch nicht gesagt werden wie kurz das Event war. Anmerkung meinerseits dazu: Man muss nur die Fehler der Messungen minimal variieren, dann würde auch ein längeres Ereignis sehr gut passen (siehe figure 2 im paper).
Setzt man ein Jahr Dauer für das Event an, dann kommt man auf eine etwa 10fach erhöhte Produktuion von C14 im Vergleich zum globalen Mittel der Produktion durch GCR.
Eine unentdeckte Supernova kann nicht ganz ausgeschlossen werden (Therefore, we cannot rule out an undiscovered supernova remnant corresponding to the ad 775 event.), gilt aber als unwahrscheinlich als Erklärung (unter der Voraussetzung, dass eine Supernovaexplosion immer etwas gleich abläuft).
Zum SPE: "It is possible that an SPE with an extremely hard energy spectrum could explain simultaneously the 14C and 10Be results, but it would have to be much harder than any flare observed so far. "
Ich würde das mal nicht ganz ausschliessen: Man schaue sich nur das relativ harte Spektrum des Januar 2005 SPEs an.
Generell ist zu sagen, dass die Werte in absoluten Einheiten nicht hoch sind. Das besondere ist der schnelle Wechsel. Zu früheren Zeiten gab es C14 Konzentrationen von 800‰.
Vielleicht waren es auch mehrere Sachen zusammen?
-Das Erdmagnetfeld könnte beispielsweise anormal gewesen sein.
-Der Kohlenstoffkreislauf könnte irgendwie gestört gewesen sein. Fossile Brennstoffe enthalten beispielsweise kein (bis wenig) C14 mehr (ist bereits zerfallen). Verbrennt man diese, sinkt das C14 Verhältnis. Könnte man sich analog irgendwas umgekehrtes vorstellen (ich im moment nicht)?
-Der Kohlenstoff kommt überhaupt nicht aus der Atmosphäre. Es handelt sich um eine lokale Messung. Vielleicht wurde Kohlenstoff irgendwie aus altem Wasser (das höhere Werte haben kann?) aufgenommen? An die Biologen: Wäre das möglich?
-Kernwaffen. Ausserirdische kamen auf die Erde und führten Kernwaffentests durch.