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RÜCKBLICK: Die Witterung in Deutschland im Oktober 2007
geschrieben von: Jörg, Berlin-Malchow (53 m) (IP-Adresse bekannt)
Datum: 09. November 2007 18:05

Gesamtübersicht:

Der Oktober 2007 war in Deutschland sehr trocken und - vor allem im Süden und Westen - recht sonnenscheinreich.

Die Mitteltemperaturen lagen wie im Vormonat unter dem Referenzwert.





Die Temperaturverteilung in Deutschland im Oktober 2007


Am wärmsten war es in diesem Monat an der Nordsee und am Rhein. Dort lagen die Monatsmitteltemperaturen teilweise über 10°C (Bremerhaven und Düsseldorf 10,1°C, Cuxhaven und Karlsruhe-Nord 10,4°C, Borkum [MM] 10,5°C, Ihringen 10,6°C, Heidelberg und Norderney 10,7°C, Köln-Niehl 10,9°C, Helgoland-Südhafen 11,5°C). Sonst bewegten sich die Werte in den Niederungen meist zwischen 8 und 10°C. Im Mittelgebirgsraum, in Thüringen, Sachsen und Bayern lagen die Monatsmittel teilweise noch etwas niedriger (Chemnitz, Ansbach und Passau 7,9°C, Augsburg und Erfurt 7,8°C, Hof 6,8°C, Winterberg/Sauerland 6,6°C, Kaltennordheim 6,5°C, Morgenröthe-Rautenkranz 5,5°C, Neuhaus am Rennweg und Albstadt-Degerfeld 5,3°C). Ab 1300 m lagen die Mittel meist allgemein unter 5°C, in den Alpen blieben sie teilweise auch unter 0°C (Funtensee [MM] -0,1°C, Zugspitze -2,6°C).

Mittlere Lufttemperatur im Oktober 2007 in Deutschland


Zu Anfang des Monats lag der Süden noch im Bereich subtropischer Warmluft. Die Nächte waren mild, vereinzelt traten sogar Sommertage mit Höchstwerten über 25°C auf - so z. B. am 04. in Karlsruhe-Nord mit 26,3°C. Die absolut höchste Temperatur des Monats wurde allerdings am 03. mit 27,3°C in Lörrach registriert, gefolgt von 27,0°C in Weil am Rhein. Dagegen kam es vor allem um die Monatsmitte und zu Beginn der letzten Dekade schon verbreitet zu Nachtfrösten: In Reit im Winkl wurden insgesamt zehn Frosttage gezählt und in Baruth (im gleichnamigen Urstromtal südlich von Berlin gelegen) sank das Quecksilber in der Nacht zum 22. sogar auf frühwinterliche -5,9°C.

Im größten Teil Deutschlands (auf 99 % der Fläche) war der Oktober kälter als im internationalen klimatologischen Referenzzeitraum 1961-90. Besonders groß waren die negativen Abweichungen im südlichen Ostdeutschland sowie in den süddeutschen Gebirgen. Dort lagen die Monatsmittel teilweise mehr als 1 Grad unter den Referenzwerten (Erfurt, Halle/Saale, Großer Arber/Bayerischer Wald und Görlitz -1,1 K; Cottbus, Chemnitz, Fichtelberg/Erzgebirge und Hohenpeißenberg/Bayern -1,2 K, Feldberg/Schwarzwald -1,4 K, Wendelstein -1,6 K, Brocken/Harz -1,7 K). Nur im Südwesten lagen die Mitteltemperaturen örtlich geringfügig über den Bezugswerten (Frankfurt am Main +0,1 K, Geisenheim/Rheingau +0,4 K, Bad Bergzabern +0,5 K).

Abweichung der Temperatur im Oktober 2007 in Deutschland vom vieljährigen Mittelwert


Die Mitteltemperatur für Deutschland betrug 8,3 °C. Damit lag dieser Monat um 0,7 Grad unter dem langjährigen Mittel. Somit wurde er der 42.-kälteste Oktober seit 1901.




Die Niederschlagsverteilung in Deutschland im Oktober 2007


In diesem insgesamt sehr trockenen Monat gab es in einem breiten Streifen von Baden-Württemberg über Hessen, Franken, Thüringen und Sachen-Anhalt bis nach Berlin-Brandenburg und weiter östlich bis zur Oder besonders wenig Niederschlag. Dort lagen die Monatssummen teilweise unter 10 mm (Ulm 9,9 mm, Konstanz 9,5 mm, Halle 9,1 mm, Freiburg/Breisgau 8,4 mm, Bensheim 8,2 mm, Bamberg 8,0 mm, Karlsruhe-Nord und Brandenburg/Havel 7,6 mm, Berlin-Eiskeller 6,1 mm, Würzburg 6,0 mm, Frankfurt/Oder 5,8 mm, Bad Nauheim [MM] 5,6 mm, Frankfurt/Main 5,2 mm, Berlin-Tegel 4,3 mm, Bad Kissingen 4,1 mm, Engen/Hegau 2,8 mm, Ihringen 2,5 mm, Singen 2,3 mm, Wutöschingen-Ofteringen/Südschwarzwald 2,2 mm). Für einige Stationen war es sogar der trockenste Oktober seit Beginn der Messungen. Mehr als 70 mm Niederschlag gab es hingegen nur an ganz wenigen Bergstationen (Fichtelberg/Erzgebirge 70,4 mm, Brocken/Harz 72,5 mm, Siegsdorf-Höll 78,2 mm, Reit im Winkl 79,9 mm, Wendelstein 99,3 mm, Zugspitze 99,9 mm).

Niederschlagshöhe im Oktober 2007 in Deutschland


Im Vergleich zur Bezugsperiode 1961-90 gab es nahezu in ganz Deutschland (auf 97 % der Fläche) zu wenig Niederschlag.

Besonders große Niederschlagsdefizite ergaben sich im Südwesten, in Franken sowie im Berliner Raum. Dort lagen die Relativwerte teilweise unter 20 % (Bamberg und Konstanz 18 %, Würzburg 14 %, Karlsruhe-Nord und Freiburg/Breisgau 13 %, Berlin-Tegel 12 %, Feldberg/Schwarzwald 11 %, Frankfurt/Main 10 %, Bad Kissingen 8 %, Engen/Hegau 6 %, Singen 4 %, Wutöschingen-Ofteringen 3 %). Lediglich in Teilen Niedersachsens und in den Alpen wurden die Normalwerte örtlich überschritten (Hannover-Langenhagen 117 %, Wendelstein 131 %, Wunstorf 160 %).

Relative Niederschlagshöhe im Oktober 2007 in Deutschland (in % des vieljährigen Mittelwertes)


Die mittlere Niederschlagshöhe für Deutschland im Oktober 2007 ergab sich im Gebietsmittel zu 25,4 mm. Das sind 30,4 mm oder 54,5 % weniger als im Bezugszeitraum. Der Monat ordnete sich somit als der 14.-trockenste Oktober in Deutschland seit 1901 ein.




Die Sonnenscheinverteilung in Deutschland im Oktober 2007


In diesem Monat gab es im Süden und Südwesten Deutschlands besonders viel Sonnenschein. Dort wurden örtlich mehr als 150 Sonnenstunden registriert (Freiburg/Breisgau 154 h, Niederstetten 155 h, Saarbrücken 156 h, Ihringen und Wendelstein 159 h, Klippeneck/Schwäbische Alb 162 h, Nebelhorn/Allgäu 187 h, Zugspitze 197 h). Im Norden und Osten gab es wegen häufiger Nebel- und Hochnebelbildung hingegen relativ wenig Sonnenschein. Dort lagen die Monatswerte an einigen Stationen unter 100 Stunden (Göttingen und Torfhaus/Harz 97 h, Osnabrück 96 h, Zwickau 95 h, Chemnitz 93 h, Gera 90 h, Treuen/Vogtland 85 h, Aue 78 h, Oberhof 77 h, Morgenröthe-Rautenkranz 75 h, Carlsfeld/Erzgebirge und Brocken/Harz 73 h).

Sonnenscheindauer im Oktober 2007 in Deutschland


Im überwiegenden Teil Deutschlands (auf 73 % der Fläche) lagen die Sonnenscheinsummen über dem vieljährigen Durchschnitt. Besonders große Sonnenscheinüberschüsse ergaben sich im Norden sowie in einem Gebiet vom Saarland bis nach Franken. Dort betrugen die Relativwerte teilweise mehr als 130 % (Würzburg 135 %, Frankfurt/Main 138 %, Saarbrücken 140 %, Wittmund 144 %, Bad Kissingen 146 %, Rheinau-Memprechtshofen 169 %). Verhältnismäßig wenig Sonnenschein gab es hingegen in den nördlichen Mittelgebirgen und im südlichen Ostdeutschland. Dort wurde das Sonnenscheinsoll teilweise nicht erreicht; örtlich blieben die Relativwerte sogar unter 75 % (Chemnitz 74 %, Brocken/Harz 68 %, Aue 58 %).

Relative Sonnenscheindauer im Oktober 2007 in Deutschland (in % des vieljährigen Mittelwertes)


Die Sonnenscheindauer in Deutschland im Oktober 2007 betrug im Mittel 115,3 Stunden. Das sind 6,8 Stunden oder 6,2 % über dem langjährigen Erwartungswert. Der Monat war damit der 23.-sonnenscheinreichste Oktober seit 1951.




Der mittlere auf NN reduzierte Luftdruck lag im Oktober 2007 erheblich über den Durchschnittswerten. Im Einzelnen hatte er Werte von 1023,1 (München-Flughafen) bzw. 1023,2 hPa (Weinbiet/Pfälzer Wald) bis zu 1024,4 (Göttingen) bzw. 1024,6 hPa (Bad Kissingen) aufzuweisen. Daraus resultierte ein nur sehr schwacher Gradient über Deutschland, sodass Starkwind und Sturm in diesem Monat im Flachland völlig ausblieben. In Berlin-Dahlem war das Druckmittel mit 1023,8 hPa nur noch 1,6 hPa von dem bisherigen Dauerhochdruck-Rekordhalter 1985 entfernt. Erst vor genau einem halben Jahr, in dem ebenfalls sehr trockenen und hochdruckdominierten April, war hier ein Monatsrekord in einer mehr als 130-jährigen Luftdruckmessreihe aufgestellt worden.


Zum Abschluss noch zwei ergänzende Karten, die die gefallene Niederschlagssumme im Oktober mit der Lufttemperatur in Bezug setzen. Sie zeigen den Trockenheitsindex für Deutschland sowie dessen Abweichung vom Normalwert:

Trockenheitsindex im Oktober 2007 in Deutschland


Abweichung des Trockenheitsindex im Oktober 2007 in Deutschland vom vieljährigen Mittelwert



Quellen: Forum der Wetterzentrale; Meteomedia, Klimakarten der Abt. Klima- und Umweltberatung sowie Spitzenreiter-Übersicht / Pressemitteilungen des DWD, Institut für

Meteorologie der Freien Universität Berlin
; GeoInfo-Dienst der Bundeswehr

Originalkarten und Witterungsbeschreibungen: Link 1; Link 2


Gruß,
Jörg



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 29.11.07 11:15.



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