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TAWES der ZAMG am Beispiel von WMO 11099 Bludenz, Bildbericht vom 26.10.2017
geschrieben von: Federwolke (IP-Adresse bekannt)
Datum: 28. Oktober 2017 20:22

Hiermit möchte ich als Repräsentantin des TAWES (= Teilautomatisches Wettererfassungs-System) der ZAMG in Österreich eine Station mit der aktuellen Ausrüstung vorstellen. Sie eignet sich deshalb besonders dafür, weil sie vor zwei Jahren im Zuge einer Verlegung errichtet wurde und somit noch recht neu ist. Das TAWES-Netz wurde 1992 mit etwas über 50 Stationen österreichweit eingerichtet und in den Jahren 2007 bis 2009 auf rund 250 ausgeweitet. Seither gibt es nur noch sporadische Neuerrichtungen, zusammen mit den ebenfalls von der ZAMG gewarteten Ö3-Stationen umfasst das Netz aktuell 274 Stationen.

Zwar vergibt die ZAMG allen ihren Stationen intern eine WMO-Nummer, meldet diese aber nicht alle bei der WMO an. So sind von den insgesamt 18 TAWES-Stationen Vorarlbergs nur deren acht bei der WMO registriert und somit sind auch nur deren Synops bei kostenlosen Anbietern wie ogimet und meteomanz abrufbar - Bludenz gehört nicht dazu. Was genau die Gründe und die Kriterien dafür sind, manche Stationen nicht bei der WMO anzumelden, wäre interessant zu erfahren. Mir persönlich erschliesst sich keine Systematik bei den bisher dokumentierten Stationen, weder durch die Ausrüstung noch durch die Lage (Güteklasse).

Lage: Bludenz befindet sich im südlichen Vorarlberg im Westen Österreichs. Die Stadt liegt am Anfang des ungefähr 20 km langen Walgau, der sich in nordwestlicher Richtung bis Feldkirch erstreckt und vom Ill durchflossen wird. In Bludenz teilt sich der Walgau nach Osten ins Klostertal und ins Montafon sowie nach Süden in das durch eine enge Schlucht abgeschlossene Brandnertal auf, das zu den am stärksten vom Föhn beeinflussten Tälern Österreichs gehört. Das Klima ist durch die nach Nordwesten offene Lage nicht völlig inneralpin, ist aber bereits deutlich trockener als der nördlich gelegene Bregenzerwald, der einen Grossteil der Niederschläge aus Nordwest und der kalten Luftmassen aus Norden abfängt. Trotz seiner nur geringen Höhe von rund 500-600 m ist der Walgau im Winterhalbjahr deutlich weniger häufig von Nebel und Hochnebel betroffen als das Rheintal. Allerdings schränken die Berge im Süden den Sonnenschein schon stark ein, am Tag des Besuchs gelangte die Station trotz Sommerzeit bereits um 16:20 Uhr in den Schatten. Dies ist allerdings nicht für den grössten Teil der Stadt repräsentativ, sieht es doch diesbezüglich in den nördlicheren Teilen schon deutlich besser aus.

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Zoombare Karte mit vielen zusätzlichen Informationen im fotometeo-Wetterstationsatlas

Wie bereits eingangs erwähnt, erfolgte im September 2015 eine Stationsverlegung um rund 800 Meter nach Südosten. Hier der alte Standort, im Bild rechts, wo das neu gepflanzte Bäumchen steht:

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Weshalb man bei der Errichtung der TAWES-Station 2007 nicht gleich zum jetzigen Standort am Friedhof St. Peter kam, sondern zunächst im relativ eng bebauten Gebiet bei der Volksschule mit zahlreichen Hindernissen in Form von Gebäuden, ist schleierhaft. Allerdings ist auch der aktuelle Standort nicht unproblematisch, steht doch ausgerechnet in der Hauptwindrichtung Nordwest höherer Bewuchs:

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Der Blick nach Nord bis Ost zeigt zwar eine offene Fläche mit nur wenig Belag, aber auch, dass die Temperaturhütte die Hecke im Nordwesten nur knapp überragt:

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Blickrichtung Südwest:

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Am 10 m hohen Mast ist von oben nach unten der Ultraschall-Anemometer, ein Schenk Starpyranometer 8101 zur Erfassung der Globalstrahlung und darunter der Hänni/Lufft/Kroneis Solar 111 zur Erfassung der Sonnenscheindauer (min. 120 mW/m²) montiert.

Blickrichtung Südost:

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Die Stephensons-Wetterhütte wird nach oben durchventiliert und enthält einen Fenwal-Thermistor, ein Pernix-Haarhygrometer von Lambrecht sowie (eventuell, da nicht in allen Stationen vorhanden) einen Vaisala HMP243 Taupunktsensor. Der Niederschlagsmesskübel enthält entweder einen Paar AP23 oder Meteoservis MR3H-F Niederschlagsgeber (konnte ihn ja schlecht auseinandernehmen, um nachzuschauen Zwinkern ), daneben ist ein Thies Niederschlagswächter installiert (auch optischer Tropfenzähler genannt). In einer der beiden Blechkisten steckt ein Meteolabor BM35 Barometer. Da die Dinger immer so gut versteckt sind, hier mal das Datenblatt des Herstellers: [www.meteolabor.ch]

Am Ausleger links steckt ein Vierkomponenten-Nettoradiometer CNR4 mit CNF4-Ventilationseinheit von Kipp & Zonen:

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Dieses Gerät vereint Pyranometer und Pyrgeometer zur Erfassung der kurz- und langwelligen Ein- und Ausstrahlung.

Standard in Österreich sind die in einer "Mausefalle" steckenden Temperatursensoren für die 5cm-Temperatur:

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Da keine Höhenverstellbarkeit vorhanden ist, wird bei Schnee nicht die Lufttemperatur über Boden, sondern die Schneetemperatur gemessen.

Zu guter Letzt noch die Schutzvorrichtung, unter der die Bodentemperatur-Sensoren in -10 cm, -20 cm und -50 cm eingelassen sind:

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Derzeit erfolgt die allmähliche Umrüstung des Netzes in die neue Generation VAMES (=Voll-Automatisches-Meteorologisches-Erfassungs-System) mit Ceilometer, Sichtweitenmessgerät und Schneehöhen-Laser. In erreichbarer Tagesausflugs-Distanz wurde bisher Feldkirch entsprechend ausgerüstet, ist also ein Ziel für nächstes Jahr - zumal meine Bilder dieser Station dann auch schon wieder fünf Jahre alt sind. Fazit: Die Arbeit geht nie aus...

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Grüsslis
Fabienne, Muri bei Bern, 560 m

Europäischer Wetterstationsatlas: [www.fotometeo.ch]
Wetterlagenkalender: Grosswetterlagen und Witterungstypen seit 2001 übersichtlich in Kalenderform: [www.orniwetter.info]



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 28.10.17 20:36.



Thema Klicks geschrieben von Datum/Zeit
  TAWES der ZAMG am Beispiel von WMO 11099 Bludenz, Bildbericht vom 26.10.2017 345 Federwolke 28.10.17 20:22
  Vielen Dank für die interessanten bebilderten Ausführungen (oT) 109 Matthias aus Nordenham 28.10.17 22:16
  Re: TAWES der ZAMG am Beispiel von WMO 11099 Bludenz, Bildbericht vom 26.10.2017 163 Jürgen (Holzminden, 93 m) 29.10.17 23:21


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