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DWD-Station Dillenburg (ID 0979): Bildbericht vom 17.03.2017
geschrieben von: Jürgen (Holzminden, 93 m) (IP-Adresse bekannt)
Datum: 10. September 2017 21:08

Am dritten Freitag im März ging es mit einer noch nicht ganz auskurierten Bronchitis von Mainz aus zunächst nach Wiesbaden-Auringen [www.wzforum.de], wo ich erneut erfolglos blieb beim Versuch, bessere Bilder von der dortigen Station einzusacken. Mehr aus Frust heraus fuhr ich dann anschließend über die A3 bis kurz vor Limburg, besuchte zunächst die Station Runkel-Ennerich [www.wzforum.de] und anschließend Löhnberg-Obershausen (zwei sehr schöne, Ansprüche an ein Hauptamt erfüllende Standorte, Bericht aus Obershausen folgt noch), bevor ich mich noch zur Weiterfahrt über die A45 nach Dillenburg entschloss. Diese Station war eigentlich zu einem späteren Zeitpunkt geplant, aber da die Luftbilder bereits recht eindeutig zeigten, dass dort wenn überhaupt nur etwas während der vegetationsfreien Phase zu holen sein würde, war es Mitte März ja bereits höchste Zeit. Und so begann das Abenteuer "Alte Rheinstraße", wie ich es einmal nennen möchte.

Geographie:
Dillenburg ist ein sog. Mittelzentrum im mittelhessischen Regierungsbezirk Gießen im heutigen Lahn-Dill-Kreis, zuvor Kreisstadt des Dillkreises (bis 1977, damals Regierungsbezirk Darmstadt). Die inkl. Eingemeindungen Ende 2015 rund 23.500 Einwohner zählende Stadt liegt im Dilltal auf einer Höhe von 230 m (Stadtmitte) nördlich von Herborn. Im Norden des Stadtgebiets endet der südlichste Ausläufer des Rothaargebirges, im Osten schließt sich das Gladenbacher Bergland und nach Westen der Westerwald an.
Dillenburg ist je nach Standpunkt Ziel- oder Startpunkt des Rothaarsteigs, einem Fernwanderweg, dessen Hauptweg vom Briloner Marktplatz zum Dillenburger Bahnhof führt.

Topographie:

[upload.wikimedia.org]

http://fotogalerie.weser-solling-wetter.de/var/resizes/Wetterstationen/Dillenburg/Topographie.PNG?m=1505066758


http://fotogalerie.weser-solling-wetter.de/var/resizes/Wetterstationen/Dillenburg/Dillenburg_1.PNG?m=1505054776


Historie:
Die Stationsgeschichte geht zurück bis in das Jahr 1892. Ab Juni gab es in Dillenburg eine
Niederschlagsstation (Messnetz 6 monatliche Summen ohne Tageswerte), Tageswerte liegen ab 01.01.1931 vor.
1947 erfolgte die Umwandlung in eine Klimastation 2. Ordnung auf knapp 230 m. Auf der Karte unten ist dieser Standort mit einem gelben Pfeil markiert. Weitere Daten aus der Historie dieses Standorts:
01.08.1947: Neueinrichtung der Klimastation auf dem Gelände des Wasserwirtschaftsamtes, der Beobachter ist dort Angestellter. Höhe 227m, es ist noch keine Klimahütte vorhanden.
23.10.1947: Die neue Klimahütte wird im Garten der Behörde aufgestellt.
01.11.1949: Versetzung der Klimahütte um 5m südlich.
Im Juli 1950 wurde die Hütte neu gestrichen.
16.07.1952: Thermometerhütte und Gestell wurden erneuert.
Frühjahr 1954: Neuanstrich der Klimahütte
01.12.1955: Verlegung der Klimastation innerhalb des Geländes

An diesem Standort wurden auch Sonnenscheinmessungen durchgeführt, die zum 30.11.1960
wieder eingestellt wurden.

Zum 01.06.1970 erfolgte eine Verlegung auf das Gelände der Kläranlage südöstlich des damals noch eigenständigen Orts Niederscheld auf 220 m (blauer Pfeil).

Juli 1973: Austausch der Thermographen
29.04.1976: Austausch der Thermohütte
20.04.1978: Klimahütte wurde neu gestrichen und auf Betonpfosten gesetzt.
01.11.1982: Beobachterwechsel
Seit dem 17.02.1983 ruht die Station.


Diese Unterbrechung dauerte gut zweieinhalb Monate, zum 05.05.1983 erfolgte die Fortsetzung der Messungen nach einer Rückverlegung nach Nordwesten an den Stadtrand auf eine Höhe von 266 m (grüner Pfeil).
06.05.1983: Austausch der Thermometerhütte und des Stationsthermometers (feucht)
23.05.1985: Austausch des Minimumthermometers
18.07.1985: Austausch des Thermographen
11.04.1986: Austausch der Maximum- und Stationsthermometers (trocken)

Die nächste Verlegung fand nach gut elf Jahren im September 1994 statt (schwarzer Pfeil):
10.09.1994: Verlegung an den Nordhang, ca. 300m nordöstlich der alten Station, Höhe 277m NN.

Von diesem Standort stammen die letzten beiden Einträge in der DWD-Übersicht der Inhomogenitäten:
31.03.1998: Austausch des Minimumthermometers
27.10.1998: Austausch des Hüttentrittes und Anbringen eines zusätzlichen Geländers.


Die dortigen Messungen wurden zum 31.08.2004, also nach fast genau zehn Jahren, beendet,
es erfolgte die Verlegung an den aktuellen Standort an der Alten Rheinstraße westlich der A45
auf 314 m (roter Pfeil).

http://fotogalerie.weser-solling-wetter.de/var/resizes/Wetterstationen/Dillenburg/Dillenburg_hist.PNG?m=1505054798

Mit der offiziellen Inbetriebnahme am 01.09.2004 im Nebenamt als WST III wurde nun digital
gemessen. Zusätzlich zum AMDA-III-Standard wird auch die Erdbodentemperatur erfasst (EB)
und zum 03.05.2006 ein Sonnenscheinmesser, Typ SONIe, an einem Mast in 6 m über dem Boden
in Betrieb genommen. Darüber hinaus erfolgt die Messung der Schneehöhe im Winterhalbjahr durch den ehrenamtlichen Beobachter.

http://fotogalerie.weser-solling-wetter.de/var/resizes/Wetterstationen/Dillenburg/Dillenburg_2.PNG?m=1505054787


Klima/Extremwerte:
Die Jahresmitteltemperatur gibt der DWD mit 7,7 °C für den Zeitraum 1961-1990 und 8,4 °C für den Zeitraum 1981-2010 an. In der jüngeren Klimaperiode haben alle Monate eine positive Mitteltemperatur (Januar 0,1 Grad). Die mittleren Jahresniederschläge werden mit 763 mm bzw. 834 mm angegeben.
Auffällig sind tiefe Minima in Ausstrahlungsnächten und trotz der Höhenlage im Vergleich zu niedriger gelegenen Umgebungsstationen (Gießen/Wettenberg [www.wzforum.de], Obershausen, Ennerich) hohe Maxima bei Strahlungslagen, die teilweise, aber wohl nicht vollständig mit der eingeschränkten Belüftung des aktuellen Standorts zu erklären sind (da bereits an früheren Standorten vorhanden,
vgl. Hitzewellen August 2003 und Hochsommer 1994) und daher wohl auch mikroklimatische Ursachen haben müssten - soweit jedenfalls meine Vermutung ohne Ortskenntnisse. Denkbar ist natürlich auch, dass schon die früheren Standorte nicht gut durchlüftet waren.

Die Extremwerttabelle zeigt dann auch den 4.7.2015 als bisher heißesten Tag an (Quelle: www.sklima.de):

http://fotogalerie.weser-solling-wetter.de/var/resizes/Wetterstationen/Dillenburg/Extremwerttafel.PNG?m=1505054795


Diese 38,4 °C sind für einen Standort auf 314 m ein beeindruckender Wert:

[kachelmannwetter.com]

http://fotogalerie.weser-solling-wetter.de/var/resizes/Wetterstationen/Dillenburg/Tx%2004072015.PNG?m=1505066548


Stationsstandort/Fotos
Die Station befindet sich an der Alten Rheinstraße außerhalb bzw. am Rand des Siedlungsgebiets
im Westen unweit des Betriebsgeländes des THW neben einer Gärtnerei, von der sich nicht ermitteln ließ, ob sie sich noch in Betrieb befindet. Von der Straße wird das Grundstück durch dichten und überwiegend hohen Bewuchs von Nadel- und Laubgehölzen abgetrennt, so dass Fotos nur aus der Distanz durch die Mitte März noch nicht belaubten Sträucher hindurch möglich waren, was natürlich Auswirkungen auf die Qualität hat - in erster Linie der Bilder, aber nach meiner Auffassung auch auf die Messungen, v.a. auf die Extremtemperaturen, da die natürliche Belüftung fast rundum eingeschränkt ist. Die gezeigten sehr hohen Temperaturen während der Hitzewelle im Juli 2015 werden sicher zumindest zu einem Teil hierin ihre Ursache haben - bei gleicher 850 hPa-Temperatur lag das Maximum im fast 150 m tiefer und sehr frei gelegenen Runkel-Ennerich um 2,6 Grad niedriger.

Von diesem Bewuchs abgesehen, gibt es in der weiteren Umgebung keine Hindernisse, dennoch wundert es, wie die Sonnenscheinmessung angesichts der hohen Nadelgehölze funktioniert.
Das Bodenmessfeld macht einen gepflegten und bewuchsfreien Eindruck, auffällig ist, dass der nicht zum offiziellen Umfang gehörende Hellmann-Regenmesser (den der Betreuer wie manche andere Ehrenamtler, auf deren Messfeldern noch einer steht, möglicherweise noch weiterhin privat für Kontrollmessungen nutzt, was aber ein anderes Thema ist, das nach übereinstimmenden Schilderungen durchaus Wespennestcharakter hat) offenbar auf Gebirgsstationshöhe von 1,5 m montiert ist.

http://fotogalerie.weser-solling-wetter.de/var/resizes/Wetterstationen/Dillenburg/Dillenburg_3.PNG?m=1505054791


http://fotogalerie.weser-solling-wetter.de/var/resizes/Wetterstationen/Dillenburg/IMG_0567.JPG?m=1489769205


Den besten Blick hat man noch, wenn man vom verschlossenen Tor zur Gärtnerei aus Richtung Süden auf das Gelände sieht (zugleich die einzige erkennbare Luftschneise):

http://fotogalerie.weser-solling-wetter.de/var/resizes/Wetterstationen/Dillenburg/IMG_0555.JPG?m=1489769093


http://fotogalerie.weser-solling-wetter.de/var/resizes/Wetterstationen/Dillenburg/IMG_0558.JPG?m=1489769113


http://fotogalerie.weser-solling-wetter.de/var/resizes/Wetterstationen/Dillenburg/IMG_0557.JPG?m=1489769089


Die nachfolgenden Aufnahmen erfolgten aus der Hocke durch Lücken im Bewuchs aus
westlicher Richtung und sind leider überwiegend schief ausgerichtet:

http://fotogalerie.weser-solling-wetter.de/var/resizes/Wetterstationen/Dillenburg/IMG_0559.JPG?m=1489769119


http://fotogalerie.weser-solling-wetter.de/var/resizes/Wetterstationen/Dillenburg/IMG_0560.JPG?m=1489769133


http://fotogalerie.weser-solling-wetter.de/var/resizes/Wetterstationen/Dillenburg/IMG_0562.JPG?m=1489769157


http://fotogalerie.weser-solling-wetter.de/var/resizes/Wetterstationen/Dillenburg/IMG_0563.JPG?m=1489769164


http://fotogalerie.weser-solling-wetter.de/var/resizes/Wetterstationen/Dillenburg/IMG_0564.JPG?m=1489769181


http://fotogalerie.weser-solling-wetter.de/var/resizes/Wetterstationen/Dillenburg/IMG_0566.JPG?m=1489769201


Anschließend endete die Ablichtung abrupt, da nun der vermutliche Eigentümer mit einem
wenig vertrauenerweckenden Hund im Anschlag zielstrebig auf mich zuhielt, so dass hier
nun Flucht als sinnvollster Weg erschien, die mir dann recht schnell die Schwächung durch
die Bronchitis in Erinnerung rief, was keine so schöne Erfahrung war. Aber letztlich ging es
heil nach Mainz zurück. Zwinkern


Fazit: Das Messfeld macht einen gepflegten Eindruck, die Qualität des Standorts muss jedoch wegen des sehr dichten und hohen Bewuchses in Frage gestellt werden. Es sind jedenfalls Fälle überliefert, in denen die Begutachter des DWD Standortbewerber mit geringerem Hindernisbewuchs mit Verweis auf die Vorschriften abgelehnt haben.

Dass hier bereits bei der Einrichtung des Standorts mächtiger Bewuchs herrschte, belegen die nachfolgenden Bilder aus dem Jahr 2006, die mir kürzlich zur Verfügung gestellt wurden:

http://fotogalerie.weser-solling-wetter.de/var/resizes/Wetterstationen/Dillenburg/02_12_2006%2012-44-36.jpg?m=1505054766


http://fotogalerie.weser-solling-wetter.de/var/resizes/Wetterstationen/Dillenburg/02_12_2006%2012-44-15.JPG?m=1505054767


http://fotogalerie.weser-solling-wetter.de/var/resizes/Wetterstationen/Dillenburg/02_12_2006%2012-45-28.JPG?m=1505054781


Auch dies also Bilder aus der Vegetationspause, im Sommer dürften sich die Belüftungsverhältnisse sicher noch um ein Stück verschärfen.

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http://fotogalerie.weser-solling-wetter.de/var/resizes/Wetterkarten/Tippspiele/Fu%C3%9F_1.png?m=1567881542
Und von: [www.berliner-wetterkarte.de]

Wesersollingwetter-Blog: [wesersollingwetter.wordpress.com]
Fotogalerie DWD-Wetterstationen: [fotogalerie.wetter-holzminden.de]
Rohdaten Wetterstation Holzminden-Stadt: [www.awekasbox.at]



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 10.09.17 21:10.



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