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DWD-Station Osterfeld (ID 3821), Bilder vom 29.09.2016
geschrieben von: Snab - Naumburg(Saale)/Sandersdorf (IP-Adresse bekannt)
Datum: 26. März 2017 01:19

Endlich komme ich mal wieder dazu, hier einen Stationsbericht zu veröffentlichen. Es geht wieder ins südliche Sachsen-Anhalt, 50km südwestlich von Leipzig. Ich hatte diese Station (zusammen mit Kreipitzsch und der MG-Station Naumburg/Saale) Ende September besucht. Sie ist leicht erreichbar, denn in unmittelbarerer Nähe des kleinen Städtchens Osterfeld verläuft die A9. Osterfeld ist Teil des Burgenlandkreises, der Saale-Unstrut-Region und bildet damit den Übergang zwischen der Leipziger Tieflandsbucht und den Thüringer Mittelgebirgen. Die Stationshistorie ist gerade lang genug, um den WMO-Ansprüchen zur Klimamittelung zu genügen: angegeben sind 8,3°C als Jahresdurchschnitt und 552mm Jahresniederschlag. Inbesondere bei Nordwestanströmung sorgt das Harzlee auch hier für recht trockene Verhältnisse, wenngleich im Schnitt bereits 100mm mehr Niederschlag als im Raum Halle registriert werden.

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Nachdem hier schon im frühen Mittelalter eine Burganlage (bis heute teilweise erhalten) errichtet wurde, entwickelte sich im Tal des Steinbachs eine süße Kleinstadt, die heute lediglich 2460 Einwohner zählt. Die Autobahn und auch die Station befinden sich dagegen auf einem Hochplateau, rund 50 Höhenmeter über dem Stadtzentrum. Entsprechend günstige Windbedingungen ergeben sich für die Station und vor allem für die naheliegenden Windparks Stößen-Teuchern und Stößen-Osterfeld, die zusammen fast 100 Anlagen und damit Deutschlands leistungsstärksten Onshore-Windpark stellen.

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Die Koordinaten im Stationslexikon führen an den nordöstlichen Dorfrand und an das Ende einer vermeintlichen Straße. Diese entpuppte sich als Schotterweg mit gut 10% Gefälle, sodass ein direktes Anfahren der Station zwar möglich, aber schwierig gewesen wäre (Ich empfehle für weitere Besuche den Norma-Parkplatz in der Nähe). Der Standort ist exponiert und unweit von den ersten Anlagen des Windparks entfernt. Nach Osten stehen ein paar Bäume, nach Norden und Westen folgt Acker und nach Süden der Feldweg in den Ort, an den lockere Bebauung grenzt.

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Stationsgeschichte:
Bei den Klimadaten bereits angesprochen, reicht die Stationsgeschichte noch nicht allzu weit zurück. Begonnen wurde am 01.08.1984, allerdings nicht am heutigen Standort, sondern am südöstlichen Stadtrand auf 262m ü.NN. Dort wurden seit der 1.Stunde Wind, Temperatur und Niederschlag konventionell erfasst, am 01.09.1985 kamen Erdbodenmessungen hinzu. Im November 1989 wurde das alte Windmessanlage gegen den WMG 201 ausgetauscht, der Wind allerdings weiterhin 19m über dem Boden gemessen. Am 01.April 1992 installierte der DWD einen SONIE-Sensor auf nur 1,5m Höhe, erweiterte damit das Messprogramm aber um die Sonnenscheinmessung. Über Luftdruckmessungen am alten Standort gibt die Datenbank leider wenig Auskunft, auf Kachelmannwetter lassen sich aber bis 16.08.1990 Messwerte zurück verfolgen, sodass ich an diesem Tag von einer Aufnahme der konventionellen Luftdruckmessung ausgehe.
Die Verlegung der Station an den neuen Standort auf 246m ü.NN erfolge zum 01.12.1999. Mit dieser Verlegung wurden auch die Messhöhen des Anemometers und des SONIEs auf 10m bzw. 4m über dem Boden geändert. Zugleich begann parallel zur konventionellen Niederschlagsmessung auch die automatische Niederschlagserfassung mittels NG200. Eine erneute Verlegung des SONIEs von 4m auf 8m Höhe erfolgte zum 17.05.2004. Seit dem 13.09.2006 misst die Station vollautomatisch und wurde deshalb um die Lamellenhütte mit den elektrisch arbeitenden Sensoren, ein Digitalbarometer, den PLUVIO, sowie die Messgeräte zur Erfassung von Wolkenuntergrenze, Niederschlagsart, Sichtweite (Videograph) und Schneehöhe erweitert. Mit diesem Tag wurde wahrscheinlich auch die Beobachtertätigkeit eingestellt, dessen Umfang in den Jahren zuvor mir aber unklar ist. Letzte Änderung ist mit dem 09.07.2008 und der Einführung des Ultrasonics zur Windmessung datiert.
Eine wesentlich längere Stationsgeschichte (seit 1951) verzeichnet dagegen die 2006 eingestellte konventionelle Niederschlagsmessung im Osterfelder Bauernweg (rund 500m südwestlich der heutigen Station).

Stationsbilder:
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Als Teil des DWD-Hauptamtes ist die Station mit AMDA-I Messtechnik ausgestattet, sie arbeitet vollautomatisch und übermittelt stündlich die gängigen SYNOP-Meldungen. Die meisten Messgeräte sollten bekannt vorkommen, deshalb schreibe ich mal weniger dazu.
Der Weg zur Station:

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Stationsschild:

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Lamellenhütte (da ist mir die Fokussierung ein wenig misslungen, dafür glänzt besagter Normaparkplatz in voller Schärfe Zwinkern):

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Pluvio und Stationsweg:

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Ultraschallanemometer auf 10m Höhe, SONI auf 8m Höhe, Lamellenhütte (rechts) und Videograph (Mitte):

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Schneehöhen-Laser, im Bild rechts: das Ceilometer (Wolkenuntergrenze)

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Disdrometer (Niederschlagsart):

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Ordentlich gepfelgtes Erdbodenmessfeld , rechts dahinter: Pluvio und Niederschlagswächter:

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Der Videograph nochmal im Detail. Osterfeld ist die erste von mir besuchte Station, an der dieses Messgerät zur Sichtweitenmessung aufgestellt ist, Messprinzip und Vor- und Nachteile kann man hier nachlesen: Messungen der Sichtweite (Dokument vom DWD):

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Neben der Station gab es auch noch eine Sonde zur Radioaktivitätsmessung:

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Die Hanglage und Exposition gen Südwesten werden in den folgenden 2 Bildern deutlich:

https://www2.pic-upload.de/img/32906167/P1080884.jpg

https://www2.pic-upload.de/img/32904361/P1080887.jpg

Fazit:
Als Station im DWD-Hauptamt selbstverständlich ordentlich gepflegt und mit dem kompletten automatischen Messprogramm ausgestattet. Osterfeld repräsentiert damit das regionale Klima im Süden Sachsen-Anhalts und wird dabei durch die vergleichsweise eng angrenzenden Nebenamts-Stationen Kreipitzsch und Zeitz unterstützt. Die exponierte Lage am Südwesthang der Buntsandsteinplatte spricht für hohe Mittelwinde und gute Durchlüftung trotz Hanglage. Lokalklimatisch ergeben sich dadurch natürlich auch höhere Minima in Strahlungsnächten und weniger Nebel bei flachen Inversionen, diese Unterschiede werden aber im Saaletal wesentlich deutlicher auftreten.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 26.03.17 01:28.



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  DWD-Station Osterfeld (ID 3821), Bilder vom 29.09.2016 2018 Snab - Naumburg(Saale)/Sandersdorf 26.03.17 01:19
  Re: DWD-Station Osterfeld (ID 3821), Bilder vom 29.09.2016 235 Jürgen (Holzminden, 90m) 26.03.17 10:55
  Re: DWD-Station Osterfeld (ID 3821), Bilder vom 29.09.2016 199 Snab - Naumburg(Saale)/Sandersdorf 26.03.17 14:57
  Danke! Steht ziemlich frei und erhöht die Station, was die etwas höheren Spitzenböen im Vergleich zu anderen Stationen erklären dürfte. (oT) 165 Christoph (Halle/Saale) 29.03.17 14:26
  Artikel der Mitteldeutschen Zeitung dazu >> 265 Jörg, Berlin-Malchow (53 m) 02.04.17 21:04


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