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stimmt, nach den Koordinaten 380, real 420 Meter...
geschrieben von: Jörg, Berlin-Malchow (53 m) (IP-Adresse bekannt)
Datum: 25. März 2017 20:27

weitere Nachforschung ergab: Die NST Halle-Trotha befand sich in der ehrenamtlichen Betreuung des Wasser- und Schifffahrtamts in der Schleusenstr. 11 am Mühlgraben. Sie wurde von Mai 1905 (!) bis Ende 2001 betrieben, doch erst ab Januar 1969 liegen im DWD maschinenlesbare Daten vor. (Regenmengen und Schneehöhen, leider ohne den Schnee der Märzmonate 1993+1996 und vom Winter 95/96 liegen lediglich die Schneehöhen des Februars vor)
Zwischen der Adresse Schleusenstr. 11 und dem Kröllwitzer Messfeld am Donnersberg liegt lediglich die Saale einschließlich der bewaldeten Saale-Insel Forstwerder.

Dass das DWD-Messfeld auf dem Kröllwitzer Donnersberg zu frei lag, wird auch in dem Bericht von U.Wendling erwähnt ( vgl. [www.dwd.de] ), Zitat:

"Die insgesamt etwas höheren Niederschlagswerte in der Stadt dürften aus der dort
sehr geschützten Aufstellung des Niederschlagsmessers im Vergleich zur offenen
Fläche des Messfeldes der Station Halle-Kröllwitz resultieren."


Im Innenstadtbereich war es also nicht etwa - wie man fälschlicherweise annehmen könnte - deutlich niederschlagsreicher, sondern es waren einfach nur die Messbedingungen besser und realer im Vergleich zu dem beheizten Automatenbecher in Kröllwitz, über den es einen nicht unbedeutenden Teil des Regens und besonders des Schnees im Winter hinweggeweht haben dürfte.
Bei der im Bericht angesprochenen Homogenisierung wurden die Innenstadtmessungen auf Kröllwitz reduziert, womit zwar die Niederschlagsreihe homogen gemacht wurde, aber die Jahresmengen eben absolut zu niedrig sind und damit für die gesamte Stadt oder gar die weitere Umgebung nicht repräsentativ sein können.
Ähnliches gilt auch für die Sonnenscheindauer, die von 1901 bis zur Vereinheitlichung der Auswertungsregeln bei den Campbell-Stokes-Brennstreifen durch den Reichswetterdienst 1934/35 unrealistisch hohe Jahressummen aufweist (rote Kurve in Abb. 1 auf Seite 242 von [www.dwd.de] ). So soll im Jahre 1921 die Sonnenscheindauer von Halle sage und schreibe 2332 h betragen haben! (und damit sogar 11 h mehr als der DWD-Rekord aus Karlsruhe von 2003 bzw. 3 h mehr als das Klippeneck 1959; lediglich die damalige MM-Station Pforzheim hatte 2003 noch 15 h mehr)
Es liegt auf der Hand - und die untere Abbildung auf Seite 242 im Vergleich mit der blauen Kurve von Potsdam belegt es auch -, dass Halle hier zuviel Sonne gemessen hat. In den 1940er Jahren liegen die Werte dann nur geringfügig unter Potsdam, ab den 50ern brechen sie ein - angeblich wegen der braunkohlebedingten Luftverschmutzung, wie im Bericht gemutmaßt wird, obgleich nicht ausgeschlossen werden kann, dass sich der Sonnenscheinmesser in zu niedriger Höhe im Saaletal befand.
Wir hatten aber schon früher im Fall Schkeuditz gesehen, dass die dortigen Werte von 1982 sowie ab 1988 sich zum deutschen Flächenmittel und auch zu Potsdam wieder ähnlich verhalten wie in den 1940ern. Auch die Station Leipzig-Süd (heutiges Holzhausen) hatte, wie auch hier aufgezeigt, im Mittel der Jahre 1951-57 um die 85 h/a mehr als das dt.Flächenmittel --> das entspricht umgerechnet ca. 1630 h bezogen auf die 61-90er Referenzperiode.
Für Leipzig-Schkeuditz und somit auch das benachbarte Halle dürften die 1545 + 110 = 1655 h/a (61-90) sowohl realistisch als auch repräsentativ sein. Das entspricht zufällig auch so ziemlich den Werten im Berlin-Brandenburger Raum (nur Potsdam hat ~ 20 bis 50 h/a mehr).
In engen Flusstälern ist es halt schwierig die Sonnenscheindauer gut zu messen, wenn man den Solarsensor nicht auf dem Dach des höchsten Hochhauses aufstellen will. In Halle-Kröllwitz befand sich der Solarsensor laut FTP-CDC-Server des DWD in den Jahren 2003-2015 in nur 1,6 m Höhe, in Leipzig-Schkeuditz bis Ende 1987 in 1,5 m Höhe. Er wurde dann ab 1.1.1988 dort auf 20 m Höhe versetzt und misst seit der Jahrtausendwende auf 4,2 m Höhe plausible Werte.

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6-mal bearbeitet. Zuletzt am 25.03.17 20:52.



Thema Klicks geschrieben von Datum/Zeit
  DWD-Station Quedlinburg (ID 4032): Bildbericht vom 18.09.2016 2071 Jürgen (Holzminden, 90m) 08.03.17 20:25
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  Schmunzeln Ich komme via google earth auf knapp 350 Meter. (oT) 230 Jürgen (Holzminden, 90m) 10.03.17 12:33
  stimmt, nach den Koordinaten 380, real 420 Meter... 242 Jörg, Berlin-Malchow (53 m) 25.03.17 20:27
  Was ein Wirrwarr. Danke fürs Aufdröseln. (oT) 199 Jürgen (Holzminden, 90m) 25.03.17 23:40
  Danke für die Infos. Apropos Halle: Gibt es eigentlich Überlegungen eine neue DWD-Station zu eröffnen bzw. eine vorhandene aufzuwerten, nachdem Kröllwitz Geschichte ist? (oT) 175 Christoph (Halle/Saale) 29.03.17 14:24
  Nein, leider nicht... 244 Jörg, Berlin-Malchow (53 m) 30.03.17 22:51
  Schade... (oT) 162 Christoph (Halle/Saale) 02.04.17 13:51
  Am besten Geld oder Sponsoren sammeln und selber was aufstellen... 183 Halle/Saale David 02.04.17 14:30
  Man könnte die DWD-Station in Döllnitz aufwerten, die bisher ja nur NDS-Station ist. (oT) 178 Christoph (Halle/Saale) 02.04.17 18:39
  Eine AMDA kostet aber und der DWD will ja bekanntlich Vorzeige-Sparmeister aller deutschen Behörden sein. Da muss Halle mit "nur" 170jähriger Messhistorie zurückstecken (oT) 194 Jörg, Berlin-Malchow (53 m) 02.04.17 20:56
  Solange ein 2m-Mastrohr mit Halterung für LAM630 insgesamt ... 227 Bochumeteo 03.04.17 11:40
  Re: Solange ein 2m-Mastrohr mit Halterung für LAM630 insgesamt ... 224 Jürgen (Holzminden, 90m) 03.04.17 12:00
  Wir brauchen aber keine 1000 (Temperatur-)Stationen in Deutschland;-) Es geht bei Halle um eine durchlaufende Messreihe von über 150 Jahren! (oT) 196 Jörg, Berlin-Malchow (53 m) 03.04.17 23:16
  Man zeige mir einen guten Platz mit Steckdose, dann stellen wir gerne was hin. (oT) 205 Anonymer Teilnehmer 04.04.17 04:22
  Zwinkern Ich schau und überlege mal, ob sich da was finden lässt. (oT) 268 Christoph (Halle/Saale) 04.04.17 13:38
  Danke Jörg für diese mal wieder ebenso aufwändige wie exzellente Recherche! 292 Jürgen (Holzminden, 90m) 12.03.17 22:49


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