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Zwinkern Re: Dein 10-Jahresrekord beißt sich mit dem bestehenden 12-Monatsrekord
geschrieben von: Jörg, Berlin-Malchow (53 m) (IP-Adresse bekannt)
Datum: 21. Januar 2018 05:03

´
> Oder einfacher gesagt, weil (s. 3 Zeilen weiter
> oben) das extrem warme Jahr Mitte Juni 2006 bis
> Mitte Juni 2007 durch ein quasi zwangsläufig viel
> kälteres Jahr Mitte Juni 2016 bis Mitte Juni 2017
> ersetzt wurde.

Warum findest du das "zwangsläufig"? Immerhin wurden in diesem Zeitraum auch 2 Monatswärmerekorde erreicht (der September 2016 zog mit dem 2006er gleich und der März 2017 wurde sogar der wärmste seit mindestens 267 Jahren!)
Das ist nicht wesentlich weniger als die 3 Monatswärmerekorde in der Warmphase vor rund 11 Jahren (neben dem September noch der Juli 2006 sowie der Januar 2007).


> Der Welt-Artikel ist gar nicht so schlecht, wenn
> man die schwachsinnige Überschrift weglässt.

Doch - man lese mein Beispiel mit dem heraufbeschwörten Vegetationsbeginn Ende Januar, wofür wie aufgezeigt selbst auf Meeresspiegelniveau rund +3,5 K (im gesamtdeutschen Durchschnitt sogar +5 K!) Temperaturanstieg gegenüber 1961-90 notwendig wären. Wer das für die Dekade 2028-2037 für noch ernsthaft erreichbar hält, glaubt auch UFOs oder unbefleckte Empfängnisse.

Ebenso sind die in "Crash 2030" heraufbeschwörten Szenarien eines aufgrund ständiger Hochwässer im Winter und Frühjahr sowie permanenter Sommerdürren komplett ruinierten und fast unbewohnbar gewordenen Deutschlands mit einer völlig darniederliegender (Land-)Wirtschaft dermaßen irreal, wie sie irrealer kaum sein könnten. Die Fotos vom Waldsterben stammen wohl aus den 1980ern, und anno 1994 war der SO2-Gehalt schon deutlich am Zurückgehen. Hätten die Macher dieses Films durchaus wissen können - aber warum sollten die sich am Wahrscheinlichen orientieren, wenn doch die Schwarzmalerei auf der Leinwand so toll aussieht und zudem noch ständig mit so triefend melancholischen Violinklängen unterlegt ist.
Die "Bruchbuden" von abgas-gebräunten Hauswänden, in denen die Menschen 2030 angeblich unter grausamen Bedingungen hausen müssen, weil die Versicherungen angesichts der "ständigen Stürme und permanenten Orkane" so immensen Forderungen ausgesetzt sind, dass sie die Schäden nicht mehr zu begleichen imstande sind, sodass dort auch niemand mehr Miete zahlt, sind wohl kurz nach der Wende hier im Ostteil Berlins aufgenommen worden. Wenn du letztmalig 1993/94 in Berlin warst und heute nach 25 Jahren in die gleiche Straße gehst, würdest du dich wundern. Nicht nur ist der Putz in aller Regel längst erneuert, sondern auch die Mieten dürften ungefähr zwischen 700 % und 1500 % zugelegt haben.
(Wenn du hier bist, zeige ich dir gern meinen Mietvertrag vom Sommer 1990 über 130 DM - heute 600 Euro -, und ich wohne nichtmal in der Innenstadt, sondern fast 10 km außerhalb und auch nicht in so einem heruntergekommenen Altbau, sondern in einem 80er-Jahre-Bau. Ganz nebenbei: Kennst du irgendjemanden mit einem 'normalen' Job, dessen jährliche Einkommens- bzw Lohnsteigerung zwischen 7 und 11 % beträgt?)

> Wobei 1994 der Klimawandel noch kein großes Thema war

Falsch! Schon 8 Jahre vorher, im August 1986 zeigte das Titelbild des "Spiegel" (der in Zeitschriftenform gepressten 'Bildzeitung für Abiturienten' [= Wortlaut Volker Pispers]) die Fotomontage eines vom Wasser der Nordsee umspülten Kölner Doms mit der Überschrift "Die Klimakatastrophe":

https://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/image/title/SP/1986/33/300

Wenn man sich so häufig wie du mit Klimawandel in Deutschland beschäftigt, sollte man das eigentlich wissen. Spannenderweise faselte nur 5 Jahre zuvor, 1981, die Gehörlosen- und Rentner-Massengeschmack-Berieselungsprogrammzeitschrift "Hörzu" (aus dem gleichen Verlagshaus wie das o.g. Boulevard-Hetzblatt) von der globalen bzw. mitteleuropäischen Abkühlung, wohl unter dem Eindruck der auch in Deutschland vier kühlen und trüben Tonnensommer 1977-81.
Dabei wurde das 'Global Dimming' und die Zunahme des SO2-Konzentration der Luft verantwortlich gemacht, die irgendwelche supergenialen 'Forscher' entweder extrapoliert hatten oder damalige Klimamodelle berechneten tatsächlich eine 'neue Eiszeit'.
Das Ganze erinnert ein wenig an das 19.Jahrhundert und die damals grassierenden Horrorvorhersagen von Mathematikern bezüglich der exponentiellen Zunahme der Exkrementmenge der Pferde, welche angeblich ganze Städte unter Kot begraben sollten....

> Oft muss man auch schauen, was als Zitat von Forschern
> gekennzeichnet ist (wobei natürlich auch das nicht
> immer korrekt wiedergegeben sein muss) und was als
> journalistische Ausschmückung dazukam.
>
> Außerdem wird von Journalisten oft Klima und
> Temperatur gleichgesetzt, also Sommer so warm wie
> 1947 = Sommer wie 1947 etc. Und manches erledigt
> sich auch ziemlich schnell wieder, z. B. die
> trockener werdenden Sommer oder die trotz
> Erwärmung kälter werdenden Winter in D. Wobei man
> beim Sommer noch unterscheiden muss zwischen
> weniger Niederschlägen (danach sieht es gar nicht
> aus) und vermehrter Trockenheit durch erhöhte
> Verdunstung.

Ja - absolut blutigen Laien und Journalisten muss man das alles täglich 20x erklären und sie begreifen es dennoch nicht. In den Massenmedien finden sich freilich auch nur die extremen Auffassungen wider - entweder müssen wir quasi sofort sterben und jedes Jahr am 21.12. ist seit über 5 Jahren wiederholter Weltuntergang, oder es kommen nur 'Extremskeptiker' zu Wort, gemäß denen schon die gesamte Klimadiagnose falsch, die Temperaturen unmessbar und in Wahrheit die Eiszeit an eben jenem 21.Dezember letzten Jahres schon längst begonnen hat.
Meine Postings allerdings wenden sich überwiegend nicht an den Ottonormal-Medienkonsumenten, sondern an die Forumsöffentlichkeit, wo man gerade in den Klimaforen doch überwiegend eine gewisse Vorbildung der Leser erwarten darf.

Wer dennoch etwas nicht nachvollziehen kann oder zusätzlich zu den Grafiken Hilfestellung bei der Abschätzung des wahrscheinlichsten Temperaturbereichs in den einzelnen Monaten oder Jahreszeiten der kommenden 1-2 Jahrzehnte in Deutschland benötigt, darf gerne hier oder per PN nachfragen - nur dieser üblichen drögen Unfugpostings beider Extremlager (Hitze-Apokalype schon morgen vs. Eiszeit schon heute) bin ich langsam aber sicher überdrüssig.

PS:
An dieser Stelle noch ein Wort zu den Begriffen lokales bzw. regionales Klima:

- Lokales Klima ist die Differenz einer möglichst über mindestens 5 bis 10 Jahre (bei Temperatur und Sonnenscheindauer; beim Niederschlag: mindestens 20 bis 25 Jahre) homogen messenden Klimastation zum Flächenmittel Deutschlands bzw. des entsprechenden Bundeslandes/Landeskombination.

- Regionales Klima ist das arithmetisch gleichmäßig oder rastermäßig entfernungsgewichtete Mittel mehrerer in einer Region liegender Klimastationen (z.B. eine Großstadt, ein Flussgebiet oder ein Naturraum).

Wozu braucht man das? Beispielsweise, wenn man für eine nur kurzzeitig betriebene oder neu eingerichtete Station Vergleichs-/Normalwerte für einen bestimmten Klimareferenzzeitraum wissen muss oder möchte.
Das ist aber eigentlich alles mit den 2 Grundrechenarten und einfacher Logik darstell- und berechenbar, aber auch da leiste ich falls erforderlich gern Hilfestellung.

PPS:
Der DWD stellt zwar teilweise vorberechnete Tabellen mit Klimamittelwerten aus 3 Referenzperioden bereit, doch wurden Datenlücken besonders im Zeitraum 1981-2010 in den "Tabellen A" aus unreduzierten Rasterdaten erzeugt (beim Sonnenschein teilweise für sämtliche 30 Jahre rein fiktive Werte!), während den "Tabellen B" in der Regel für mindestens 25 der 30 Jahre tatsächlich gemessene Daten zugrundeliegen.



7-mal bearbeitet. Zuletzt am 21.01.18 05:15.



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  Zwinkern Jep, sicher ein wichtiger Einfluss. Seit 1998 gehts allerdings überhaupt nicht mehr aufwärts. Naja, 2028 werden wir es genauer wissen (oT) 316 Jörg, Berlin-Malchow (53 m) 15.01.18 06:22
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  Bis 2023 sollte es kein Problem sein, den 10-Jahres-Rekord mehrfach zu steigern 413 Badischer Reisbauer 19.01.18 14:38
  Re: Bis 2023 sollte es kein Problem sein, den 10-Jahres-Rekord mehrfach zu steigern 361 Jörg, Berlin-Malchow (53 m) 19.01.18 20:12
  Mit anderen Worten: Es wird Zeit, dass der Erwärmungstrend auch im kurzfristigeren Chart wieder Fahrt aufnimmt. 320 Jürgen (Holzminden, 93 m) 19.01.18 21:49
  Läuft doch, in Potsdam ist der 10-Jahres-Rekord ziemlich neu 319 Badischer Reisbauer 19.01.18 23:21
  Im D-Mittel ist der 10-Jahres-Rekord auch Juli 2006 bis Juni 2016 320 Badischer Reisbauer 19.01.18 23:52
  Zwinkern Dein 10-Jahresrekord beißt sich mit dem bestehenden 12-Monatsrekord 328 Jörg, Berlin-Malchow (53 m) 20.01.18 10:16
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