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Wie fährt unser Klimazug? - Zur Entwicklung der 10jährig gemittelten Monats- & Jahrestemperaturen seit 1888 im deutschen Flächenmittel
geschrieben von: Jörg, Berlin-Malchow (53 m) (IP-Adresse bekannt)
Datum: 13. Januar 2018 08:23

Hallo zusammen!

Nachdem die Klimaerwärmung in Deutschland nunmehr ihr drittes Jahrzehnt vollendet hat, möchte ich hier im Stile von Reisbauers bekannten 10-Jahresdiagrammen detailliert die Entwicklung für alle Monate und Jahreszeiten vorstellen. Der Fokus der folgenden Erörterungen soll dabei insbesondere auf den letzten 30 Jahren liegen. Es werden neben den Wärme- auch die einzelnen Kälterekorde erwähnt, jedoch nur der Verlauf der 10-jährigen Mittel und ihr (bisheriges) Maximum genauer beleuchtet.
Dabei zeigen sich viele interessante Einzelheiten, die allein bei Betrachtung der 'runden' Dekaden (wie 1981-90, 1991-2000, 2001-10 usw.) kaum oder gar nicht hervortreten. Die Abszisse als Basis der Balken ist auf 1961-90 festgelegt, weil diese ja bis 2020 immer noch die internationale Standard-Referenzperiode ist (und somit das 'alte' Klima widerspiegelt), während die Ordinate jeweils den Absolutwert des gesamtdeutschen Gebietsmittels in °C zeigt.

Beginnen wir mit dem Januar: Gegenüber den vorangegangenen 20 Jahren (1988-2007) ist es im neuesten Jahrzehnt 2008-2017 tatsächlich ca. 0,8 K kälter geworden. Gegenüber der Standardreferenzperiode sind in diesem Zeitraum immerhin 3 Monate zu kalt gewesen (und zwar 2009, 2010 und 2017), in den gesamten 20 Jahren zuvor jedoch ebenfalls nur 3 Januarmonate (= 1996, 1997 und 2006)!

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Der Wärmerekord 2007 fällt in das Ende der vorletzten und somit bislang wärmsten Dekade, und auch der Kälterekord vom Januar 1940 fällt erwartungsgemäß in das kälteste Jahrzehnt 1938-47.
Der wärmste zehnjährige Abschnitt überhaupt erbrachte ein Januarmittel von 1,3 °C (+1,8 K) und fällt ebenso wie im Gesamtjahr auf den Zeitraum 1999-2008.



Beim Februar gab es zwar bei den zu kalten Monaten ein ausgewogeneres Verhältnis (7 : 3), betrachtet man jedoch die extrem milden Februare, die mindestens +3,5 K zu warm waren, dann findet man im Zeitraum 1988-2007 gleich 7 solcher Monate (= 1990, 1995, 1997, 1998, 2000, 2002, 2007), während es in den zehn Jahren danach lediglich in einem einzigen so warm war (= 2014). Dementsprechend zeigt sich auch hier im Mittel ein leichter Rückgang um ca. 0,6 K.
Wie schon beim Januar ist auch beim Februar der Sprung von sehr kalten Monaten Ende der 1970er und Anfang der 80er hin zu sehr milden außerordentlich stark ausgebildet:

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Der Kälterekord fällt hier nicht auf das kälteste Jahrzehnt 1978-87, sondern splittet sich bekanntlich in den Eisfebruar 1929 in Norddeutschland und den Rekordfebruar 1956 im Süden.
Der wärmste zehnjährige Abschnitt wurde bereits im Zeitraum 1995-2004 mit einer Februartemperatur von 2,3 °C (+1,9 K) erreicht.



Beim März passt die tatsächliche zwar auch nicht ganz zu der allgemein vermuteten Entwicklung, jedoch ist hier nach einer sehr geringfügigen Abkühlung im Vorjahrzehnt 1998-2007 dank solch milder Vertreter wie 2012, 2014 und schließlich dem Rekordmärz 2017 wieder das Niveau der wärmsten Dekade 1988-97 erreicht. Hätte es den Eismärz 2013 nicht gegeben, wäre die Führung der jüngsten zehn Jahre höchstwahrscheinlich klar erkennbar:

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Der Kälterekord im hier dargestellten Zeitraum fällt mit dem März 1987 nur wenige Monate vor den bedeutsamen "Klimaumbruch".
Der wärmste zehnjährige Abschnitt erbrachte ein Märzmittel von 5,0 °C (+1,5 K) und liegt mit dem Zeitraum 1989-98 schon über 20 Jahre zurück.



Der April ist der erste Monat, wo aufgrund mehrerer extrem warmer Exemplare (2009 mit seinem Rekord, aber auch 2011 und 2014; der von 2007 zählt ja noch zur Vordekade) die letzten zehn Jahre die Führung innehaben. Zudem fiel seit 2002 im Deutschlandmittel kein einziger April mehr kälter aus als die Standardreferenzperiode 1961-90. Folge davon war, dass der jüngste April 2017 Schlagzeilen mit seinen Kälteeinbrüchen machen konnte, obwohl er gegenüber 1961-90 völlig durchschnittlich ausfiel.

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Der Kälterekord fällt mit dem April 1917 in ein nicht auffälliges Jahrzehnt.
Der wärmste zehnjährige Abschnitt fällt auf 2005-14 mit einem Aprilmittel von knapp 9,6 °C (+2,2 K).



Beim Mai wird vermutlich erst das - als eines der Folgepostings erst noch geplante - Sonnenscheindiagramm mehr Aufklärung darüber bringen, warum es hier im jüngsten Jahrzehnt zu einer Abkühlung gekommen ist. Erstaunlich sind hier zwei Dinge: Erstens, dass der bis heute ungeschlagene Wärmerekord von anno 1889 (+3,7 K) in das kälteste Jahrzehnt überhaupt fiel, und zweitens, dass das Jahrzehnt 1998-2007 bei ziemlich geringer Streuung (zwischen -0,5 K im Mai 2004 und +2,5 K im Mai 2000) eine mittlere Anomalie von fast +1,6 K zustandebrachte:

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Der Kälterekord fällt mit dem Mai 1902 erwartungsgemäß auch in das kälteste Jahrzehnt.



Der Juni kann ebenso wie der Mai nicht an die Vordekade (die u.a. den Wärmerekord von 2003 enthielt) anschließen und hat sich daher um ca. 0,3 bis 0,4 K abgekühlt.
Wiederum fallen zwei Dinge auf: Erstens das äußerst kalte Jahrzehnt 1918-27, welches auch den Juni-Kälterekord aus dem Inflationsjahr 1923 enthält, und zweitens das verspätete Einsetzen der rezenten Klimaerwärmung. Tatsächlich gab es im Zeitraum 1988-97 noch zwei ziemlich kühle Junis (1991 und 1995), jedoch nur einen einzigen mit mehr als +1 K (1992):

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Der wärmste zehnjährige Abschnitt fällt mit dem Zeitraum 2002-11 (16,7 °C = +1,3 K) noch in die jüngere Vergangenheit.



Erst mit dem Juli finden wir den zweiten Monat des Jahres, der wieder ins "klassische" Erwärmungsbild passt: Kälteste Dekade am Anfang, wärmste Dekade ganz am Ende des untersuchten Zeitraums, auch wenn der Rekordjuli 2006 noch auf das Ende der Vordekade fällt.

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Ob der Juli dieses sehr hohe Niveau in den kommenden 10 Jahren wird halten können, gilt es abzuwarten. Die Kälterekorde teilen sich im Flächenmittel die Julis 1898, 1919 sowie 1954.
Der wärmste zehnjährige Abschnitt ist bislang im Mittel der Julimonate 2006-15 (18,7 °C = +1,8 K) aufgetreten.



Die Entwicklung der zehnjährig gemittelten Augusttemperaturen zeigt in den letzten 30 Jahren das gleiche Muster wie der März mit den gleich warmen Jahrzehnten 1988-97 und 2008-17 einerseits sowie der geringfügig kühleren Dekade 1998-2007 andererseits. Auffällig war hier die lange Serie von 11 teils deutlich zu warmen Monaten in Folge zwischen 1994 und 2004 (18,3 °C = +1,8 K), die auch den Wärmerekord vom August 2003 enthielt:

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Der Kälterekord aus dem Jahr 1912 fällt recht gut passend in die zweitkälteste Augustdekade.



Der September weist wiederum das Juni-Muster auf: verspätetes Einsetzen der Erwärmung (mehr als 1 K zu kalte Monate 1991, 1993 und 1996) sowie Temperaturrückgang um ca. 0,3 K in den jüngsten 10 Jahren gegenüber der bislang wärmsten Dekade 1998-2007. In dieser waren auch die Hitzeseptember 1999 und 2006 enthalten, wobei letzterer gemeinsam mit dem von 2016 den Rekord aufstellte:

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Wie schon beim August, datiert der Kälterekord auch beim September auf das Jahr 1912, wobei es hier mit der kältesten Septemberdekade passend zusammenfiel.
Der wärmste zehnjährige Abschnitt findet sich in den Septembern der Jahre 1942-1951 (+1,1 K) und ist damit mit großem Abstand der älteste aller 12 Monate. Selbst im gleitenden 30jährigen Mittel fehlen noch immer einige wenige Hunderstelgrad, um den alten Wert des bisherigen Rekordhalterzeitraums 1932-1961 zu überbieten.



Auch die Oktobertemperaturen zeigen die gleiche Entwicklung wie der Juni und der September: Die "Herbstpause" der Erwärmung war in diesem Monat zumindest bis Ende der 1990er Jahre am ausgeprägtesten. Die vorletzte Dekade, die darauf dann aber die wärmste wurde, enthält passenderweise den Rekord-Wärmeoktober 2001:

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Der Kälterekord liegt mit dem Oktober 1905 zwar schon länger zurück, fällt jedoch nicht in eines der kältesten Jahrzehnte.
Der wärmste zehnjährige Abschnitt ist noch recht frisch (2005-14), fällt jedoch mit nur +0,7 K unter allen 12 Monaten am geringsten aus.



Der November ist der dritte Monat des Jahres, in dem die Erwärmung über alle drei der letzten Jahrzehnte einen gleichmäßig ansteigenden Trend zeigt, wobei jedoch auch hier bis Ende der 1990er noch keinerlei Erwärmung festzustellen war. Es passt ins Bild, dass 2009 der alte Wärmerekord eingestellt und schließlich mit dem November 2015 überboten wurde: Das wärmste gleitende zehnjährige Mittel kulminiert ebenfalls 2006-15 (5,6 °C = +1,0 K)

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Die Serie von winterlich kalten "Eisnovembern" zwischen 1918 und 1925 gehört (ähnlich wie die Kältejahre 1940-42) zu den wohl merkwürdigsten Besonderheiten im Klimaverlauf der vergangenen 100 Jahre, wobei insbesondere die November von 1919 (aufgrund seiner Schneemassen) sowie der Rekordkältenovember von 1921 erwähnenswert sind.



Im Dezember wiederholt sich schließlich das Muster des Novembers mit typisch ansteigendem Verlauf in den letzten 3 Jahrzehnten, jedoch war hier schon in der zweiten Hälfte der 1980er eine Erwärmung feststellbar. Der Zeitraum 1985-94 war mit einer Dezembertemperatur von 2,3 °C (+1,5 K) sogar bis heute der wärmste zehnjährige Abschnitt überhaupt, obwohl der eigentliche Wärmerekord bekanntlich erst durch den Dezember 2015 aufgestellt wurde:

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Der Kälterekord fällt mit dem Dezember 1890 ins kälteste erste Jahrzehnt.




Schauen wir uns nun noch die klimatische Entwicklung der Jahreszeiten an:

Die Winter weisen bekanntlich die größte Streuung auf, sodass Diskrepanzen zwischen Klimaverlauf und witterungsbedingten Störungen nicht allzu überraschend sein dürften. Dennoch erkennt man in der entsprechenden Grafik nach dem 'Klimasprung' 1987/88 drei sehr ähnlich temperierte Jahrzehnte zwischen 1,3 und 1,6 °C, von denen das jüngste erstaunlicherweise die geringste positive Abweichung aufweist:

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Den Kälterekord stellt bekanntlich der Jahrhundertwinter 1962/63 auf, doch deutlich auffälliger ist abseits der weithin bekannten Kriegs- und Nachkriegswinter die lange Serie von 12 zu kalten Wintern in Folge zwischen 1885/86 und 1896/97, die - obwohl sich unter ihnen kein ausgesprochener Extremwinter befand - den Grundstein für das älteste und kälteste erste Jahrzehnt bildeten.
Der Wärmerekord stammt mit 2006/07 noch von der vorletzten Dekade, das wärmste zehnjährige Wintermittel von dem auch insgesamt bislang wärmsten Zeitraum 1999-2008 (1,6 °C = +1,4 K).



Auch die Frühjahre zeigen trotz des massiven Temperaturanstiegs im April (siehe dort) keine weitere Erwärmung, sondern einen geringfügigen Rückgang von knapp -0,2 K im jüngsten Jahrzehnt 2008-17, sodass auch hier 1998-2007 zunächst ungeschlagen bleibt, welches mit 9,1 °C (+1,4 K) auch gleitend gemittelt der wärmste 10-Jahres-Zeitraum der vergangenen 130 Jahre war.
Erstaunlich ist die geringe Schwankung der Frühjahrstemperaturen in den ersten 10 Jahrzehnten, die bezogen auf die Standardreferenzperiode nur ein halbes Grad beträgt:

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Der Frühlings-Kälterekord im hier betrachteten Zeitraum wurde 1955 aufgestellt, der Wärmerekord 2007.



Die Sommertemperaturen folgen klar der klassischen Vorstellung eines Erwärmungsmusters mit monoton steigendem Verlauf innerhalb der letzten drei Jahrzehnte: Hier war das letzte 'runde' Jahrzehnt 2001-10 mit 17,6 °C (+1,4 K) das bislang wärmste, während mit 1918-27 einschließlich dessen schon weiter oben erörtertem "Bibberjuni" das kälteste direkt in der folgenden Grafik enthalten ist:

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Ganz allgemein ist 1918-1927 ein äußerst auffälliger Zeitraum gewesen mit seinen fast durchweg zu milden Wintern und warmen Frühjahren bei gleichzeitig deutlich zu kühlen Sommern und noch kälteren Herbsten (in beiden ersteren Jahreszeiten immerhin bis 1987 die wärmste Dekade, in den letzteren beiden dagegen die kälteste überhaupt!). Insoweit dürfen die deutlich 'kontinentaleren' 1940er Jahre ein Stück weit als Ausgleich dazu angesehen werden.

Die kältesten Einzelsommer traten 1913 und 1956 auf, während der 2003er Wärmerekord aus heutiger Sicht "nur" im bislang zweitwärmsten Jahrzehnt stattfand.



Die klimatische Entwicklung im Herbst lässt sich in drei deutlich voneinander abgrenzbare Abschnitte einteilen: zunächst die 4 zu kalten Jahrzehnte bis etwa gegen Mitte der 'goldenen' 1920er, gefolgt von 7 durchweg normaltemperierten Jahrzehnten (+/- 0,2 K) sowie zuletzt die 2 wärmsten, jüngsten Jahrzehnte.

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Der kälteste Herbst fand 1912, also erwartungsgemäß im ersten Abschnitt, der wärmste 2006 und der zweitwärmste 2014 dagegen im letzten Abschnitt statt.
Das wärmste zehnjährige Herbstmittel stammt vom Zeitraum 2005/06 - 2014/15 (9,7 °C = +0,9 K).




Fassen wir die bisherigen Monats- und Jahreszeitanalysen zusammen:
Das jüngste Jahrzehnt 2008-2017 ist in 6 Monaten das wärmste bisher beobachtete (jedoch allein nur im April, Juli, November & Dezember; im März und August gemeinsam mit 1988-97), während in den 6 übrigen Monaten im Hochwinter, Frühsommer und Frühherbst (immer im Zweierpack: Januar/Februar, Mai/Juni, September/Oktober) gegenüber der Dekade 1998-2007 ein geringer Temperaturrückgang registriert wurde. Auch bei den Jahreszeiten stehen 2 mit aktueller Führung 2 mit Rückgängen gegenüber.
Im Januar und Februar wird das Niveau der stark zonal geprägten End-80er und frühen 90er derzeit nicht mehr erreicht, ohne dass man jedoch deswegen eine neue Eiszeit befürchten musste. Beim Herbst ist der Rückstand, der durch das mehrjährig verspätete Einsetzen der Erwärmung eingetreten war, mittlerweile aufgeholt, was hauptsächlich auf den deutlich wärmer gewordenen Spätherbst zurückzuführen ist.
Bei einer solch gespaltenen Bilanz ist im Gegensatz zu Behauptungen des DWD zumindest derzeit keinerlei Beschleunigung der Erwärmung in Deutschland zu erkennen. Vielmehr ergibt sich unter dem Strich ein Auslöschen der verschiedenen ansteigenden und abfallenden Trends, sodass insgesamt eine Stagnation der Temperaturen zu erwarten wäre.

Tatsächlich zeigt sich beim Blick auf das Gesamtjahr diese Temperaturstagnation: So betrug die Abweichung der Jahresmittel 1998-2007 gegenüber der Standardreferenzperiode +1,15 K, die der jüngsten Jahre 2008-2017 betrug +1,1 K. Dieser minimale Unterschied ist nicht signifikant.
Die Jahre 1988-1997 können noch als Übergangszeitraum zwischen 'altem' und 'neuem' Klima angesehen werden, wobei durchschnittlichen bis zu kühlen Herbsten bekanntlich fast immer sehr milde und windreiche Winter folgten.

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Die langen Abfolgen zu warmer Jahre der letzten 30 Jahre sind uns allen sicherlich bestens bekannt (1988-95 sowie besonders 1997-2009), doch wie selten hört man davon, dass es zwischen 1885 und 1897 ganze 13 zu kalte Jahre hintereinander gab? Mit der Umstellung auf die Referenzperiode 1991-2020 dürften diese Abfolgen von Wärmejahren aber auch 'beendet' sein Zwinkern

Die 9 Jahrzehnte vor dem Klimasprung 1987/88 hatten ein erstaunlich stabiles Temperaturklima - in der Jahresgrafik sind weder die warmen 1940er noch die kalten 1960er zu erkennen! (Schon eher die 'Mikroeiszeit' 1978-87, die sich jedoch fast ausschließlich in einem kalten Januar- sowie einem extrem kalten Februarmittel äußerte, also klar auf dynamisch verursachte Witterungsanomalien und eben nicht auf die damals noch recht starke Luftverschmutzung zurückzuführen war, wie damalige Forscher und Medien mutmaßten).

Ganz allgemein darf wohl festgestellt werden, dass der Klimasprung 1987/88 viel zu groß ist, um allein durch Treibhausgase wie CO2 & Co verursacht worden zu sein. Der Fehlschluss, diesen Klimasprung als "Ankommens der Erwärmung in Deutschland" darzustellen, findet sich in sehr vielen Analysen und Veröffentlichungen und dürfte insgesamt sogar erst dazu beigetragen haben, dass es heutzutage so viele 'Extremskeptiker' gibt.
Zumindest seit Ende der 1990er blieb das (zu) hohe Temperaturniveau auch in Phasen schwächerer Zonalzirkulation häufig erhalten, was als Indiz für die Tatsache zu werten ist, dass Treibhausgase wie CO2 & Co viel eher Auskühlung verhindern als Wärme aktiv zu erzeugen, was ja mit der Theorie auch konform geht. Auch die signifikant stärkere Abnahme von Kälterekorden gegenüber den medial omnipräsenten Wärmerekorden unterstreicht das.

Und trotz 'neuem' Klima können auch heutzutage im Einzelfall Extremkältemonate wie Dezember 2010 oder März 2013 auftreten, doch bleiben diese (wie natürlich auch einzelne Extremwärmemonate) am stärksten in unserer Erinnerung. Sie sind bis heute von der Wissenschaft nach wie vor nicht einmal ansatzweise mit ausreichender Vorlaufzeit (> 2 Wochen) vorhersagbar - zumindest das dürfte sich höchstwahrscheinlich auch in den kommenden 10 Jahren kaum ändern ...

Beste Grüße,
Jörg



Benutzte Quellen & weiterführende Links:

[www.dwd.de] -> Diagramme der einzelnen Monatsverläufe in monatlicher, jahreszeitlicher und jährlicher Auflösung

[de.wikipedia.org] -> Tabellen sowohl der Monatseinzelwerte als auch 10-jährig und 30-jährig gemittelt

[www.wzforum.de] -> Reisbauers Rückblick auf die 'Eiszeit' in Deutschland vor 1988

[www.wzforum.de] -> Untersuchung des mittleren jährlichen Anstiegs von Tmin, Tmittel und Tmax im Zeitraum 2006-2016 gegenüber 1995-2005 an 22 + 6 DWD-Stationen



9-mal bearbeitet. Zuletzt am 13.01.18 08:50.



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