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Kaltfrontdurchgang 19. / 20.05.2017
geschrieben von: MK - Dresden-NW (IP-Adresse bekannt)
Datum: 26. Mai 2017 18:31

Servus, Anlass für diesen Thread ist die Idee, kürzlich zurückliegende interessante Wetterereignisse zeitnah aufzuarbeiten und den Ablauf und mögliche Erklärungen dazu mit Bild und Text beizusteuern, um damit der Dominanz der Diskussionen um das künftige Wetter etwas entgegenzusetzen in Form einer Erörterung und Zusammenfassung real geschehenen Wetters.

Ich möchte etwas schreiben zu dem Kaltfrontdurchgang mit vorgelagerter Konvergenz am 19.05.2017, der mir wegen den kräftigen Gewittern in Erinnerung ist, aber noch mehr, dass diese nur während der Verlagerung der Front bis zu einer bestimmten Linie auftraten und weiter östlich die Warmluft ohne einen Tropfen Regen ausgeräumt wurde.

Im Monatsdiagramm von der DWD-Station Dresden-Klotzsche sieht das dann so aus:



Man erkennt das völlige Fehlen von Niederschlag (schwarz schraffierte Balken / 6-std. Summen), bei der markanten Luftdrucknase (dicke rote Linie) sehr ungewöhnlich, der Wind hat hinter der Front auch von Südost auf West gedreht (rote Punkte) und es lag somit kein austrocknender Leeeffekt vom Erzgebirge her vor - kurz, eigentlich hat alles gepasst für ordentliche Regenmengen im Gefolge des Frontdurchganges.

Um eine Übersicht über den Verlauf des Ereignisses mit den Positionen von Regengebieten und Fronten sowie die Wettermeldungen in 3-stündigen Abständen zu erhalten, habe ich in Handarbeit die DWD-Westeuropa-Analysekarten mit den zeitgleichen Radarbildern zur Übereinstimmung gebracht, was sich wegen den unterschiedlichen Projektionen nicht ganz einfach gestaltete.

Erstellt wurden die Bilder aus folgenden Produkten (Quellen):

[kachelmannwetter.com]

[server.wettermail.de]

Beginnen wir am Morgen des 19. Mai. Zu den Terminen 8, 11 und 14 Uhr erkennt man hauptsächlich Landregen westlich der Kaltfront über Westdeutschland.


19.05.2017 - 08 Uhr MESZ:



19.05.2017 - 11 Uhr MESZ:



19.05.2017 - 14 Uhr MESZ:



Um 17 Uhr ist dann zusätzlich dazu die Entwicklung von Gewittern zwischen der vorlaufenden Konvergenz und der Kaltfront über Thüringen und Bayern zu erkennen.

19.05.2017 - 17 Uhr MESZ:



Diese Gewitterzone hat sich bis 20 Uhr unter Ostverlagerung nordnordwestwärts bis in den Raum Hamburg ausgebreitet - immer noch zwischen Konvergenz und Kaltfront.

19.05.2017 - 20 Uhr MESZ:



23 Uhr: Die stärksten Niederschläge sind nun im Bereich Schleswig-Holstein. Weiter südlich an der Luftmassengrenze haben sich keine Gewitter nachentwickelt. Der Landregen in weiterem Abstand westlich der Kaltfront ist noch vorhanden. Die Konvergenz hat unterdessen Dresden mit Winddrehung von Südost auf West passiert.

19.05.2017 - 23 Uhr MESZ:



2 Uhr: Auch die Kaltfront hat Dresden nun überquert, bis 5 Uhr hat sich auch der daran gekoppelte Niederschlag auf klägliche Reste über Norddeutschland dezimiert.

20.05.2017 - 02 Uhr MESZ:



20.05.2017 - 05 Uhr MESZ:



Somit ist in weiten Teilen Ostdeutschlands der Luftmassenwechsel ohne einen Tropfen Regen passiert, wie die 24-std. Messwerte und die Radarsummenauswertungen zeigen (jeweils 19.05.2017 - 08 Uhr MESZ bis 20.05.2017 - 08 Uhr MESZ):

[kachelmannwetter.com]

[kachelmannwetter.com]

Man erkennt, dass die Niederschläge etwa bis zu einer Linie Westmecklenburg - Westsachsen gekommen sind, weiter östlich erscheint sehr schnell der Übergang zu kompletter Trockenheit.

Was ist nun die Ursache gewesen, dass die Luftmassengrenze auf ihrem Weg über Deutschland nach Osten ihren gesamten Niederschlag quasi "verloren" hat? Eine Idee wären da die Strukturen in höheren Schichten der Atmosphäre.

Dazu die kombinierten 500-hPa-Bodendruckkarten in 6-stündigen Abständen, beginnend mit dem

19.05.2017 - 08 Uhr MESZ:



Man sieht, warum das Gewittergebiet am Abend sich von Thüringen in der Folge nach Schleswig-Holstein erstreckt hat - es folgte der Höhenströmung auf der Trogvorderseite Richtung Nordnordwesten.

19.05.2017 - 14 Uhr MESZ:



19.05.2017 - 20 Uhr MESZ:



20.05.2017 - 02 Uhr MESZ:



20.05.2017 - 08 Uhr MESZ:



Auf den ersten Bildern kann man die Osterlagerung der Bodentiefdruckrinne anhand der 1010er Isobare nachvollziehen, dieser Vorgang stellt grob gesehen das Fortschreiten der kühleren Luft am Boden dar.

In der Höhe sieht man einen kurzwelligen Anteil des Frankreichtroges im Verlauf sich mit der Höhenströmung nordwärts verlagern, besonders auf dem letzten Bild vom Morgen des 20. Mai ist zu sehen, wie er Richtung Dänemark aus Deutschland herausschwenkt.

Da wetteraktive Strukturen besonders an die Vorderseiten solcher Kurzwellen-Höhentröge gebunden sind, sind auch die kräftigen Abendgewitter mit der Höhenströmung nordnordwestwärts geführt worden und sind zudem mit der ostwärts wandernden Bodenfront nach Osten vorangekommen. Da aber die hebungsaktiven Strukturen in der Höhe sich mit der Zeit nordwärts verlagerten, fehlte im weiteren Verlauf, als die Frontlinien das östlichere Ostdeutschland erreichten, der Antrieb, dass sich auch dort gewittrige bzw. überhaupt noch Niederschläge entwickeln konnten. Nur Bodenkonvegenz scheint da offensichtlich nicht ausgereicht zu haben.

Merke: Bei Frontdurchzügen scheinen kräftigere Niederschläge unter anderem davon abzuhängen, ob im Schnittpunkt mit der Frontlinie in der Höhe hebungswirksame Strukturen vorhanden sind.

Soweit meine Sicht der Dinge, gerne kann über dieses Ereignis weiter diskutiert werden und die Ursache für das "Verlorengehen" des Niederschlages mit genaueren Karten noch näher analysiert und begründet werden.

Gruß
Matthias

[www.klotzsche-wetter.de]



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 26.05.17 18:41.



Thema Klicks geschrieben von Datum/Zeit
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