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DWD Thema des Tages: Warum ziehen die Gewitter immer an mir vorbei?
geschrieben von: Björn (Hannover, 55m) (IP-Adresse bekannt)
Datum: 16. Juni 2011 11:39

Ein besonders interessantes Thema des Tages heute, sicherlich gerade für's Forum interessant! Zwinkern

Ich kopiere den Text mal direkt hier hinein, da ich nicht weiß, wie permanent der DWD-Link ist.

Quelle: [www.dwd.de]

Besonders interessant ist auch die erwähnte Karte der Blitzdichte in Deutschland, hier mal der direkte (hoffentlich funktionierende) Link dazu (Achtung: sehr hoch aufgelöste Karte):

[www.dwd.de]

Die Blitzdichte pro km² beträgt also in Deutschland meist nur 1-6 Blitze pro Jahr. Auf den ersten Blick ein erstaunlich geringer Wert. Im Prinzip passt es aber zu meinen Beobachtungen. Wirkliche Naheinschläge (Donner innerhalb von 1-2 Sekunden nach dem Blitz) treten in meiner Region wirklich nur ganz wenige Male im Jahr auf, manchmal sogar 2-3 Jahre lang gar nicht. Wenn also jemand, ohne zu chasen mehrmals im Jahr Gewitter mit etlichen Naheinschlägen erlebt (liest man ja des Öfteren hier im Forum Zwinkern), hat er verdammt viel Glück gehabt. Zwinkern

Interessant auch die regional doch sehr unterschiedliche Verteilung. Schwerpunkte sind demnach weite Teile des Westens und Südwestens (aber auch nicht überall), Sachsen/südliches Brandenburg und der Alpenrand.
In Norddeutschland gibt es ein Maximum über der Lüneburger Heide (bestätigt meine Beobachtungen), ganz mau sieht es im nördlichen Schleswig-Holstein aus.


Hier nun aber endlich das versprochene Thema des Tages von Simon Trippler:


16.06.2011, 08:58 Uhr

Warum ziehen die Gewitter immer an mir vorbei?

Am heutigen Donnerstag ist es mal wieder so weit, eine Gewitterlage
steht an. Und wie so häufig werden sich die Gewitter nicht
gleichmäßig über das Land verteilen. Einzelne Regionen bekommen
kräftige Gewitter, in den anderen passiert fast gar nichts. Manch ein
Gewitterfan bejammert dabei gerne, dass es an seinem Standort nie
"kracht". Aber stimmt das auch?

In Deutschland gibt es durchaus Gebiete, wo bevorzugt Gewitter
auftauchen (siehe dazu die Grafik zur mittleren jährlichen
Blitzdichte in Deutschland 1996 - 2005, zu finden rechts in der
Rubrik "Thema des Tages" unter [mehr]). Dazu zählen alle
Gebirgsregionen. Dort werden die Luftmassen bei der Anströmung durch
das Gebirge zwangsweise gehoben und die in Gewitterwolken immer
vorhandene Aufwärtsbewegung auf diese Weise verstärkt.

Das lässt sich im Sommer gut beobachten, wenn über den Bergen bereits
Quellwolken zu sehen sind, es ringsum aber noch wolkenfrei ist. Da es
im Süden Deutschlands mehr Berge gibt als im Norden, sind die
Gewitter dort auch zahlreicher. Zusätzlich gelangen in den Süden
Deutschlands oft auch feuchtere und wärmere Luftmassen als in den
Norden, was die Entstehung von Gewittern zusätzlich begünstigt.
Gleichwohl kommen jedoch überall in Deutschland Gewitter vor.

Der Eindruck, dass Gewitter an einem bestimmten Standort immer vorbei
ziehen, kann schnell entstehen, lässt sich aber in den allermeisten
Fällen auch gut erklären. Verantwortlich für diesen Sachverhalt zeigt
sich dabei meist der "Kulisseneffekt".

Der "Kulisseneffekt" entsteht, wenn rings um einen Beobachtungsort
herum mächtige Schauer- und Gewitterwolken zu sehen sind. Diese bis
12 km hohen Wolken lassen sich bis zu einer Entfernung von 50 km und
mehr beobachten. Die Wahrscheinlichkeit, an einem Gewittertag um sich
herum Gewitterwolken zu sehen, ist damit sehr hoch. Die
Gewitterzellen selber sind jedoch oft nur sehr klein, was an solchen
Tagen gut im Regenradar zu erkennen ist. Damit ist aber auch die
Wahrscheinlichkeit, von dem Gewitter getroffen zu werden, nur relativ
klein. Es entsteht der Eindruck, die Gewitter würden vorbeiziehen,
wenn man wieder mal nicht getroffen wurde.

In einigen Regionen kann der "Kulisseneffekt" in bestimmten
Wettersituationen aber nicht als Erklärung für vorbeiziehende
Gewitter herhalten. Damit sind Standorte im Lee eines Gebirges
gemeint.

Schon kleinere Gebirgszüge können dabei als sogenannte
"Wetterscheide" fungieren. Bei entsprechender Anströmung teilen sich
die Gewitter gerne an dem Gebirge und ziehen anschließend an dem
Beobachtungsstandort vorbei. Das kann man sich wie bei einem Fluss
vorstellen, wo ein aus dem Wasser ragender Stein die Wassermassen
umlenkt. Hinter dem Stein ist die Strömung nur schwach, während
abseits davon das Wasser mitgerissen wird. Gibt es bei einem Gewitter
jedoch eine andere Anströmung an das Gebirge, sodass der Standort
nicht im Lee des Gebirges liegt, kann der Standort trotzdem von einem
Gewitter getroffen werden.

Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



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