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wenn die Tage langen ....
geschrieben von: Sigward (IP-Adresse bekannt)
Datum: 02. Februar 2018 17:15

moin

Man könnte es auch als die Gnade einer späten Geburt bezeichnen , die letzten Freuden unserer in diesem Winter schwergeprüften Schneemänner, also bevor lieblicher Vogelgesang unter dem Jubel notorischer Winterfeinde endlich die letzten „Winterfreuden“ vertreibt. Wann dies der Fall sein wird ist dem Wechselspiel unserer Modellen schwer zu entlocken. Immerhin können wir der Statistik entnehmen, dass der Monat Februar neben Januar die größte Standardabweichung , also die größte Streuung um den Mittelwert besitzt, will heißen, der Monat Februar ist ein ganz und gar unsicherer Geselle. Nebenbei bemerkt entfallen in Deutschland die bisher kältesten Wintermonate auf den Februar, etwa 1929 oder 1956.

So bahnt sich für Mitteleuropa ein fast hochwinterlicher Witterungsabschnitt an, wenn auch nicht in der von fanatischen Winterfreunden erhofften Intensität. Den Anfang macht ein breiter von der Grönlandsee , Europäischem Nordmeer sich über das gesamte West- und Zentraleuropa bis Tunesien reichender Höhentrog angefüllt mit maritimer Polarluft. Eingebettet ein von Novaya Zemlya bis Norwegen reichender flacher Hochdruckrücken aber auch einzelne zum Teil recht niederschlagsreiche Tiefs im gesamten Mittelmeerraum. Das Azorenhoch verläßt sein Heimatdomizil immer weiter in nordöstlicher Richtung und wird so zu einem ordinären Mittelatlantikhoch mit einem ungewöhnlichen Kerndruck von 1050 hPa während sein eigentlicher sehr warme Kern im Nivau 500 hPa südlich der Azoren verbleibt.

Zum Wochenende schiebt das Atlantikhoch einen Keil weit nach Norden vor und es entsteht eine Hochdruckbrücke über Skandinavien zu einem Hoch über der Karasee. An seiner Ostflanke wird nun über die Ostsee maritime Arktikkluft mA via Mitteleuropa gelenkt. Doch bereits gegen Wochenmitte zerfällt diese Brücke und es entwickelt sich ein „ cut off “ über Finnland und der Halbinsel Kola mit dem zurzeit kältesten Luftkörper von bis minus 20°C im Niveau 850 hpa auf dem europäischen Kontinent. Es erhebt sich daher sofort die bange Frage: Kann dieser arktische Luftkörper Zentraleuropa erreichen ? Bezüglich GFS können wir diese Frage getrost verneinen : Mittlerweile hat sich über Westsibirien eine mächtige Antizyklone entwickelt , somit entsteht noch westlich vom Ural eine südliche Strömung womit der Kaltluftkörper nach Norden Richtung Oblast Archangelsk geschoben wird.

Während der zweiten Wochenhälfte entsteht Zwischen dem ausgelagerten Azorenoch, welches mittlerweise wieder heimatliche Gefilde erreicht hat, über Deutschland ein schwacher Brückenschlag zur mächtigen Sibirienantizyklone. Gegen Wochenende erfolgt dieser Brückenschlag zum wieder abschwächenden Sibirienhoch über Frnnoskandien so dass Deutschland im Bereich von Kaltluft xA oder mA verbleibt mit mäßigen teils (über Schnee ?) auch starken Nachtfrösten. Gegen Mittelfristende wird unter entsprechendem Vorbehalt auch diese Winteridylle mit Ausweitung der atlantischen Frontalzone Richtung Westeuropa zerstört so daß sich allmählich eine Umstellung auf ein zonales Zirkulaionsmuster anbahnt. In Anbetracht der reichlich komplizierten Entwicklung über dem Kontinent ist die teilweise stürmische Entwicklungen über dem nordwestlichen Nordatlantik vernachlässigt worden. Dabei ist beonders hervorzuheben, dass sich der nordhemisphärische Kältepol nicht wie gewohnt über Nordostsibirien sondern weiterhin über der kanadischen Arktis befindet.

Damit hat sich GFS 06 z mittlerweile der früheren Version von EZ 00 angenähert: Das Azorenhoch nimmt endlich wieder seinen Erbhhof ein und nach einer Winterreise geht es unter allem Vorbehalt auf milderen zonalen Kurs.

Allen , die sich nach Ende der Winteridylle vielleicht wieder von ihren virtuellen Schneemännern verabschieden müssten sei zum Trost gesagt , morgen schon kann kann die Wintermodellwelt wieder ganz anders aussehen. Übrigens : Für Schneemänner hat`s ja bisher ohnehin kaum gereicht. Da muß man schon in die Schweiz reisen, vielleicht reicht ja bereits der Kahle Asten. Sparen wir also die Möhre, als Gemüseeintopf ist sie ohnehin besser aufgehoben.

Gruß Sigward



Thema Klicks geschrieben von Datum/Zeit
  wenn die Tage langen .... 2965 Sigward 02.02.18 17:15
  Re: wenn die Tage langen .... 816 Jaker 02.02.18 17:59
  Danke, lieber Sigward, für Deine Einschätzung der GWL. Schön, mal wieder von Dir zu hören :-) (oT) 309 Ralf aus Teltow (südlich v. Berlin-Ze 02.02.18 22:27
  Vielen Dank für den synoptisch-poetischen Hochgenuß! (oT) 203 Kaltlufttropfen (80 km sö v Berlin) 03.02.18 15:40
  Großartig, vielen Dank. (oT) 171 Alex aus Mainz 04.02.18 08:31
  Re: wenn die Tage langen .... 652 Margi 04.02.18 10:46
  Re: wenn die Tage langen .... 673 GeorgAachen 04.02.18 12:13


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