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Die letzten Blätter fallen
geschrieben von: Sigward (IP-Adresse bekannt)
Datum: 11. November 2017 17:07

moin

Doch bevor auch das allerletzte Blättchen gefallen ist nur eine kleine Anmerkung: Die von mir im Mittelfristforum beschriebenen Entwicklungen von GFS sind natürlich nie meine persönliche Meinung. Beschrieben werden lediglich die kontinuierlichen Folgen entsprechend einer synoptischen Logik die jedoch in anderen Modellen nach einigen Tagen durchaus unterschiedlich ausfallen kann. Doch auch das hochgelobte Zuckerrohr EZ schankt gelegentlich wie jedes andere ordinäre Schilf im harten atmosphärischen Wind. Doch wozu auch diese langweilige Kontinuität, darf man doch stets gespannt sein auf vielleicht etwas völlig Neues, etwa wie die Kinderchen, bevor sie im Adventskalender ein neues Türchen öffnen. In diesem Sinne auch die neue mittelfristige Entwicklung :

Die Witterung in Deutschland am Wochenende steht im Fokus eines umfangreichen Höhentrogs der nicht nur das zentrale Europa sondern auch das gesamte Fennoskandien , das Baltikum und große Teile Rußlands mit subpolarer Meeresluft beherrscht. Das eingebundene komplexe Tiefdrucksystem hat infolge senkrechter Achsenlage keine weiteren Entwicklungsmöglichkeiten. An der Südflanke dieses Höhentrogs im Grenzgebiet zwischen subpolarer Meeresluft mP und wärmerer in xSp umgewandelter Subtropikluft entwickelt sich im linken Auszug eines schwachen Frontalzonenjets ein Randtief mit gravierenden Folgen für den gesamten Alpenraum und das südliche Deutschland, es werden enorme Niederschlagsmengen erwartet . An der Rückseite der sich weiter vertiefenden Randzyklone erreicht die Kaltluft am Sonntag auch den Süden Frankreichs und das Mittelmeer, dabei entwickelt sich im Rhonetalbecken ein kräftger Mistral. Diese Kaltluftadvektion bewirkt typischer weise auch die Entstehung einer Genuazyklone jedoch ohne nachfolgende Vb- Entwicklung. Vielmehr kommt es jetzt über dem Thyrrenischem und später auch über dem Ionischen Meer zur Entwicklung eines mächtigen cut off – System mit heftigen und blitzreichen Gewittern.

Inzwischen sorgt ein mächtiger Kaltluftvorstoß aus der Davisstraße für Zyklogenese über der Dänemarkstraße und puscht somit einen Keil des Azorenhochs Richtung Zentraleuropa und begünstigt somit einen antizykonal geprägten zonalen Zirkulationsmodus. Damit könnte uns in einer Luftmasse xSp bis etwa Donnerstag ein Hauch von Martinisömmerchen ins Haus stehen, wenn nur nicht der Nebel wäre der über dem nunmehr feuchten Boden reichlich Nahrung findet. Unterdessen kann Väterchen Frost mit seinen Schlittenhunden in arktischer Kälte und reichlich Schnee nördlich der Sevelnaja Dwina und im Oblast Archangelsk schon mal kräftig für das Weinachtsgeschäft üben, sollte unser Väterchen jedoch auf den unglücklichen Gedanken kommen westliches Territorium zu betreten müsste umgehend das Dublinverfahren eingeleitet werden.

Leider erinnert sich die häufig zu Wiederholung neigende Atmosphäre wieder an ihr früheres meridionales Prozedere: An der Ostflanke eines schmalen bis in die Arktis reichenden Hochdruckrückens über dem westlichen Nordtlantik erfolgt ein mächtiger Kaltluftvorstoß und erzeugt somit erneut einen breiten Trog der mit seiner Achse anfangs etwas westlicher als sein Vorgänger. Das inzwischen eingebettete Sturmtief schwächt infolge seiner senkrechten Achsenlage weiter ab, dennoch reicht die Energie für ein schwaches Randtief über der immer noch relativ warmen Doggerbank welches sich danach über die gesamte Nordsee ausbreitet. Damit kann sich der Trog mit seiner bis in den westlichen Mittelmeerraum reichenden Achse erneut ostwärts ausbreiten und bleibt für Zentraleuropa mit einer Temperatur von minus 35°C bezüglich 500 hPa und minus 5 bis 7°C in 1500 Meter bis Mittelfristende erhalten. Ob damit bereits eine Einwinterung etwa oberhalb 800 Meter erfolgt kann hier nicht entschieden werden. Immerhin erfolgt an der Ostflanke unseres Langwellentrogs ein Vorstoß wärmerer Luft Richtung Rußland und hält somit Väterchen Frost auf Distanz, wenigstens ein Trost.

EZ 00 z wie gewohnt anfangs ähnlich. Auch hier ein Abtropfen in den Mittelmeerraum jedoch erfolgt der Vorgang nach einigen Tagen etwas weniger dramatisch, auch hier ein Vorstoß des Azorenhochs wobei zum Samstag eine eigene Hochdruckzelle über der westlichen Ukraine erwartet wird, der kurzfristige Warmluftvorstoß insgesamt etwas kräftiger. Völlig anders als bei GFS 06 z zum Freitag ein Orkantief östlich Island welches jedoch alsbald wieder an Kraft verliert. Ab Wochenende dann wie bei GFS die GWL TRM. Abweichend dabei von GFS eine gewisse Tendenz zu einer VB – Entwicklung.

Aber ach, was klagen wir über die Qualität mittelfristiger Prognosen, insbesonders das böse GFS ,welches ein gewisser Forumteilnehmer ab einem Zeitraum von 5 Tagen immer wieder mit gewissen landwirtschaftlichen aber auch menschlichen Hinterlassenschaften vergleicht. Zu Beginn der Neunziger mußte man sich mit weitaus weniger zufrieden geben. Damals entstand mein Gedicht „ Die Numerik und die Grille“:

„ Wer einmal nur die Woche lacht / und möchte gerne täglich / studiere morgens GME, denn GME macht`s möglich / Drum Rechnerfreund und Optimist / versäume nie die Mittelfrist / denn wo der Schweiß der Edlen fließt / der Wahrheit zartes Pflänzchen sprießt / Heut wird gezeigt, was uns gefällt / der blaue Himmel unverstellt / viel Freude , Jubel überall / im Garten tobt die Nachtigall / und aus dem Land der Mandarine / klingt zart der Klang der Mandoline / - Was tags darau der Rechner singt / Musikfreund in Verzückung bringt / vernimmt er doch mit Heiterkeit / Vivaldis vierte Jahreszeit / wo gestern stolz ein Keil sich reckt / Frau Arktis ihre Zunge streckt / von Husum bis Eltville / verstummt das Lied der Grille / - Doch wem das alles zu sehr plagt / Modellwechsel ist angesagt ! / schon tauscht man Frust mit Zuversicht - die Atmosphäre stört das nicht."

Gruß Sigward



Thema Klicks geschrieben von Datum/Zeit
  Die letzten Blätter fallen 4310 Sigward 11.11.17 17:07
  Schön wie immer. Und EZ hatte die gegenwärtige Entwicklung schon vor 10 Tagen auf dem Schirm. 995 Martin-Rügen-Göhren 11.11.17 17:24
  Vielen Dank für den äußerst lesenswerten Beitrag. Das Gedicht wie auch der kleine Seitenhieb stehen in gutem Einklang. (oT) 399 J-P (NRW, Bergisches Land auf 286m) 12.11.17 19:27
  wenn da nicht immer die "leider" oder "Gott sei Dank"Sager wären 772 herbert kafka 13.11.17 10:08
  Re: wenn da nicht immer die "leider" oder "Gott sei Dank"Sager wären 1019 Sigward 13.11.17 11:02
  Richtig... 637 Badner Land 21.11.17 09:04
  Sachlich neutral emotionslos wären deine Beiträge zwar immer noch sehr lesenswert 930 Badischer Reisbauer 15.11.17 01:32


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