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Und die Schatten werden immer länger
geschrieben von: Sigward (IP-Adresse bekannt)
Datum: 20. Oktober 2017 17:55

moin

Falls sie überhaupt fallen. Und irgendwann werden wir leider auch feststellen müssen dass uns die Strahlen der Sonne nicht mehr wärmen sondern nur noch blenden wie die Reden unserer Politiker. Sollten jedoch wie bei Rainer Maria Rilke auf den Fluren die Winde losgelassen werden freuen wir uns doch einfach denn mit Sicherheit wird nun auch der letzte Schleier fallen und mit etwas Glück werden wir nach Passage einer maskierten Kaltfront etwas blauen Himmel erblicken.

Aber vielleicht heißt es ja nach dem warmen Herbstgold „ the same procedure again“. Die Zirkulation hat nämlich eine gewisse Vorliebe für GWL außerhalb ihrer gewohnten Norm und möchte uns gern wiederholt mit solchen Exoten beglücken oder abstrafen. Man erinnere sich etwa an die verheerende Orkanserie im Winter 1989/1990, an die wiederholten Schnee- und Kältekatastrophen im nördlichen Deutschland im Winter 1978/79, immer aufgrund ähnlicher GWL, die Hitzewellen des Sommers 2003, Irland erlebt wiederholt ein böses Sturmereignis. Grundlegende Ursache im Winter ist etwa eine südliche Westlage bezw. ein brutales zonales Zirkulationsmuster, im Sommerhalbjahr etwa eine außergewöhnlich nördliche Position des subtropischen Hochdruckgürtels. Schaun wir mal ob uns ähnliche Extremitäten wie im badischen Mülheim am 16.10. mit 28.2°C beglücken könnten, vielleicht nur etwas gemäßigter.

Am Freitag überquerte die Kaltfrontokklusion des sich weiter abschwächenden Tiefs „Friedrich“ Deutschland mit Advektion instabil geschichteter erwärmter Polarluft mPs und anfangs schauerartigen Niedeschlägen . Vom Atlantik folgt rasch das Orkantief „Elmar“, überquert am Samstag unter Abschwächung Irland, an ihrer Ostflanke erfolgt kurzfristig ein Schwall subtropischer Meersluft mSp mit erneut schauerartigen und zum Teil gewittrigen Niederschlägen die im Nordalpenstau am gesamten Wochenende recht ergiebig sein können.“Elmar“, schließlich eingebunden im Höhentrog, also gewissermaßen im eigenen Saft schmorend, erscheint am Sonntag nur noch als schwacher Zyklon über der Nordsee und löst sich schließlich auf. Ein relativ kaltes Hoch verlagert sich vom Norwegischen Meer über Finnland rasch südostwärts, an seiner Ostflanke Advektion arktischer Kaltluft und damit für Väterchen Frost in der Petschora oder auch weiter südlich gute Gelenheit mit seinen Schlittenhunden schon mal für das Weihnachtsgeschäft zu üben. Mitteleuropa vebleibt zum Wochenbeginn im Bereich weiter alterner polarer Kaltluft.

Inzwischen ist im linken Auszug eines kräftigen Frontalzonenjets südöstlich Island ein Orkantief entstanden. Es verbleibt in der Folgezeit ebenfalls eingebunden im Höhentrog und daher unter Abschwächung als zyklonales Zentrum erhalten bei nur langsamer Ostverlagerung. An seiner Südostflanke erfolgt ab Wochenmitte aus Algerien via westliches Mittelmeer nach West- und Zenraleuropa ein mächtiger Vorstoß kontinentaler Tropikluft cS und stützt damit gleichzeitig das Rußlandhoch. Damit wird eine neue Phase „goldener Oktober“ eingeläutet, das Gleiche nochmal ? Ach, wenn nur der Nebel nicht wäre. Der mächtige aus dem westlichen Mittelmeerraum bis Zentraleuropa reichende Hochdruckrücken von 588 gpdm und minus 10 bis minus 15°C wird durch die erneute Regenerierung des Atlantiktiefs bis Mittelfristende weiterhin gestützt. Nur sollte man sich von den 15°C im Niveau 850 hPc nicht blenden lassen, ist in dieser Jahreszeit ohnehin obsolet, alles sieht nach einer perfekten Inversionslage aus mit gravierenden Folgen für die Bewohner besonders der Flußniederungen.

EZ 00 z erstaunlich ähnlich, doch zum nächst folgenden Wochenende Schluß mit lustig : Kräftige Zonalisierung und schlußendlich ein Sturmtief über Norddeutschland. Frischer Wind bringt für Flachländer und Großstadtbewohner eine Ende der kondensationsreichen ungesunden Nebelluft. Einfach besser durchatmen.

Warmes Herbstgold : Es soll ja böse Menschen geben die wollen uns nach so viel bezauberndem Edelmetall mit einem kalten Winter drohen. „ Am Golde hängt, zum Golde drängt doch alles“. Vielleicht sind damit nach dem Ausverkauf des lezten Spekulatius auch nur die Nutznießer einer möglichst vorweihnachtlich weißen Konsumwelt gemeint welche die Konsumlust beträchtlich steigern könnte. Warten wir also einfach auf die nächsten Läufe und alles wird gut.

Gruß Sigward



Thema Klicks geschrieben von Datum/Zeit
  Und die Schatten werden immer länger 3927 Sigward 20.10.17 17:55
  Einfach herrlich! Lieben Dank Sigward!!! (oT) 327 CB Ulm 21.10.17 13:58
  Wie immer sehr lesenswert.Danke! (oT) 302 itzmiii53757 21.10.17 15:16
  Ja, lyrisch bedeutsam, aber halt inhaltlich hochspekulativ 1182 Anonymer Teilnehmer 21.10.17 15:26
  Re: Ja, lyrisch bedeutsam, aber halt inhaltlich hochspekulativ 1034 Sigward 21.10.17 17:58
  ja, so versteh ichs, aber das Problem ist, dass die Lyrik-Jünger... 1101 Anonymer Teilnehmer 21.10.17 18:01
  Re: Ja, lyrisch bedeutsam, aber halt inhaltlich hochspekulativ 741 Heinz2017 22.10.17 10:55
  Re: Und die Schatten werden immer länger 1134 Sigward 21.10.17 19:03
  Vielen Dank für den synoptisch-poetischen Hochgenuß! (oT) 423 Kaltlufttropfen (80 km sö v Berlin) 21.10.17 22:32
  Re: Und die Schatten werden immer länger 1030 Heinz2017 22.10.17 10:56
  Re: Und die Schatten werden immer länger 694 Margi 28.10.17 22:13


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