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Herbstliches Gold zum Abschied ?
geschrieben von: Sigward (IP-Adresse bekannt)
Datum: 11. Oktober 2017 16:57

moin

Zum Golde drängt am Golde hängt doch alles. Nur so ist es wohl zu erklären , dass ein paar sonnige Herbsttage aufgrund ihrer bunten Laubfärbung mit diesem edlen und teueren Edelmetall assoziiert werden. Goldener Oktober, wohl letzter spätsommerlicher Gruß vor einer kalten und grauen Jahreszeit die uns mit viel Lebkuchen und Spekulatius trösten möchte. Doch immer auch vorausgesetzt, dass der nächtliche Nebelschleier noch rechtzeitig fällt , noch besser ausbleibt. Mitunter bekommt der goldene Oktober gar einen hochsommerlichen Anstrich und läßt arme Schokoweihnachtsmänner leiden, böse Menschen wollen darin schon Anzeichen für einen kalten Winter sehen.

Der Anfang ist gemacht. Sturmtief „Arke“ und Sturmtief „ Benno“ sind in die Startlöcher gegangen und unterstützen zusammen mit einer von den Azoren bis Osteuropa reichenden Hochdruckbrücke zusammen mit dem Hoch „Tanga“ über dem Süden Deutschlands die zonale Zirkulation und weit westlich der Azoren lauert der Exhurricane „Opelia“ auf seine freundliche Unterstützung. Nach der Kaltfrontpassage von „Arke“ wird Mitteleuropa zunächst von maritimer Polarluft mP geflutet. Doch das Sturmtief „Benno“ östlich Neufundland hat aufgrund seiner Position im Frontalzonenjet zyklogenetisch die besseren Karten und entwickelt sich zum Orkantief. Richtung Island wandernd unterstützt es mit seiner Vorderseitenwarmluft die Hochdruckbrücke und begünstigt die Entwicklung eines antizyklonalen Zentrums über Zentraleuropa. Dabei altert die maritime Polarluft mP unter Hochdruckeinfluß zu mPs. Gegen Samstag hat sich der Hochdruckrücken im Niveau 500 hPa mit einer Temperatur von minus 10°C und einem Geopotential von 588 hPc nahezu senkrecht über dem Bodenhoch zu einem beachtlichen antizyklonalen Zentrum entwickelt wobei die Luftmasse mPs zur nächstwärmere xSp mutiert mit einem Tx im Bodenfeld von 20°C bis 22°C.

Inzwischen hat „ Opelia“, anfangs immer noch mit einem erstaunlich warmen Kern ausgestattet, gemäß GFS 06 z das Seegebiet weit östlich der Azoren erreicht und hat nun das „Glück“ in die günstigste Position einer atlantische Frontalzone einbezogen zu werden mit der Entwicklung zu einem Orkantief . Dieser kleinräumige Wirbel mit einem Kerndruck von 965 hPa und seinem extremen Luftdruckgradienten erreicht zum Montag das Seegebiet westlich Irland , zusammen mit einem Randtief und vorderseitiger WA den langsam ostwärts wandernden Hochdruckrücken über Zenraleuropa weiter stützend, verlagert sich der Wirbel unter Abschwächung in des Seegebiet südlich Island. Inzwischen ist die Luftmasse über Zentraleuropa von xSp zu xS mutiert und beschert uns in nebelfreien Regionen zunächst schönes warmes Herbstwetter.

Gegen Wochenmitte hat sich das Mitteleuropahoch ostwärts zurückgezogen, ein Randtief des Sturmwirbels südlich Island greift über GB in unser Wettergeschehen ein ersetzt die Warmluft über Mitteleuropa durch etwas kühlere Luftmasse xSp. Dieses Randtief nahe Schottland und der Islandwirbel bewegen sich schließlich im Antiuhrzeigersinn und regenerieren damit zunächst den zonalen Zirkulationsmodus. Unter weiterer Drehbewegung vereinen sich beide Zentren bis Mittelfristende zu einem komplexen Tiefdrucksystem vor Norwegen und fluten West- und Zentraleuropa zusammen mit ihrem korrespondierenden Höhentrog mit polarer Meeresluft. Da bleibt nur zu hoffen, dass künftige Modellversionen, oder sollte man nach 10 Tagen eher von einer Vision sprechen, zu freundlicheren Lösungen gelangen.

Gemäß EZ 00 z vereinigen sich beide Tiefdruckzentren südlich Grönland und östlich Island zu einem komplexen Sturmzentrum zwischen Island und der Grönlandsee. Der entsprechende und weit nach Süden reichende Trog, der schließlich auch den ehemaligen Tropensturm „Opelia“ einschließt, stützt mit seinem vorderseitigen breiten Strom subtropischer Warmluft den Hochdruckrücken über Zentraleuropa. Ähnlich wie bei GFS bewegt sich der frühere Tropensturm, eingebettet in ein komplexes Teifdrucksystem, um eine Gegenuhrzeigerachse. Endresultat ist schließlich ein kräftiges zyklonales Zentrum zwischen Schottland und der Norwegischen See mit eienem bis zu den Azoren reichenden Trog an dessen Ostflanke, im völligen Gegensatz zu GFS 06 z, subtropische Warmluft nach West- und Mitteleuropa advehiert wird.

Ach, laßt die Schokolikoläuse bei Tengelmann doch etwas leiden, wir begenen ihnen ohnehin bald wieder als Osterhasen. Und ach, all die Spekulatius und Lebuchen, schnell zugreifen bevor der Klimawandel zuschlägt und zu Weihnachten Vanilleeis mit frischen Erdbeeren angeboten wird. Drum sollten wir die grauen und kalten Tage so richtig genießen. Es sei denn, zum Martinisömmerchen werden statt abendlichem Laternenumzug die Schwimmbäder geöffnet. Schön wär`s.

Gruß Sigward



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  Herbstliches Gold zum Abschied ? 1968 Sigward 11.10.17 16:57
  Re: Herbstliches Gold zum Abschied ? 667 Margi 11.10.17 18:46
  Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. 733 Martin-Rügen-Göhren 11.10.17 19:01
  Vielen Dank für den synoptisch-poetischen Hochgenuß! (oT) 417 Kaltlufttropfen (80 km sö v Berlin) 12.10.17 04:10
  Re: Vielen Dank für den synoptisch-poetischen Hochgenuß! 430 AndreasHirsch 13.10.17 14:51
  Re: Vielen Dank für den synoptisch-poetischen Hochgenuß! 423 Kaltlufttropfen (80 km sö v Berlin) 13.10.17 14:58
  Re: Vielen Dank für den synoptisch-poetischen Hochgenuß! 542 AndreasHirsch 13.10.17 15:08


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