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Öfter mal was Neues
geschrieben von: Sigward (IP-Adresse bekannt)
Datum: 30. September 2017 20:54

moin

Doch was tun sprach Zeus, unsere Modellgötter sind besoffen und wem ihr Gesang mißfällt oder nicht recht weiß welches Lied da gerade gesungen wird der lausche einfach Vivaldis Jahreszeiten und suche sich die Schönste aus, aliquid semper erit. Vielleicht gar der goldene Oktober : „bald siehst du wenn der Schleier fällt“– doch Eduard Möreke können wir nun leider nicht mehr befragen. Ist ja vielleicht auch gar nicht nötig und sollten wir vielleicht auch nicht.

Beschäftigen wir uns zunächst mit dem synoptischen status quo und seinen wichtigsten Mitspielern : Da sei an erster Stelle das mächtige antizyklonale, bezüglich Jahreszeit und geographischer Breite in der mittleren Troposphäre extrem warme Bollwerk über Fennoskandien erwähnt, welches seine roten Bäckchen aus diabatischen Gründen allmählich einbüßt jedoch noch nicht seinen Löffel abgeben möchte und sich daher unter Abschwächung allmählich in den zentralrussischen Raum verlagert. Last not least das prominente Azorenhoch welches in der Folgezeit West- und Zenraleuropa einen Besuch abstatten möchte.

Der übrige Nordatlantik hingegen wird von einem komplexen Tiefdrucksystem beherrscht. Hier ist besonders der Hurricane „ Maria“ zu erwähnen, anfangs noch durch seinen roten Kern auf 850 hPa Äquipot. T.als solcher erkennbar, danach jedoch die atlantische Frontalzone verläßt, diese gut erkennbar am von Neufundland bis Schottland reichenden Frontalzonenjet, um danach als zyklonale Randerscheinung einige 100 NM westsüdwestlich Irland zu enden. Mitteleuropa befindet sich zum Sonntag und Wochenbeginn im Randbereich eines Sturmtiefs bei den Shettlandinseln und nach deren Okklusionspassage in subpolarer Meeresluft mPs. (die Kaltfront von „Viktor“ passierte das Rhein-Maingebiet am Samstag gegen 16.40 mit kräftigen Schauern, im weiteren Verlauf präfronal eine durchbrochene Gewitterlinie ). Nachfolgend und nach Abwanderung und Abschwächung der Sturmzyklone Richtung Norwegische See unter Einbezug eines weitere Randtiefs weitet sich das Azorenhoch mit einer Zelle nach Westeuropa aus.

Bemerkenswert noch vor Wochenmitte ist ein Höhentrog vom nordwestlichen Nordatlantik bis östlich Neufundland mit einer vorgelagerten Achse tiefen Luftdrucks aus welcher sich ein „cut off“ mehrere 100 NM nordwestlich der Azoren ablöst und an dessen Ostflanke ein mächtiger Warmluftstrom den vor Westeuropa angelangten Azorenhochrücken stärkt. Man beachte auch bei GFS 12 z den extrem warmen Kern mit bis zu 592 gpdm im Niveau 500 hPc westlich von Portugal nach Wochenmitte. Inzwischen hat sich im linken Auszug einer kräftigen Frontalzone aus einem Randtief des oben erwähnten Sturmtiefs über der Norwegischen See über dem Skagerak und der Oslobucht ein Orkanzyklone entwickelt mit dessen Randtrog der Azorenhochkeil unter Abschwächung rasch nach Südosten verdrängt wird und die zuvor erwärmte Meeresluft mPs rasch durch polare Meeresluft mP ergänzt wird.

Ein weiteres Abkalben des Azorenhochs scheitert da dessen Zentrum gegen Wochenende westlich der Biskaya verharrt. Dafür gelangt Mitteleuropa im Zuge erneuter Meridionalisierung in den Einfluß eines breiten Höhentrogs und maritimer Polarluft mit schauerartigen Niederschlägen. Das Azorenhoch zieht sich dabei auf seinen angestammten Hofsitz zurück.

EZ 00 z (man siehe später jedoch auch 12 z) anfangs ähnlich wobei die Orkantiefentwicklung über dem Oslofjord unterbleibt. Nach kurzem Vorstoß eines Azorenhochkeils nach Mitteleuropa meridionales Aufsteilen des Azorenhochs mit entsprechendem Trogvorstoß via West- und Zentraleuropa. Anschließend , oh Wunder, ein neuer Vorstoß eines Azorenhochkeils nach Mitteleuropa mit deutlicher Milderung und gegen Mittelfristende , aus welchen Gründen auch immer, eine Orkantiefentwicklung über der Norwegischen See.

Welches Lied im neuen Umlauf gesungen wird wissen wir noch nicht, lassen wir uns einfach überraschen, im Klimawandel ist ja alles möglich. Und es muß ja auch nicht unbedingt wie bei Vivaldi erst ein Schleier fallen, wissen wir doch nie was sich dahinter verbirgt : Honi soit qui mal pense – ein Schuft der Böses dabei denkt. Meine natürlich den Aufzug hoher und mittelhoher Bewölkung die den nächsten Regen ankündigt.

Gruß Sigward



Thema Klicks geschrieben von Datum/Zeit
  Öfter mal was Neues 2263 Sigward 30.09.17 20:54
  Auch heute wieder ein Dankeschön für die Samstagabendlektüre. (oT) 379 Jürgen (Holzminden, 93 m) 30.09.17 21:58
  Re: Öfter mal was Neues 754 Margi 01.10.17 13:55
  Danke Sigward \o/ (oT) 405 Eike 03.10.17 23:21


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