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Genaues weiß man nicht
geschrieben von: Sigward (IP-Adresse bekannt)
Datum: 17. September 2017 17:16

moin

Muß man auch nicht und dies ist auch gut so. Wie heißt es doch bei Friedrich von Schiller „Wer wagt es Rittesmann oder Knapp zu tauchen in diesen Schlund ?“ Schließlich gibt es dafür heutzutage Spekulatius, bereits massenhaft angeboten in Supermärkten. So wird auf unserer Wetterwiese schon über den Polarwirbel spekuliert und unsere notorischen Winterfreunde können die ersten Eisblumen auf ihrem Wohnzimmerfenster kaum erwarten. Da haben die Besucher der Münchner Wiesn ganz andere Sorgen: 10 Euro für ein Maß Bier. Ja, wir gehen schrecklichen Zeiten entgegen und es wird jeden Tag früher dunkel.

Die neue Woche beginnt, wie schon früher erwähnt, mit einem für die zweite Septemberhälfte äußerst ungewöhlichem meridionalen Zirkulationsmuster : Ein Hochdruckrücken im Niveau 500 hPa aus dem subtropischen Seegebiet nördlich der Kanaren über Irland bis zum Europäischen Nordmeer, ein entsprechender Trog vom nordwestlichen Sibirien über Fennoskandien, Zentraleuropa bis in den westlichen Mittelmeerraum, obendrein ein cut off über dem Baltikum. Damit ist auch in weiten Bereichen des westlichen Mittelmeerraumes der Herbst eingekehrt mit einem Tx nur wenig über 20°C, während die subtropische oder tropische Heißluft über dem östlichen Mittelmeerraum allmählich weiter ostwärts abgedrängt wird.

Bis Wochenmitte hat sich aus dem meridionalen Hochdruckrücken ein antizyklonales Zentrum zwischen Barentssee und dem Europäischem Nordmeer entwickelt mit einem schwachen Keil bis Mitteleuropa. An dessen Westflanke wird an der Vorderseite eines komplexen nordatantischen Tiefdrucksystems der Westen Deutschlands von etwas wärmeren Luftmassen tangiert. Aus dem Trog über dem zentralen Mittelmeeraum hat sich inzwischen über der Ukraine bis in den Schwarzmeerraum ein zyklonales Zentrum entwickelt womit die Heißluft über dem östlichen Mittelmeer immer weiter ostwärts verdrängt wird.

Bis Freitag hat sich aus einem Randtief östlich Neufundland wie stets im linken Auszug eines Frontalzonenjets ein kräftiges Sturmtief über dem mittleren Nordtlantik entwickelt. An der Ostflanke des in das Seegebiet südlich Island wandernden und inzwischen zum Orkantief mutierten Sturmtiefs erfolgt gegen Wochenende ein kräftiger Strom atlantischer Subtropikluft Richtung West- und Zentraleuropa. Doch das oben erwähnte Tief über der Ukraine verlagert sich unter Abwächung Richtung Polen und dem östlichen Deutschland, verhindert also somit ein weiteres Vordringen der atlantischen Warmluft. Vielmehr wird sich der nunmehr weiter nordostwärts abgedängte Warmluftstrom für den Aufbau eines neuen kräftigen mitteltroposphärische Hochdruckrückens über Westeuropa, Fennoskandien bis Nordrußland mißbraucht. Daraus entwickelt sich bis Mittelfristende ein kräftiges antizyklonales Zentrum über Finnland und dem nordwestlichen Rußland mit Temperaturen von minus 12 bis minus 15°C im Niveau 500 hPa.

Doch inzwischen hat sich gleichfalls noch vor Mittelfristende aus einer kräftigen von der südliche Davisstraße bis zum mittleren Nordatlantik reichenden sehr markanten Fronatalzone ein neues kräftiges zyklonales Zentrum entwickelt. Der neue Warmluftstrom an seiner Ostflanke sollte für Zentraleuropa etwas erfolgversprechender sein und könnte sich gegen Mittelfristende bis Deutschland ausbreiten.

Bei EZ 00 z ist der Hochdruckrücken zum Wochenbeginn in Richtung Europäisches Nordmeer schwächer ausgeprägt, beachtlich hingegen schon der Vorstoß arktischer Kaltluft an seiner Ostflanke. Aus einem Hochkeil an der Ostflanke eines Atlantiktiefs Richtung Westeuropa kapselt sich über Deutschland zur Wochenmitte kurzfristig ein flaches kaltes Hochdruckgebiet ab. Das Hoch über über dem Europäischen Nordmeer bis zur Barentssee wandert Ostwärts, an seiner Südflanke erreicht subtropische Warmluft sogar noch den Nordwesten Rußlands. Zum Wochenende erfaßt ein Azorenhochkeil Westeuropa und verbindet sich nachfolgend mit hohem Luftdruck über dem hohen Norden Europas. Gegen Mittelfristende hat sich ein kräftiges und in der mittleren Troposphäre sehr warmes antizyklonales Zentrum über Südskandinavien aufgebaut. Mitteleuropa verbleibt dabei in einer relativ kalten kontinental geprägten Luftmasse xP.

Unsere unverbesserlichen Winterfreunde könnten jetzt in Anbetracht einer sich immer wieder regenrierenden meridionalen Zirkulation hoffnungssfroh gestimmt sein. Es ist ja auch etwas ungewöhnlich dass unsere "Alten Weiber" im letzten Septemberdrittel schon vor geheiztem Kamin spinnen müssen, na ja, mit einem Strickjäckchen mag es wohl auch in freier Natur noch möglich sein. Noch viel viel kälter übrigens war es im letztem Septemberdrittel 1974. Ach ja, damals folgte der wärmste Winter des 20. Jahrhunderts. Muß ja nicht, aber darf auch gerne. Winterfreunde sollten das einfach ignorieren. Überhaupt, im neuen Lauf ist ohnehin alles anders (hoffentlich besser )

Gruß Sigward



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