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Der Mai des Herbstes läßt grüßen,wunschlos glücklich ?
geschrieben von: Sigward (IP-Adresse bekannt)
Datum: 09. September 2017 18:44

moin

Ach, da will aber auch gar keine Freude aufkommen , auch keine Abschiedstränen vor einer langer herben und finsteren Herbst- und Winterzeit ? Nun , vielleicht sollte man verfahren wie weiland die Sieben Schläfer von Ephesus im Höhlenberg Anchilus , freilich nicht gar so lange und besser wieder aufwachen im Wonnemonat Mai , danach vielleicht durch Einsparung diverser Heizkosten eine lange Reise in subtropische Gefilde und nicht unbedingt auf den deutschen Sommer hoffen , trotz Klimawandel, aber man weiß ja nie.

Normalerweise ist der September ja ein ruhiger Monat , die Zirkulation ist zwar häufig zonal geprägt wobei , wie die Normalperiode 1961/90 zeigt , die antizyklonalen GWL WA und BM jedoch ihr Jahresmaximum erreichen , die meisten meridional geprägten GWL hingegen teilweise das absolute Jahresminimum . Allerdings müsen wir jetzt bei Hochdruckwetterlagen berücksichtigen dass die berühmte Faustformel T 850 hPa plus 15 k für das bodennahe Tx ab etwa Monatsmitte nicht mehr so recht funktioniert da aus diabatischen Gründen mit einem trockenadiabatischen Temperaturgradienten von 1 k / 100 Meter bis zur Bezugshöhe 1500 Meter nicht mehr gerechnet werden kann, es sei denn es herrcht eine gute Durchmischung.

Doch in diesem September ist ja alles anders. So dominiert nach vergeblichem Ansatz zu einem zonalen Zirkulationsmodus zumindest bis zum Ende der Folgewoche ein merdionales Zirkulationsmuster wobei kühlere subpolare Luftmassen zyklonal geprägt nun auch den westlichen Mittelmeeraum erfassen während sich die Spätsommerhitze in seinen südöstlichsten Teil bis in den Schwarzmeerraum zurückzieht. Südlich Island hat sich das Sturmtief „Reinhold“ entwickelt , verläßt aber die Frontalzone und dreht schließlich unter Abschwächung in Richtung Norwegische See ab. Ein anderes noch unbenanntes Tief über der Dänemarkstraße hat gemäß GFS 06 z zunächst deutlich bessere Entwicklungsmöglichkeiten und verstärkt sich im linken Auszug der Frontalzone zu einem recht kräftigen Exemplar. Doch auch dieses Tief verliert alsbald an Kraft und vereint sich mit seinem Vorgänger zu einem komplexen Tiefdrucksystem im Seegebiet südlich Island und dem Europäischen Nordmeer . Noch weitaus größere Entwicklungsmöglichkeiten hat schließlich ein Randtief südwestlich Irland im entsprechenden Frontalzonendelta und mausert sich bis Wohenmitte zu einem passablen Sturmtief über dem Westausgang des Skagerak. Erwähnenswert noch die Starkniederschläge am Samstag infolge Aufgleitvorgänge über der deutschen Schweiz und dem Raum Zürich die sich bis Sonntag nach Slowenien verlagern.

Mit Ausweiten des Azorenhochs bis in subpolare Breiten und dem korrespondierenden Trogvorstoß bis zu den Pyrenäen dominiert nach kurzfristigem zonalen Ansatz ab Wochenmitte wieder zyklonal geprägte merdionale Zirkulation. Gleichzeitig wird somit ein neuer Vorstoß von Tropik – oder Subtropikluft vom Süden der Iberischen Halbinsel über den gesamten westlichen Mittelmeeraum Richtung Südosteuropa begünstigt der in der Folgezeit bis Mittelfristende nur langsam von Westen abgebaut wird.

Zu Beginn der neuen Woche erfolgt mit dem Vorstoß des Azorenhochs über Westeuropa via Mitteleuropa ein erneuter antizyklonaler Versuch einer zonal geprägten Zirkulation mit allerding nur geringer Erwärmung in einer subpolaren Luftmasse xPs auf herbstlichem Niveau. Da jedoch bis Mittelfristende der warme Langwellenrücken im Niveau 500 hPa über Westeuropa verharrt, ist ein Trend für eine erneute Rückkehr zu meridionaler Struktur nicht ausgeschlossen.

Auch bei EZ 00 z ist ein ephimerer Trend zu Zonaler Zirkulation unverkennbar der jedoch mit dem nördlichen Aufsteilen des Azorenhochs und den daraus resultierenden Folgen rasch wieder beendet wird. Dabei wird die trogvorderseitige Tropikluft zum westlichen und zentralen Mittelmeeraum rascher als bei GFS nach Osten abgedrängt. Die zonal geprägte Entwicklung durch einen Vorstoß des Azorenhochs via West- und Mitteleuropa ist noch unsicherer als bei GFS da der Schwerpunkt des warmen mitteltroposphärischen Rückens noch weiter westlich verharrt.

Aber wer weiß , vielleicht besinnen sich ja die alten Weiber in der letzten Septemberdekade, verlassen ihre Spinnräder und schlagen Rainer Maria Rilke ein Schnippchen. Dennoch, die Schatten werden immer länger und daran werden sowohl Frau Merkel als auch der Klimawandel wohl nichts ändern. Und ach, und im nächsten Lauf ist ohnehin alles anders. Vielleicht noch schlimmer.

Gruß Sigward



Thema Klicks geschrieben von Datum/Zeit
  Der Mai des Herbstes läßt grüßen,wunschlos glücklich ? 1954 Sigward 09.09.17 18:44
  Danke für die schöne Samstagabendlektüre! (oT) 250 Jürgen (Holzminden, 93 m) 09.09.17 19:27
  Re: Der Mai des Herbstes läßt grüßen,wunschlos glücklich ? 459 Struppi 11.09.17 19:13
  Re: Der Mai des Herbstes läßt grüßen,wunschlos glücklich ? 446 Sigward 11.09.17 22:34
  Danke. (oT) 162 Struppi 12.09.17 06:02
  Danke Sigward (oT) 209 Eike 12.09.17 08:49


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