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Je oller so toller ?
geschrieben von: Sigward (IP-Adresse bekannt)
Datum: 27. August 2017 16:20

moin

Der späte August ist ja für seine Auswüchse bekannt. Hält überhaupt nichts von Rainer Maria Rilkes Gedicht „Herr , es ist Zeit, der Sommer war sehr groß“ . Auch nichts von einem September , der einem Ondit zuolge der Mai des Herbstes sein soll . Er möchte es einfach noch mal wissen , drückende Schwüle , nächtliche Gewitter können seine trotzige Antwort auf erste unverkennbare Alterserscheinungen sein. Doch erste Signale des Abschieds sind ebenfalls unverkennbar , das Licht bereits spätsommerlich gedämpft, es wird spürbar früher dunkel doch noch lange nicht muß sich die Sonne schon durch Frühnebelfelder kämpfen.

Derzeit leiden die Modelle von GFS bis EZ unter dem Trumpsymptom so daß jegliche Simulationen über einen Zeitraum von mehr als 4 bis 5 Tage als zumindest fragwürdig erscheinen.Versuchen wir es dennoch: Von Bedeutung zumindest für den kurzfristigen Prognosenzeitraum sind ein quasistationäres noch namenloses Tiefdrucksystem nahe Island , ein übliches und ausgeprägtes Azorenhoch in bester sommerlicher Verfassung und Position mit einem ebenso ausgepräten Keil Richtung West- und Zentraleuropa. Unverkennbar eine gewisse Abkalbungstendenz einerseits durch den Trog des Islandtiefs vor Westeuropa und andererseits durch ein altes cut off – System vor Portugal. Last not least eine Luftmassengrenze zwischen Subtropikluft mS bezw. cS und erwärmter subpolarer Meeresluft mPs etwa über der Mitte Deutschlands die jedoch keineswegs bereits die Bezeichnung Frontalzone verdient, dazu fehlen jegliche Anzeichen für einen Frontalzonenjet.

Mit Verlagerung des Atlantiktiefs in Richtung Norwegische See und Ausweitung des abgekalbten Hochdruckrücken Richtung Nordosteuropa kann sich die Warmluft bis in den Norden Deutschands ausbreiten. Doch damit ist nach dem neuen 06 Umlauf von GFS unser spätsommerliches Präludium ab Wochenmitte auch schon beendet. Durch den weit südwärts gerichteten Trogvorstoß des inzwischen bis zur arktischen Barentssee abgewanderten Tiefs können im Bereich der Luftmassengrenze zwischen mPs und cS so wie hoher Labilitätsindices besonders im Süden Deutschlands heftige Unwetter erwartet werden.

Bereits zu Beginn des meteorologischen Herbstes erfolgt ein neuer Vorstoß des Azorenochs Richtung West – und Zentraleuropa mit kühler subpolarer Meeresluft. Gleichzeitig mit dem Abtropfen hochreichender Kaltluft über das Rhonetalbecken bis in den Mittelmeerraum werden per se günstige Voraussetzungen für eine Vb- Entwicklung geschaffen: Genuatief, Südalpenstau, schließlich die Leezyklogenese am nördlichen Alpenrand und einem Vorstoß von Tropikluft cT mit Temperaturen von bis zu 20°C im Niveau 850 hPa aus dem zentralen Mittelmeerraum über die Balkanregion bis in den Südosten Deutschlands. Die stärksten Niederschläge breiten sich jedoch am Sonntag gemäß GFS über den Westen und Südwesten Deutschlands Richtung Vogesen aus.

Inzwischen ist aus dem Azorenhochkälbchen eine abgeschlossene veritable Hochdruckzelle über dem Baltikum und Westrußland entstanden. Die mittlerweile zu xS oder allenfalls zu xT transformierte Tropikluft an ihrer Westflanke erfaßt jedoch nur noch den Südosten und Osten und im weiteren Verlauf von Osten auch den Norden Deutschlands jedoch mit der Gefahr von schweren Warmlufteinschubgewittern. Der große Rest Zentraleuropas soll sich jedoch gemäß GFS 06 z bis Mittelfristende zwischen Azorenhoch und Osteuropahoch im Bereich eines flachen Höhentrogs mit erwärmter subpolarer Meeresluft und einzelnen Schauern begnügen.

EZ 00 z läßt Deutschland bis Wochenmitte leicht zyklonal geprägt zwischen Rußlandhoch und einem Trog über Nordwesteuropa noch im Bereich von Subtropikluft mit potentieller Gewitter - oder Unwettergefahr. Nachfolgend wie schon bei GFS ein Vorstoß des Azorenhochs via Mitteleuropa. Aus diesem Kälbchen dann die Entwicklung eines antizyklonalen Zentrums über Skandinavien mit Verlagerung nach Osteuropa. Die anfangs noch wie bei GFS advehierte Warmluft an seiner Westflanke erfaßt nur noch vorübergehend die Osthälfte Deutschlands. Danach beherrscht ebenfalls wie bei GFS ein flacher Höhentrog mit subpolarer Meeresluft die Witterung in Zentraleuropa

Aber vielleicht können wir, wie schon in der Einleitung angedeutet und dem Trumpsymptom sei Dank, bald wieder Entwarnung eben und Rainer Maria Rilkes Schatten auf die Sonnenuhren vielleicht auf einen späteren Termin oder gar bis zur Umstellung auf die zentraleuropäische Winterzeit verschieben und aach, das Spinnen alter Weiber können wir nach der Bundestagswahl noch zu genüge Bewundern.

Gruß Sigward



Thema Klicks geschrieben von Datum/Zeit
  Je oller so toller ? 1908 Sigward 27.08.17 16:20
  Schmunzeln und noch eins extra für den letzten Satz! (oT) 180 Federwolke 27.08.17 17:36
  Bei dir ist doch gar keine Wahl :-) - Danke an Sigward für das wöchentliche Highlight in diesem Unterforum. (oT) 168 Jürgen (Holzminden, 90m) 27.08.17 20:08
  Vielen Dank für den synoptisch-poetischen Hochgenuß! (oT) 149 Kaltlufttropfen (80 km sö v Berlin) 27.08.17 18:33
  Träumchen! Vielen Dank für den stets unterhaltenden Wissensinupt! (oT) 168 Markus/TSC (Weimar) 28.08.17 16:06


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