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Etwa deutscher Sommer ante portas ?
geschrieben von: Sigward (IP-Adresse bekannt)
Datum: 05. August 2017 17:08

moin

Der Erntemonat August , nach dem Gregorianischen Kalender der 8. Monat des Jahres und benannt nach dem römischen Kaiser Augustus, bildet den eigentlich den Höhepunkt des Sommers, der subtropische Hochdruckgürtel erreicht seine nördlichste Position bei stärkster Ausprägung und höchster Temperatur in der mittleren Troposphäre, der Zonalindex schaltet auf Jahresminimum, er ist daher eigentlich ein Monat der Ruhe und Behäbigkeit. Doch davon ist heuer wenig zu spüren. Während der Süden Deutschlands bisher häufiger Kostproben aus dem hochsommerlich mediterranen „Paradies“ genießen durfte, ging der Norden leer aus, macht auch nichts, was man nie besessen , kann man auch nicht verlieren. Doch nun, so scheint`s, müßte gemäß GFS auch der Süden alsbald das Paradies Eden verlassen . Doch so widersprüchlich gestalten sich derzeit unserer Modellsimulationen, dass man besser auf ihre Beschreibungen verzichtet. Versuchen wir es dennoch : „no hay atajo sin trabajo – ohne Fleiß kein Preis“

Das Wochenende beginnt noch wie gewohnt mit dem GWT W einer zonalen Zirkulation wobei die Grenze einer mäßig warmen Luftmasse mSp oder im Norden mPs und Subtropikluft mS oder xT von Südfrankreich über den Alpenraum bis zur Ukraine verläuft. Dabei kann es im Bereich einer trogartig gedellten mittleren Troposphäre im nordeutschen Küstenbereich zu einzelnen schauerartigen Niederschlägen kommen die jedoch im Grenzgebiet beider Luftmassen im gesamten Alpenbereich verstärkt auftreten.

Zu Beginn der neuen Woche erinnert sich Hochsommer noch einmal an seine besten Tugenden , leider wird damit vorübergehend auch eine völlige Umgestaltung der GWL eingeleitet: Alles beginnt mit einem kleinen noch namenlosen Tief südlich Island. Es weitet sich mit seiner Trogachse bis Portugal aus und trennt somit die vom Nordatlantik bis Osteuropa reichende zonale Hochdruckzone in zwei ausgeprägte mitteltroposphärische Hochdruckrücken über dem mittleren nordatlantik und Osteuropa. An der Westflanke des Hochdruckrückens über Polen gelangt somit zum Wochenbeginn ein Schub Subtropikluft nach Mitteleuropa. Bereits gegen Wochenmitte weitet sich die Trogachse ostwärts aus und wird nachfolgend durch den Aufbau einer vom Nordalantik über die Norwegische See bis Nordrußland reichende flachen Hochdruckzone von Norden zugeschüttet. Über der nördlichen Nordsee, zusätzlich unterstützt durch die Leewirkung der Norwegischen Gebirge, entsteht ein somit ein cut off – Tief. In Mitteleuropa herrscht in maritimer Polarluft recht kühle schaueranfällige Witterung, besonders im Alpenstau kommt es zu särkeren Niederschlägen.

Bereits während der zweiten Wochenhälfte weitet sich ein noch flacher Keil des Azorenhochs nach Mitteleuropa aus, dabei wird das cut off – low mit Temperaturen von minus 20°C im Niveau 500 hPa über Südfrankreich ins das Ligurische Meer abgedrängt, wohl mit entsprechenden Folgen. In der Folgezeit gelingt dem sich weiter kräftigende Azorenhochkeil eine Verbindung mit der kräftigen und sehr warmen Antizyklone über Russland . Zusammen mit einem subpolaren komplexen Tiefdrucksystem im Seegebiet nahe Island, Europäisches Nordmeer, Grönland See wird der unterbrochene zonale Zirkulationsmodus wieder hergestellt und regeneriert. Unter Hochdruckeinfluß erwärmt sich zum Wochenende die maritime Polarluft in Mitteleuropa schon mal auf die nächste Temperaturstufe xP. Bis Mittelfristende wandelt sich im Rahmen einer GWL SWA der Azorenhochkeil zu einem abgeschlossenen Zentrum über Frankreich, Zentraleuropa und dem westlichen Mittelmeer, gestützt durch einen sehr warmen mitteltroposphärischen Rücken von über 588 gpdm im Niveau 500 hPa. Dabei erwärmt sich die Luft wieder auf hochsommerliche Werte wobei zu Bedenken bleibt, dass über Südwesteuropa wieder kontinentale Tropikluft zu Verfügung steht. Vielleicht die nächste Hitzewelle ante portas ?

Wie bei GFS 06 z nun auch bei EZ 00 z zerreist der bereits deutlich zyklonal gekrümmte zonale Zirkulationmodus in zwei antizyklonale Blöcke über dem zentralen Nordatlantik und Südosteuropa bis Polen. An der Westflanke des Letztern gelangt zum Wochenbeginn wie bei GFS kurzristig Subtropikluft nach Mitteleuropa. Nach vergleichbar ähnlichem Prozedere wie bei GFS mit Advektion maritimer Polarluft der Vorstoß eines Azorenhochkeils via West – und Mitteleuropa. Im Unterschied zu GFS wird jedoch die Hochdruckachse südlicher plaziert und dementsprechend auch die WA auf deutlich niedrigerem Niveau. Erst gegen Mittelfristende deutet sich ein erfolgreicherer Vorstoß des Azorenhochs nach Mitteleuropa an.

Also vorerst alles mit Maßen. Die extreme Hitze über der Balkanhalbinsel bis in das östliche Zentraleuropa wird bis nächstes Wohenende allmählich ostwärts abgedrängt und die Wiener können wieder besser schlafen, ach, die Norddeutschen ja sowieso. Schlechter schlafen werden allmählich wieder die Spanier, hier wird in der Folge wieder ein neuer Backofen angezündet. Bei Wassertemperaturen von 27 bis 30°C im westlichen und zentralen Mittelmeer ergeben sich interessante Perspektiven bei Vb- Lagen im kommendem Herbst. Wenn sie denn kommen. Nun , „nunca lueve a gusto de todos“ – man kann es Niemandem recht machen.

Gruß Sigward



Thema Klicks geschrieben von Datum/Zeit
  Etwa deutscher Sommer ante portas ? 3862 Sigward 05.08.17 17:08
  Danke Sigward, endlich erfährt man in diesem Forum 954 Martin aus Kiel 05.08.17 18:05
  Ein Träumchen, Deine Zeilen. Danke! (oT) 304 Alex aus Mainz 05.08.17 20:10
  Re: Etwa deutscher Sommer ante portas ? 698 Margi 06.08.17 10:42
  Vielen Dank für den synoptisch-poetischen Hochgenuß! 598 Kaltlufttropfen (80 km sö v Berlin) 06.08.17 11:29
  Ave Sigward... summa summarum... hier im Norden weiterhin Delirium ;-) (oT) 403 Schneeschippe (Bremerhaven) 06.08.17 12:13
  o/ Sigward (oT) 316 Eike 08.08.17 13:33
  Wie immer schön zu lesen. Die - falls es dann tatsächlich für die offiziell nötige Länge von drei Tagen reicht - GWL SWa wird sich aber erneut als zu schwachbrüstig erweisen 322 Jürgen (Holzminden, 90m) 10.08.17 13:28
  Re: Wie immer schön zu lesen. Die - falls es dann tatsächlich für die offiziell nötige Länge von drei Tagen reicht - GWL SWa wird sich aber erneut als zu schwachbrüstig erweisen 465 Sigward 10.08.17 16:06
  Sehe ich da aktuell die Bildung eines 5b/Genua-Tiefs? 465 Lutz Schenk 11.08.17 23:42
  Da ist ein Hochdruckkeil, da kann nichts durchkommen 538 Jörg Kachelmann 11.08.17 23:54
  Re: Da ist ein Hochdruckkeil, da kann nichts durchkommen 497 Lutz Schenk 12.08.17 00:05
  Möge dieser Keil auch so kommen wie geproggt... (oT) 244 Lutz Schenk 12.08.17 00:35
  Re: Sehe ich da aktuell die Bildung eines 5b/Genua-Tiefs? 645 Sigward 12.08.17 11:06


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