Wetterprognose Kurz- und Mittelfrist  :  Wetterzentrale Forum Wetterzentrale Forum

| Wetterzentrale-Startseite | Wetterzentrale-Chat | Wetterchronik | wetter-foto.de | Das alte WZ-Forum-Archiv (05/1999-04/2007) |

| Nutzungsbedingungen/Forumsregeln | Die neuesten Postings aus allen Foren | Wettersymbole einbinden | Präfixe in Betreffs verwenden |

Hochsommer ante portas : früh übt sich .....
geschrieben von: Sigward (IP-Adresse bekannt)
Datum: 17. Juni 2017 18:49

..... was ein Meister werden will ?

Doch was nützt es dem jungen Meister nachdem ihm der Meisterbrief überreicht wurde, das notwendige Kapital für eine lukrative Geschäftsgründung aber fehlt und es daher notwendig erscheint sich weiterhin mit einem etwas becheideneren Lebensstil zu begnügen. Oder, um es auf die meteorologische Schiene zu bringen : Ist der Sommer bereits dabei sein Pulver für die eigentliche Hauptsaison zu verschießen ? Was aber bleibet ? Nun, wir wissen es nicht und wollen es auch nicht wissen.

Was wir bei GFS derzeit und im mittlfristigen Zeitraum beobachten ist die typische Zonalisierung der Zirkulation auf sommerlichem Nivau. Also nicht die häufige meridionale Auskeilung des Azorenhochs als nordatlantische Zelle des Subtropenhochs mit den so unangenehmen Folgen sondern der Vorstoß oder Abkapseln einer Zelle Richtung Zentraleuropa. Und dies im mittelfristigen Zeitraum auf extrem hohem mitteltropospärischen Nivau wobei der Süden Deutschlands gegenüber dem Norden wie immer bei zonalen Zirkulationsmustern begünstigt wird. Hierzu kommt noch, dass der nach West – und Zentraleuropa gerichtete Keil des Subtropenhochs über dem östlichen Atlantik zunächst bis zu den Azoren trogartig durchbrochen wird. Dies hat zur Folge , daß sehr heiße nordafrikansiche Tropikluft cT die Iberische Halbinsel erfaßt und eine auch für dortige Verhältnisse extreme Hitzewelle auslöst.

Bereits der Sonntag wird in Mitteleuropa von einer Zelle des Subtropenhochs beherrscht mit einer schwachen Verbindung zu einer weiteren Zelle über dem westlichen Nordatlantik. Besonders eindrucksvoll der von der Iberischen Halbinsel über Frankreich sich nach Zentraleuropa ausweitenden sehr warme mitteltroposphärische Rücken mit Temperaturen von minus 5 bis 10 °C im Niveau 500 hPa. Zum Wochenbeginn erfaßt die Heißluft an der Wesflanke des Bodenhochs „Concha“, jetzt umgewandelt von cT in cS, auch den Süden Deutschlands. Am Dienstag wird der Norden Deutschlands an der Ostflanke eines schwachen Hochs nach Trogpassge –man bedenke den zonalen Charakter der Zirkulation – von etwas kühlerer Nordseeluft erfaßt. Nach Passage des Hochs weitet sich die Warmluft ab Wochenmitte als cS wieder nordwärts aus und die Hitzewelle erreicht im SW mit Temperaturen bis zu 35°C ihren Höhepunkt. Dabei werden die in der Subtropikluft z.T. sehr hohen Lablitätsindices am Freitag gemäß GFS in einem Streifen von Nordfrankreich bis in den Norden Deutschlands ausgelöst.

Gegen Wochenende verschärft sich die ohnehin zonale Struktur des Zirkulationsmusters mit Übergang zu GWL WA womit die Hitzewelle ihren Höhepunkt überschritten hat. Der inzwischen abgetropfte Atlantiktrog erreicht Portugal, damit verschiebt sich das iberische Hitzezentrum in den westlichen Mittelmeerraum. Das Subtropenhoch übernimmt nun wieder vom mittleren Nordatlantik bis in den Azorenraum seine angestammte Position. Labil geschichtete Subtropikluft eingebettet in einen flachen Trog führt gegen Mittelfristende in Mitteleuropa zu verbreiteter und ausgeprägter Gewittertätigkeit. Azorenhoch auf Normalposition, komplexes Tiefdrucksystem über dem subpolaren Bereich des Nordatlantiks, ob damit zu Beginn des Hochsommers eine Ende aller überzogenen Sommerfreuden eingeleutet wird kann hier natürlich nicht entchieden werden.

Auch bei EZ 00 z wird die starke Wärme von kühlerer subpolarer Meeresluft mPs an der Ostflanke eines Nordseehochs gegen Wochenmitte unterbrochen wobei sich die Abkühlung kurzfristig bis in den Mittelgebirgsraums durchsetzten kann. Von Donnerstag bis Freitag erfaßt an der Ostflanke eines Tiefs über dem Englischen Kanal kurzfristig Tropikuft ganz Mitteleuropa. Anschließend , und dies ist nun der fundamentale Unterschied zu GFS, erfaßt an der Rückseite eines Tiefs über der Nordsee und Südskandinavien maritime Polarluft ganz Deuutschland.

Es ist natürlich müßig und aufgrund der schon ab einem fünften Folgetag mit einigen Unsicherheiten behafteten Vorhersagemodelle irgendwelche Spekulationen über den klimatologischen Hochsommerbeginn zu wagen. Man genieße doch einfach die schönen warmen (heißen) Tage ,wenn sie denn kommen. Man weiß ja nie und es soll ja jemand geben für den GFS eine besonders schwache Kerze auf seiner Modelltorte ist und seine eigene Kerze doch viel besser leuchte. Vielleicht einfach mal pusten.

Gruß Sigward



Thema Klicks geschrieben von Datum/Zeit
  Hochsommer ante portas : früh übt sich ..... 3273 Sigward 17.06.17 18:49
  Re: Hochsommer ante portas : früh übt sich ..... 1100 Eifelwunder 17.06.17 21:14
  Daumen hoch Göttlich! Danke, Sigward! (oT) 475 Kai Zorn 18.06.17 00:48
  Vielen Dank für den synoptisch-poetischen Hochgenuß! (oT) 462 Kaltlufttropfen (80 km sö v Berlin) 18.06.17 16:37


In diesem Forum dürfen leider nur registrierte Teilnehmer schreiben.