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Ach komm lieber Mai und mache ....
geschrieben von: Sigward (IP-Adresse bekannt)
Datum: 01. Mai 2017 17:16

moin

Nicht mehr nötig, war wohl schon jemand hier und hats gerichtet. Ist fast wie mit dem Signal einer Verkehrsampel auf welches wir lezten Fußgänger dieser Nation immer viel zu lange warten müssen : Grüner nämlich wird`s nicht. Und der Postillon sollte doch lieber am Tage kommen, nachts doch noch viel zu kalt, vielleicht auch weil Nikolaus Lenau`s schützende Silberwölkchen fehlen doch wenn er überhaupt noch kommt dann bitte ohne Tuten und Blasen, das besorgen schon andere.

Doch nun zu eher ernüchternden Prosa : Am Feiertag zum 1. Mai erinnert uns gemäß GFS ein anfangs eiförmiger cut off einschließlich kleiner Restiefs über Westeuropa fast noch an vergangene österliche Genüsse . Hebungsvorgänge an der Ostflanke des nur langsam nordostwäts wandernden und allmählich schrumpfenden Höhentiefs sorgen anfangs abgesehen vom Osten Deutschlands für teils schauerartige Niederschläge bei sehr kühlen Temperaturen. Dieser cut off, wenn auch alsbald nicht mehr in seiner ursprünglichen thermischen Ausprägung, wird West- und Mitteleuropa noch lange beschäftigen und am Mittwoch infolge ausreichendem CAPE und LI sogar für einzelne Gewitter sorgen.

Beherrschendes und für alle ferneren Entwicklungen verantwortlich jedoch ist ein kräftiges Tiefdrucksystem über dem mittleren Nordatlantik , eingebunden in einen mächtigen bis in das Seegebiet südlich der Azoren reichenden Höhentrog. Es stützt durch WA an seiner Ostflanke ein antizyklonales Zentrum mit Schwerpunkt über der Norwegischen See. Dieses besonders in der mittleren Troposhäre markant ausgeprägte Hochdruckgebiet unterliegt dem im Frühjahr typischen Trend zu Retrogression während die mittelatlantische Trogachse unter weiterer Verengung eine zyklonale Drehung einschlägt. Nach einem Abtropfvorgang verbleibt über dem zentralen und östlichen Nordatlantik gemäß GFS 06 z somit ein eher zonal ausgerichtetes zyklonales System. Während der zweiten Wochenhälfte und gegen Wochenende erfolgt eine weitere Drehung entgegen dem Uhrzeigersinn, der antizyklonale Schwerpunkt jetzt bei Island und der Dänemarkstraße. Mitteleuropa verbleibt derweil im Bereich einer schwachen von Frankreich bis Polen reichenden Tiefdruckrinne mit Transformation der subpolarer Meeresluft durch diabatischen Wärmegewinn zu xP und besonders im Süden Deutschlands höheren Tx.

Ab Wochenende und zu Beginn der neuen Wochen beherrscht, man vergleiche daher die Ausführung im letzten Abschnitt, ein abgeschlossenes zyklonales Zentrum den mittleren Nordatlantik. Kräftige WA an seiner Ostflanke führt zu einer Verbindung des Subtropenhochs mit dem Islandhoch, freilich geht die Verbindung mit so ungleichen Partnern alsbald wieder verloren zumal das Atlantiktief nun seine Fühler bis Portugal ausweitet. Doch wir müssen auch andere weitaus unangenehmere Folgen beklagen: An der Ostflanke einer umfangreichen nun von der Davisstraße über Grönland bis Spitzbergen reichenden Hochdruckzone mit Ausweitungen bis in das Seegebiet nordwestlich Irlands dringt extrem kalte Arktisluft weit südwärts vor und flutet bis Wochenmitte transformiert zu mA das gesame Zentraleuropa mit erbärmlich niedrigen Tx, leichten, in der Mitte Deutschlands gemäß GFS sogar mäßigen Nachtfrösten und Niederschlägen bis in tiefe Lagen als Schnee. Doch des Einen Leid ist des Anderen Freud : So flutet an der Ostflanke des verbliebenen Resttrogs östlich der Azoren in Verbindung mit dem arktischen Resttrog über dem Norden bis in die Mitte Europas tropische Heißluft aus den Marghrebländern den südlichen Mittelmeeraum bis in die Ägäis.

Ohne angesichts dieses komplizierten synoptischen Sachverhalts weiter auf Einzelheiten einzugehen beobachten wir bei EZ 00 Z eine ähnliche Entwicklung. Ob sich nach dem hoffentlich letzten Zungenschlag einer Frau Arktis einem gewissen Anschein zufolge nach Mittelfristende ganz zaghaft ein Übergang zu einer zonalen Zirkulation mit deutlich wärmeren Aussichten vorbereitet, muß abgewartet werden.

Ach ja, der sogenannte Wonnemonat, der Spargel zwar noch etwas preiswerter doch immer wieder unsere garstige Frau Arktis die mit ihre kalten Zunge den Geschmack der Maibowle testen möchte. Man komme uns nun bitte nicht auch noch mit den sogenannten „Eisheiligen“, diese verbleiben ja immer noch hartnäckig nicht nur in unserer meteorologischen Medien- und Märchenwelt. Auch die „Kalte Sophie“ wird da wohl nicht fehlen. Doch im sprachlichen Duktus eines gewissen Regierungsclowns jenseits des großen Wassers alles nur „Fake News“.

Gruß Sigward



Thema Klicks geschrieben von Datum/Zeit
  Ach komm lieber Mai und mache .... 1583 Sigward 01.05.17 17:16
  Sehr schöner Beitrag mit netten ironischen Seitenhieben... 637 Badner Land 01.05.17 22:52


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