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Und drückt der Kummer noch so sehr .....
geschrieben von: Sigward (IP-Adresse bekannt)
Datum: 23. April 2017 16:25

moin

...... kommt irgendwo ein Lichtlein her. Doch Vorsicht, vielleicht auch nur ein flüchtiges Glühwürmchen in milder Juninacht oder gar jenes Irrlicht welches den nächtlichen Moorwanderer ins Verderben führen möchte; vielleicht aber auch nur eine Metamorphose als Umwandlungsprozeß eines Objekts in einen neuen viel schöneren Zustand, bereits bei kurz- bis mittelfristigen synoptischen Modellsimulationen gar nicht so selten ( leider natürlich auch vice versa). Ei, schaun wir mal.

Am Montag zeigt sich zumindest im Süden ein klitzekleines Lichtlein, doch danach sollte der Moorwanderer schleunigst wieder in seine hoffentlich warme Hütte zurückkehren : An der Rückseite eines Tiefs über Südschweden dringt Maritime Arktikluft weit nach Süden vor, vorderseitig des korrespondierenden Höhentroges erreicht ganz kurzfristig Warmluft aus dem westlichen Mittelmeeraum den Süden und allenfalls noch die Mitte Deutschlands, das war`s denn auch schon. An der Ostflanke eines anfangs bis zur Grönlandsee reichenden mitteltroposphärischen Hochdruckrückens dringt die maritime Arktikluft mA nun in breitem Strom bis zur Iberischen Halbinsel vor und verursacht bei uns bis zur Wochenmitte einen rasanten Temperatursturz von fast 10 k .

Etwa bis Wochenmitte hat sich über dem Seegebiet südöstlich Neufundland ein neues mitteltropospärisch sehr warmes antizyklonales Zentrum entwickelt und gliedert den vorgelagerten jetzt deutlich schwächeren Rücken ein, schließlich entsteht somit eine zonal ausgerichtete Hochdruchzone über den gesamten Nordatlantik etwa von den Bermudas bis zur Biskaya und schmälert gleichzeitig den vorgelagerten Höhentrog. Dieser bleibt jedoch für West- und Zentraleuropa weiterhin mit hochreichender maritimer Arktikluft und mit für die Jahreszeit extrem niedrigen Tageshöchsttemperaturen und Nachtfrösten wetterbesimmend. Südlich der atlantischen Hochdruckachse verteidigt zwischen den Azoren und Madeira ein altes abgetropftes Tiefdrucksystem seine Position. Indessen entwickelt sich am Samstag im linken Auszug eines kräftigen von der südlichen Davisstraße bis südwestlich Island reichenden Frontalzonenjets (bis 160 kt im Level 300 hPa) über der Dänemarkstraße ein für die Jahreszeit ungewöhnlich starkes Sturmtief von unter 965 hPa , wahrscheinlich noch zusätzlich gefördert durch die Leewirkung des Grönlandmassivs. Derweil bleibt der sich weiter verengende bis Italien reichende Höhentrog für Mitteleuropa wetterbestimmend, die maritime Arktikluft mA mutiert dabei durch diabatischen Wärmegewinn zu xP.

Über dem nördlichen Fennoskandien entsteht inzwischen ein bislang nur in der unteren Troposphäre entwickeltes Hochdruckgebiet mit Zentrum über der Halbinel Kola, der europäische Höhentrog degeneriert (alles gemäß GFS 06 z) ab nächstfolgendem Wochenbeginn zu einem Schmalen Wurmfortsatz und tropft schließlich über der Balkanhalbinsel ab. Inzwischen jedoch, gestützt durch massive WA an der Ostflanke eines neuen Höhentrogs über dem westlichen Nordatlantik, hat sich aus der im dritten Absatz erwähnten zonalen Hochdruckzone eine seperate Zelle abgekalbt die sich bis Mittelfristende zu einem mitteltroposphärisch sehr warmen und beherrschenden antizyklonalen Zentrum nördlich Schottland entwickelt. Somit wird die Tendenz zu meridioal gepräger Zirkulation erneut gestützt wobei Zentraleuropa an der Ostflanke der Hochdruckzone im Bereich nunmehr erwärmter Polarluft xP verbleibt, die Tageshöchsttemperaturen erreichen dabei kaum oder nur sehr knapp die jahreszeitlichen Normalwerte und ein neuer Vorstoß maritimer Arktikluft ist bereits vorprogrammiert.

EZ 00 z zunächst kaum Änderung gegen über GFS 06 z . Doch unvermittelt zu Beginn des „Wonnemonats“ gestützt durch WA an der Ostflanke eines komplexen Tiefdrucksystems über dem zentralen Nordatlantik der Aufbau einer Hochdruckzone vom subtropischen Nordatlantik bis Westrußland wobei der warme antizyklonale Schwerpunkt im Niveau 500 hPa nunmehr von Südengland bis in den Biskayagolf reicht. Doch damit in Mitteleuropa wohl immer noch nicht der „Frühling aller Orten“.

Meridionale Zirkulation also, leider oder glücklicher weise auch eine notwendige Einrichtung der Atmosphäre, sie dominiert auch besonders grade in ihrer negativen Form gern die Frühlingsmonate April und Mai. Ohne ihren notwendigen Wärmeschub und Kälteabfluß würde sich die schneebedeckte Arktis allein durch diabatische Prozesse sehr viel langsamer erwärmen was letztendlich möglicher weise auch negative Folgen für unseren normalen sommerlichen Zirkulationsmodus hätte ( nämlich geringere zonale Zirkulation, Stärkung und Nordverlagerung des subtropischen Hochdruckgürtels). Pech für Mitteleuropa also im April 2017 und Glück u.a. für herrliche Aprilwärme etwa zwischen 1946 und 1952 und vielleicht doch noch für den künftigen Mai ? Doch was heißt schon Glück ? „Glück hat wer kein Unglück hat“ behauptete einst der pessimistische Arthur Schoppenhauer.

Gruß Sigward



Thema Klicks geschrieben von Datum/Zeit
  Und drückt der Kummer noch so sehr ..... 2990 Sigward 23.04.17 16:25
  Schmunzeln Danke. (oT) 362 Jürgen (Holzminden, 90m) 23.04.17 22:27
  Re: Und drückt der Kummer noch so sehr ..... 911 Sigward 24.04.17 10:55
  dankeschön , und der Vertipper ist schon richtig 874 Martin-Rügen-Göhren 24.04.17 11:30
  Vielen Dank für den synoptisch-poetischen Hochgenuß! 568 Kaltlufttropfen (80 km sö v Berlin) 26.04.17 22:52


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