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(KF) Synoptik: Schneetief am Samstag
geschrieben von: Anonymer Teilnehmer (IP-Adresse bekannt)
Datum: 26. Dezember 2014 00:08

Die Großwetterlage wird aktuell von einem mächtigen Langwellentrog über Grönland bis Westrussland bestimmt, der auch das Wetter über Mitteleuropa nachhaltig beeinflusst. Strömaufwärts wird der Langwellentrog von einem mäßig amplifizierten Rücken flankiert, der bodennah einen antizyklonalen Sektor ausgehend vom Seegebiet zwischen den Azoren und Portugal nach Norden bis über Grönland generiert. Dennoch finden wir einzelne Störungen in der eher antizyklonal dominierten Region der Langwellentrogrückseite.


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Farblich ist auf der Grafik der Jetstream mit seinen Windgeschwindigkeiten in 300hPa koloriert, zusätzlich ist die horizontale Divergenz markiert. Die zentrale Trogachse befindet sich etwa über Deutschland auf der Grafik, allerdings erkennt man zwischen Island und Grönland noch eine sekundäre Trogachse. Zwischen beiden Trogachsen befindet sich ein Jetstreak mit leichter Höhendivergenz im rechten Jeteinzug, also auf der antizyklonalen Seite des Jetstreams. Im Bereich der Höhendivergenz setzt folglich Druckfall ein, hier können wir die Geburt des "Schneetiefs" verfolgen. Mit etwa 1016hPa (nach GFS 18z) erreicht es am Freitag um 12z Irland, um 18z soll es Wales mit einem Kerndruck von 1010hPa (nach GFS 18z) erreichen. Auf seinem Lebensweg werden zwei Dinge von Bedeutung sein: Einerseits intensiviert sich die Randwelle und zum anderen gelangt die Bodenzyklone wie üblich vom rechten Jeteinzug langsam in den linken Jetauszug.


http://fs1.directupload.net/images/141225/vtgd5bum.gif


Im linken Jetauszug sind die Bedingungen "günstiger" für eine rasche Entwicklung, kenntlich an einer Zunahme der Höhendivergenz, die maßgeblich eine Rolle für die weitere Vertiefung der Zyklone spielt. Unter der erwähnten rascheren Vertiefung erreicht die Bodenzyklone nach GFS 18z um 03z am Samstag die französische Küste mit 996hPa. Die weitere Verlagerung verläuft entlang der belgisch - französischen Grenze über Luxemburg in Richtung deutsch - französischer Grenze, wobei der Höhenpunkt an der belgisch - französischen Grenze mit 993hPa nach GFS 18z erreicht wird.

Modellvergleich des Tiefdruckgebiets Samstag 12z:
GFS 18z: Tiefkern über Luxemburg mit 993hPa
GFS 18z-Para: Tiefkern zwischen Luxemburg und dem Saarland mit 992hPa
ECMWF: Tiefkern etwas nördlich Luxemburgs mit 992hPa
UKMO: Tiefkern westlich Luxemburgs mit 994hPa
GEM: Tiefkern auf Höhe Lille mit 991hPa

Der Tiefkern wird von dem meisten Modellen in der Luxemburgs zum Termin Sa 12z mit einem Kerndruck um 993hPa simuliert. GFS-P simuliert die östlichste Zugbahn (leicht östlich Luxemburgs) und UKMO die westlichste Zugbahn (leicht westlich Luxemburgs). In der zeitlichen Darstellung weicht GEM am stärksten ab und verzögert das Tief deutlich. Insgesamt wird der räumliche und zeitliche Ablauf für einen Abtropfprozess ziemlich einheitlich simuliert, die Zugbahn mit großer Mehrheit entlang der belgisch - französischen Grenze nach Luxemburg.



Vor der detallierte Ablauf des Events erläutert wird, möchte ich ein paar Worte über die Vorgeschichte verlieren. Uns erreicht aktuell aus Skandinavien ein Schwall Kaltluft, der über Dänemark vor allem die Osthälfte Deutschlands streift. Die Kaltluft erreicht 850hPa Temperaturen von bis zu 11°C in der Lausitz und Taupunkte von bis zu -5°C (nach GFS 18z) Freitagmittags zwischen Hamburg und Dresden. Bis zum Tageswechsel zum Samstag wird die Kaltluft über eine schwache Westkomponente etwas nach Osten verdrängt, zum Tageswechsel drehen die Winde auf Südost, womit die Kaltluft wieder Raum nach Westen gewinnen wird.


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Vor einsetzen der Niederschläge befindet sich eine Luftmassengrenze etwa wie eingezeichnet in der Grafik. Östlich befindet sich skandinavische Kaltluft mit klar negativen Taupunkten (TP aktuell über Norddeutschland bis zu -6°C), westlich befindet sich die gealterte, maritime Polarluft, die bereits heute am Donnerstag über dem Land (TP zwischen 2 und -2°C). Nun neigt GFS bekanntlich dazu, die Strahlungsabkühlung bei einer maritimer Luftmassen zu übertreiben und die Auskühlung bei einer kontinentalen Luftmasse nicht ausreichend deutlich zu simulieren. Entsprechend ist es fraglich, ob die alte maritime Luftmasse bei einsetzender Niederschlagsphase in den milden Tieflandregionen eine Niederschlagsphase durchgehend in der festen Phase erlaubt.


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In den frühen Morgenstunden am Samstag erreicht Deutschland die Front der Bodenzyklone als ansehnliche Okklusion, wobei der Warmsektor schon deutlich abgehoben ist und keine neue Luftmasse bodennah advehiert wird. Die Front liegt deutlich geneigt als Warmfrontokklusion vor, entsprechend bildet sich in Folge Warmluftaufgleitens in der Höhe ein breites Niederschlagsgebiet. An "vorderster Front" bildet sich nur leichte Niederschlagssignale, im Bereich der Front selbst (siehe auch am "Windsprung") sind die stärksten Niederschläge zu erwarten.


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Das Niederschlagsband selbst wird von den Modellen recht einheitlich im räumlichen und zeitlichen Ablauf simuliert, wobei das gesamte System zwischen den Extremlösungen um etwa 100km nach Westen und 50km nach Osten (ausgehend von GFS 18z) variiert. Fraglich ist wie schon erwähnt, in welcher Phase die Niederschläge im äußersten Westen fallen, denn hier fällt der Niederschlag noch nicht in die kältere Luftmasse aus Skandinavien. Dennoch simulieren viele Modelle den Niederschlag in der festen Phase, man sollte in dieser Region vor allem nassen Schneefall im Tiefland rechnen. Im Verlauf rechnen einige Modelle einen Anstieg der Taupunkte im Saarland bis zum Oberrheingraben und teilweise dem westlichen RMG, womit die Niederschlagsphase speziell am Mittag kurzzeitig wieder in die flüssige Form wechseln könnte.


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Positive Taupunkte finden wir nach GFS 18z am Oberreingraben und dem Saarland, hier ist eine flüssige Niederschlagsphase nach dieser Simulation zu erwarten, die je nach Modelllösung einige km nach SW und NO variiert. Die Kaltluft arbeitet sich gleichzeitig unter einem lebhaften Ostwind weiter nach Westen vor und erreicht die Höhe Hessens am Mittag, die -5°C Isodrosothermen liegt auf Höhe von Niedersachsen bis Thüringen. An der vordersten Kante des Niederschlagsgebiet in einem Streifen von Hessen nach Westbayern fällt der Niederschlag als Pulverschnee, was in Verbindung mit dem angesprochenen kräftigen Ostwind zu starken Schneeverwehungen führen wird. Je westlicher im Niederschlagsgebiet, desto nasser fällt der Schnee, aber gleichzeitig nehmen auch die akkumulierten Niederschlagsmengen zu.

Modellvergleich der akkumulierten Niederschlagsmengen zwischen GFS und ECMWF:


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(c) wetteronline. Karten unter Premium-Mitgliedschaft verfügbar.


Beide Modelle haben sich in räumlichen Verteilung, sowie den Niederschlagsmengen angenähert und simulieren die Lage auf einige Dekakilometer ziemlich ähnlich. Der meiste Niederschlag fällt über der Kölner Bucht, dem Saarland und dem Schwarzwald. Die Niederschlagsmenge nimmt nach Nordosten ab, das Niederschlagsgebiet erreicht maximal etwa eine Linie Nordhessen - Südthüringen - Nordostbayern. Auch der hier nicht aufgeführte GFS-P stützt diese Möglichkeit.



Kurzfassung
: Am Samstag erreicht uns von Westen ein Niederschlagsgebiet im Rahmen eines Abtropfprozesses. Der Niederschlag fällt überwiegend in der festen Phase und kann im äußersten Südwesten und Westen auch kurzzeitig im Tiefland in der flüssigen Phase fallen, weiter im Landesinneren fällt Pulverschnee. Bei kräftigen Nordostwind sind Schneeverwehungen zu erwarten, die Verkehrslage wird aller Voraussicht ziemlich "heikel" werden. Anschließend fließt deutlich kältere Luft ein.


Viele Grüße,
Mike Rosin



Thema Klicks geschrieben von Datum/Zeit
  (KF) Synoptik: Schneetief am Samstag 10467 Anonymer Teilnehmer 26.12.14 00:08
  klasse Übersicht, vielen Dank für die Mühe, auch nicht zu verachten 1186 Florian aus Groß-Rohrheim (südhessisc 26.12.14 00:23
  Re: klasse Übersicht, vielen Dank für die Mühe, auch nicht zu verachten 1326 Anonymer Teilnehmer 26.12.14 00:32
  Danke Mike, toller Bericht! 834 Anonymer Teilnehmer 26.12.14 00:44
  Ist die Bergstraße dann auch eher Lee oder der Effekt eher weniger meßbar? (oT) 443 Crizz 26.12.14 02:33
  da ich mal an der Westseite gewohnt habe der Bergstraße 565 Florian aus Groß-Rohrheim (südhessisc 26.12.14 09:40
  Danke für die ausführliche synoptische Darstellung der kommenden Wetterlage (oT) 674 Schneehase (Fürth/Odw. 220m ü. NN.) 26.12.14 00:27
  Danke für die Analyse! 657 huberle (Berlin Schöneberg, 50m) 26.12.14 03:04
  Vielen Dank, Mike! (oT) 383 mosl, Ostallgäu, 758m 26.12.14 07:08
  Danke für die tolle Übersicht! 697 Renninger (425m) 26.12.14 08:07
  ja, es wird auch nass bei uns in der Gegend 538 Ewald (Leonberg bei Stuttgart) 26.12.14 12:52
  Ich hab noch etwas mehr Hoffnung 417 Renninger (425m) 26.12.14 13:20
  Danke für die Karte Ewald....wird für unsere Ecke schon knapp.. (oT) 247 Spingo 26.12.14 13:54
  Entscheidend wird wohl auch die Windrichtung sein.... 373 Toni Fano Neckartenzlingen 292m 26.12.14 14:15
  Vielen Dank für die nächtliche Mühe! Die Schneesummenkarte 0z zeigt schön die Leeefffekte 1295 Stefan - Vallendar 26.12.14 08:38
  Ich bin ab heute Abend im nördlichen Hunsrück auf etwa 400 m ü NN.Da dürften auch 20 cm zusammen kommen.Auch mit Lee Efekt (oT) 351 Wetterbeobachter LM 26.12.14 11:55
  Danke für die ausführliche Beschreibung! 834 Taurius 26.12.14 09:07
  genau - es könnte sehr knappt z.b. für die Bereiche direkt am Rhein werden - 1063 Stefan - Vallendar 26.12.14 09:33
  Verlauf etwas südwestlicher? 1102 Taurius 26.12.14 10:03
  die Frage ist ob das Diagramm die Niederschlagskühlung mit berücksichtigt. 942 Florian aus Groß-Rohrheim (südhessisc 26.12.14 10:08
  Unterhalb von 300m wird es in RLP ohnehin knapp werden... 814 L.Becker 26.12.14 11:36
  Wohl wieder ziemlich schwierige Lage für den südlichen Westerwald 419 Frank (südlicher Westerwald 310m NN) 26.12.14 15:24
  Vielen Dank für deinen interessanten Beitrag! (oT) 419 tristan 26.12.14 10:14
  Danke. Schöne Übersicht. (oT) 418 Leo 26.12.14 10:21
  Daumen hoch Vielen Dank für den synoptischen Hochgenuß! Ein echtes Weihnachtsgeschenk! (oT) 383 Kaltlufttropfen (80 km sö v Berlin) 26.12.14 12:26
  Danke Mike, sehr schön. Saarland scheint gut dabei zu sein... (oT) 306 ranger36 26.12.14 13:56
  Daumen hoch Danke für die Klasse übersicht, ich bitte um ein 12z update (oT) 427 Anonymer Teilnehmer 26.12.14 14:34
  Bisher hat sich nur wenig am Ablauf geändert 1042 Anonymer Teilnehmer 26.12.14 15:29
  Wie viele Kilometer Leeeffekt wird der Taunuskamm denn für den Hintertaunus haben? Und wo in etwa fängt andererseits der Staueffekt von Sauerland und Westerwald an? 839 Mark Schäfer 26.12.14 15:45
  (KF) Re: Synoptik: Schneetief am Samstag 1572 snowfall 26.12.14 15:42


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