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Verifikation meiner Prognose für den Winter 2014/2015
geschrieben von: Asaad Chneker (IP-Adresse bekannt)
Datum: 10. Februar 2015 22:10

Gut, der Winter ist noch nicht ganz vorbei, aber eigentlich hätte ich mit der Verifikation schon vor 10 Tagen beginnen können, da klar war/ist, wohin die Reise geht.

Zum Wichtigsten zuerst: Ich bin von einem Winter ausgegangen der mit einer Temperatuabweichung von 0K bis -1K bezogen auf die Referenzperiode von 1961-1990 abschließt. Ein kalter bis normaler Winter wurde also prognostiziert. Dies wird mit großem Abstand nicht erreicht werden, da der Winter ausgesprochen mild abschließen wird. Wie mild genau, kann heute noch nicht gesagt werden, aber meine Prognose ist so oder so als Fehlprognose einzustufen.
Ja wie konnte es dazu kommen, hatte doch die überwiegende Anzahl der Faktoren eher auf einen kalten Winter hingedeutet?

Ich versuche in diesem Thread euch meine Gedanken zu der Sache darzulegen, indem ich auf jeden Faktor, der in meine Winterprognose einfloß, separat eingehe.

Hier nochmal eine Übersicht der Faktoren:

Atlantische Multidekaden Oszillation (AMO)
ENSO (Studie von Graf/Zanchettin)
Sibirische Schneedecke (Studie von Judah Cohen)
Sonnenfleckenzyklus
OPI


AMO:

Ich hatte in einem Beitrag von mir AMO bereits darauf aufmerksam gemacht, dass in einer AMO-Warmphase statistisch mehr kalte Winter vorhanden sind, als in einer AMO-Kaltphase. Da wir uns aktuell in einer AMO-Warmphase befinden, ist grundsätzlich häufiger mit kalten Wintern zu rechnen, als in einer AMO-Kaltphase. Dies könnt ihr in dem Beitrag auch noch einmal überprüfen. In Bezug auf die Lage in diesem warmen AMO-Zyklus hinken wir allerdings mit der Anzahl der Kaltwinter bisher den anderen warmen AMO-Phase deutlich hinterher, was mich dazu veranlasst hat eher von einem Kaltwinter auszugehen anstatt von einem Mildwinter. Ich hatte auch angemerkt, dass das Problem bei dieser Oszillation natürlich zum Einen die enorme Phasenlänge von 30-35 Jahren und zum Anderen der recht "späte" Beginn der Aufzeichnungen im Jahre 1856 ist. Dadurch wird es schwierig, noch in unserer Lebzeit eine große Anzahl von Fällen zu bekommen, die einigermaßen verlässliche Ergebnisse liefert.

Auf 3 Dinge haben mich einige User damals aufmerksam gemacht:

1. Klimaerwärmung könnte die Effekte der AMO überlagern
--> Das kann natürlich sein, aber wie soll man das bitteschön anhand von ein bis zwei Jahren überprüfen? Bis das überprüfbar, ist vergehen noch einige Jahre...

2. Die AMO ist eher im Vergleich mit ihrem Gegenpart der PDO relevant, aber nicht für sich alleine betrachtet.
-->Auch das kann gut sein und man hört ja immer wieder, dass eine kalte PDO im Zusammenspiel mit einer warmen AMO die "Ära der Kaltwinter" sein soll. Ich werde das insofern überprüfen als das ich die gleiche Tabelle für die PDO erstelle und anschließend beide Zyklen gegenüberstelle. Bei der nächsten Winterprognose wird das also wieder ein Thema für mich/ von mir sein.

3. Das aktuelle Jahr (also damals 2014) ist eher ein kaltes AMO-Jahr und die PDO in 2014 ist eher warm.
--> Das stimmt, aber aus meiner Statistik geht hervor, dass es weniger der positive/negative Jahresindex ist welcher zählt, sondern die Phase ausschlaggebender ist, da positive und negative Jahresindizes sowohl warme oder kalte Winter bedingen können. In welche Phase diese fallen, lässt uns allerdings Wahrscheinlichkeiten dafür abschätzen ob der Winter kalt oder mild wird.

Trotzdem ist mir etwas Interessantes aufgefallen. Seit 2 Jahren haben wir durchgängig sehr hohe SST's im Golf von Alaska. Diese stehen für das Ostpazifikhoch welches den "Endlos-Trog"- Nordamerika über die letzten 2 Jahre gebildet hat. Mal sehen wie lange noch. Dies wird nämlich auch im kommenden Winter entscheidend sein, da offenbar keine Blockade auf dem Atlantik den gewaltigen Tiefs standhalten kann, die durch die Kaltluftadvektion bis teils in die Südstaaten der USA entstehen. Ich hatte ursprünglich gedacht nun ja "Blockade ist Blockade", aber keine Blockade konnte sich in den letzten zwei Wintern wirklich bei uns Einnisten, da die Zyklogenese vor Neufundland viel zu stark war. Bei den folgenden Grafiken möchte ich euer Augenmerk auf den Golf von Alaska lenken.

http://www.ospo.noaa.gov/data/sst/anomaly/2013/anomnight.12.2.2013.gif

Beginn des Auftretens hoher SST's im Golf von Alaska.

http://www.ospo.noaa.gov/data/sst/anomaly/2014/anomnight.6.2.2014.gif

Jahreszeitliche Intensivierung aufgrund der Sonneneinstrahlung im Sommer.

http://www.ospo.noaa.gov/data/sst/anomaly/2014/anomnight.12.1.2014.gif

Jahreszeitliche Abschwächung aufgrund der Sonneneinstrahlung im Winter.

http://www.ospo.noaa.gov/data/sst/anomaly/2015/anomnight.2.9.2015.gif

Aktueller Stand. Weiterhin recht hohe SST's. Jahreszeitliche Intensivierung möglich.


ENSO:

Damit hat es angefangen. Das erste was ich 2014 für die Prognose des Winters 2014/2015 berücksichtigte. Die Studie anhand derer ich zu dem Schluss gekommen bin, dass das El Nino-Phänomen auch Auswirkungen auf unsere Winter hat. Wichtigster Punkt: es gibt zwei Arten von El Ninos, die in ihrer Wirkung bezogen auf den Winter unterschiedlich sind. Hier mein Beitrag dazu: El Nino Unterscheidung

Es ist wie vorausgesagt ein CP-El Nino geworden, allerdings so schwach, dass er als borderline el nino vom BOM bezeichnet wurde. Momentan eher wieder leicht positive Anomalie, die aber nicht mehr für eine El Nino-Klassifizierung reicht. War der El Nino zu schwach? Kam er zu spät und wirkte sich daher wenn überhaupt erst verspätet aus? Ich würde sagen ja, es scheint wohl eine Mischung aus Beidem gewesen sein. Die Schwächung des Polarwirbels ist im Spätwinter (Februar) nicht in dem Maß eingetreten wie zunächst gedacht und wie uns die Modelle mehrmals auftischen wollten. Dennoch haben wir die Wirkung des El Ninos vielleicht sogar in Kombination mit dem rasanten Schneedeckenwachstum über Sibirien zum Teil erleben können. Darauf möchte ich unter dem Punkt "Sibirische Schneedecke" eingehen. Letztlich muss man sagen, dass aber auch nicht jeder CP-El Nino zu kalten Wintern in der Vergangenheit geführt hat, sondern "lediglich" 71% der CP-El Ninos einen kalten Winter mit sich brachten:

http://up.picr.de/19073981ka.png

http://up.picr.de/19073982ez.png


Sibirische Schneedecke:

Die Studie von Judah Cohen

"Eurasian Snow Cover Variability and Links with Stratosphere-Troposphere
Coupling and Their Potential Use in Seasonal to Decadal Climate Predictions"


war einer der letzten Anhaltspunkte für mich für diesen Winter und so schaute ich gespannt auf die Entwicklung in Sibirien. Eine frühe, großflächige, überdurchschnittliche Schneebedeckung in Sibirien, sollte demzufolge eine schnellere und stärkere Auskühlung des asiatischen Kontinents bewirken und somit das Asienhoch verstärken. Gleichzeitig bedeutet eine große Schneefläche höhere Albedo was zur Abstrahlung der am Boden noch vorhanden Wärme in die Stratosphäre und darüber hinaus in alle anderen Athmosphärenschichten bis ins All führt. Der Wärmetransport vom Boden in die Stratosphäre sollte demnach den Polarwirbel schwächen und letztlich einen Zusammenbruch dessen im Laufe des Januars bewirken.

--> Man konnte sehr schön erkennen, wie dieses Jahr die Schneedecke in Rekordschnelle im Oktober angewachsen ist und die zweithöchste Fläche erreichte, die je aufgezeichnet worden ist

http://up.picr.de/20956531fu.png

Alleine deswegen musste man schon annehmen, dass der Winter eher ein kalter Geselle werden würde. Wir haben in diesem Winter erstaunlich viele und starke Minor Warmings gesehen (vielleicht auch durch das Zusammenspiel El Nino/Snow Cover?). Mindestens eins davon wäre fast ein Major Warming geworden, nur um dann doch knapp daran zu scheitern. Auf die Warmings folgten aber kurze Blockadelagen , sodass es zumindest winterlicher wurde als letztes Jahr. Auch muss man fairerweise sagen, dass der zeitliche Ablauf im Winter von winterlichen und nicht-winterlichen Phasen von Cohen richtig eingeschätzt wurde. Die winterlichen Phasen waren nur in ihrer Intensität und Dauer unterhalb dessen, was seine Studie uns vorgibt. Er hatte den Vorgeschmack auf den kalten Winter im Dezember erwähnt ehe im Januar die Schwächung des PW's in der Stratosphäre Auswirkungen auch in der Troposphäre zeigen sollte um dann im Februar zu einer blockierten Zirkulation überzugehen. Die Studie war vielleicht die hoffnungsvollste, wenn man kalte Winter mag und ich halte sie auch weiterhin für in sich schlüssig, weshalb ich sie nicht über Bord werfen werde. Gleichzeitig werde ich sie aber auch nicht mehr als Allheilsmittel ansehen, sondern ihr einen Platz unter Vielen geben.

Sonnenfleckenzyklus

Der aktuelle Sonnenfleckenzyklus 24 ist der schwächste seit dem Zyklus 14 der im Jahr 1906 sein Maximum hatte. Also der schwächste Zyklus seit mehr als 100 Jahren - trotz Doppelspitzenmaximum!
Im Winter 2013/2014 waren wir gerade im zweiten Maximum drin und bis auf krasse Ausnahmenfälle wie 1978/1979, 1928/1929 oder 1829/1830 ist das nie eine Position im Zyklus gewesen, die wirklich ganz große Kälte im europäischen Winter ermöglicht. Dennoch musste man auch damals sagen, dass das Maximum verglichen mit vorherigen Maxima relativ mau daherkam und deshalb jede Position in einem solchen Zyklus zu relativieren ist m.M.n. Bereits im Winter 2012/2013, kurz nach dem ersten Maximum, kam es immerhin zu einem normalen Winter, was 2001/2002 nicht der Fall war. Den generellen Unterschied zum vorherigen Zyklus sehen wir in diesem Bild sehr deutlich:

http://solarscience.msfc.nasa.gov/images/ssn_predict_l.gif

Ich denke der Zyklus 24 ähnelt dem Zyklus 5, dem zu Beginn des Dalton Minimums und wir sind nah an der Position im Zyklus vom Winter 1804/1805 dran. Nun viel fehlt nicht und ich bin gespannt was die NASA bald für eine erste Prognose für den Sonnenfleckenzyklus 25 abgeben wird und ob sie das "New Dalton Minimum" tatsächlich ausruft. Die Sonne spricht langfristig gesehen ganz klar für eine Reihe kälterer Winter in Europa, sofern unsere statistischen Aufzeichnungen bis ins frühe 17.Jh. stimmen. Da ändert auch dieser Mildwinter nichts dran.

OPI:

Die größte Enttäuschung von allen!! Ich hätte nie gedacht, dass ein Index, der eine solch hohe positive Korrelation zum AO-Index aufweißt, dann komplett in diesem Jahr versagt hat. Ich hatte ja die Berechnung der Korrelation sogar einmal von Hand vorgenommen um zu zeigen, dass auf Basis der Daten tatsächlich eine enorm hohe Konzentration von ungefähr 85,62% besteht.

Hier der Beitrag dazu: OPI-Berechnung

Man könnte ja noch sagen, dass es ein statistischer Ausreißer ist bei der geringen Menge von Jahren, aber so recht will ich nicht dran glauben bei einem OPI von -2,17 und dieser tatsächlichen Entwicklung:

http://up.picr.de/20956871dv.png

Dem OPI schenke ich keine Beachtung mehr.

Ja ich hoffe ich konnte euch meine Einschätzungen gut vermitteln und let the discussions begin Schmunzeln

Gruß
Asaad



Thema Klicks geschrieben von Datum/Zeit
  Verifikation meiner Prognose für den Winter 2014/2015 3527 Asaad Chneker 10.02.15 22:10
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  Re: Nur ca. jeder 3. Winter schafft noch ein Minus zu 1961-90 603 Asaad Chneker 15.02.15 22:03
  Ein Winter wie 1708/09 oder 1739/40 würde selbst wenn man 2K draufschlägt wegen der Klimaerwärmung wohl immer noch kälter sein als 1962/63. (oT) 674 Thomas 16.02.15 06:56
  Ja, auch ein Februar mit -8 K (zu 1961-90) ist noch möglich 621 Badischer Reisbauer 18.02.15 08:54
  Re: Ja, auch ein Februar mit -8 K (zu 1961-90) ist noch möglich 1121 Jürgen (Holzminden, 90m) 18.02.15 11:01


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