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Verifikation meiner Dezemberprognose (Mike R.)
geschrieben von: Anonymer Teilnehmer (IP-Adresse bekannt)
Datum: 02. Januar 2013 22:51

Guten Abend,

auch ich möchte kurz ein Zwischenfazit zu meiner Dezemberprognose ziehen. Dabei möchte ich die Verifikation in zwei Teile einteilen.


1.Teil: Global prognostizierten Druckabweichungen


Meine Idee in diesem Jahr war es, die Zentren dominanter Druckanomalien (nordhemisphärisch) anhand von "Indizien" ausfindig zu machen und im Anschluss eine Aussage in Bezug auf Mitteleuropa abzuleiten.


Prognostizierte Abweichung:

http://s1.directupload.net/images/121011/4fml2xnu.png
[www.wzforum.de]

Zitat:
Der Dezember scheint insgesamt dem Bild einer negativen AO und NAO zu entsprechen. Zu dieser Zeit ist bereits von einem deformierten Polarwirbel auszugehen, einen Split wage ich allerdings noch zu bezweifeln. Insgesamt deuten sich drei große subpolare Hochdruckgebiete über den Beringmeer, Nordrussland und Grönland an. Im Einzelnen sind Signale für Hochdruck über dem Beringmeer in der Wassertemperaturverteilung des tropischen Nordatlantiks (TNA 0,3 Korrelation; AMM 0,3-0,4 Korrelation), dem Pazifik (PDO 0,3-0,4 Korrelation), teils dem Globally Integrated Angular Momentum Index (0,2 - 0,3 Korrelation), sowie der Untersuchung zur Stratosphäre (+5hPa) und der Untersuchung zur Schnee- Eisbedeckung im Vorverlauf (+6 bis 8hPa) zu finden. Einen signifikanten Einfluss scheint auch die AAO auszuüben mit 0,4-0,5 Korrelation, derzeit scheint der Wert im Oktober eher gegen positiv zu tendieren. In Bezug auf Hochdruck über Nordrussland sind die Signale etwas schwächer, aber dennoch wahrzunehmen. Die größten Signale sind vor allem bei der QBO-Auswertung (+5hPa) und bei der Schnee- Eisbedeckung zu finden (+4hPa), aber auch AMM-Index (mit 0,2-0,3 Korrelation), wie PDO-Index (mit 0,2-0,3 Korrelation) und Globally Integrated Angular Momentum Index (mit 0,2 bis 0,3 Korrelation) scheinen dies zu begünstigen. Die Gegensignale sind vergleichsweise schwach (PMM mit 0,2- 0,3 Korrelation). Überdurchschnittlicher Hochdruck über Grönland scheint auch recht einheitlich gestützt zu werden, starke Hinweise liefern vor allem die Wassertemperaturanomalien über dem Atlantik (NTA 0,4-0,5 Korrelation, TNA 0,4-0,5 Korrelation), sowie AMM (mit 0,4-0,5 Korrelation), aber auch Untersuchung zur Schnee- und Eisbedeckung (+5hPa), wie zur QBO (+5hPa) und zur Stratosphäre (+2hPa) liefern (deutliche) Signale. Bezüglich der Westdrift des Nordatlantiks auf südlicher Frontalzone sind geteilte Signale zu finden. Für einen hochdrucküberlaufenen Nordatlantik sprechen vor allem die Untersuchung zur Stratosphäre (3hPa) und zur NAO/PNA (+5hPa), wie der Globally Integrated Angular Momentum Index (mit 0,3 Korrelation). Dagegen könnte ein schwacher El Nino (mit -0,3 Korrelation), wie auch die tropischen SST-Indizes (mit etwa 0,3-0,4 Korrelation) sprechen. Generell scheint über dem Bereich südlicher Nordatlantik bis Mittelmeer eher Tiefdruck begünstigt zu werden (siehe tropische SST-Indizes mit starker Korrelation im 0,4-0,5er Bereich), gleiches gilt für den südlichen Nordpazifik (siehe starke Korrelation mit 0,5 bis 0,6 bei PDO und Globally Integrated Angular Momentum Index). Über dem Pazifik in Richtung südwestliche USA könnte sich hingegen leicht überdurchschnittlicher Hochdruck ankündigen (siehe AMO und PDO mit 0,4-0,5 Korrelation und Globally Integrated Angular Momentum Index mit 0,3 Korrelation.


Tatsächliche Abweichung:

http://s1.directupload.net/images/130102/u9f2bwpo.png


Die positive Druckanomalie über Nordrussland findet sich in den Analysekarten sehr deutlich, als markanteste Abweichung wieder. Auch die positive Druckanomalie über dem Beringmeer, welche speziell in den ersten beiden Dekaden stark ausgeprägt war, findet sich in den Analysekarten wieder. Die positive Druckanomalie über Südgrönland findet sich in dieser Form nicht in den Analysekarten wieder, die positive Anomalie erstreckt sich etwas nördlich. Die prognostizierte negative Anomalie über dem südlichen Nordatlantik bis ins Mittelmeer findet sich etwas weiter nördlich, etwa auf Höhe Irland nach Westen. Weitere Anomalien wie die negative Druckanomalie über Ostasien bis zum südlichen Nordpazifik findet sich in schwacher Form auch wieder auf den Analysekarte.

Ich persönlich bin mit dem Ergebnis recht zufrieden, m.M. wurden die groben Anomalien ausreichend erkannt, womit man die mittlere Zirkulation recht gut ermitteln konnte. Probleme gab es vor allem bei der genauen Lage der Anomalien wie der negativen Anomalie über dem Nordatlantik, die sich letztendlich einige 100´te km weiter nördlich findet.







Teil 2: Meine Interpretation bzw. Lokalprognose für Mitteleuropa


Zitat:
Stärkere SSW- Events erwarte ich im Dezember noch nicht, für Mitteleuropa könnte sich der Hochdruck Grönland tendenziell als kühl erweisen. Es ist allerdings nicht sicher, ob der Atlantik nicht doch auf südlicher Frontalzone mittels südlicher Westdrift den Kontinent in Form von Tiefdruckgebieten erreicht. Der Teufel liegt im Detail begraben, aber einen richtig kalten Dezember halte ich für nahezu ausgeschlossen (Hochdruck Grönland könnte eher Trog Westeuropa-Mitteleuropa begünstigen, WS wäre auch nicht sehr kalt), einen deutlich zu milden Dezember sehe ich ebenfalls für recht unwahrscheinlich (starke SWz-Lage nahezu ausgeschlossen). Insgesamt scheint der Dezember eher zu niederschlagsreich und wohl eher durchschnittlich temperiert auszufallen.


Der durchschnittliche Dezember (in der Analyse +0,3K gegenüber dem hier durchgängig verwendeten Temperaturmittel 1980-2010) wurde recht gut erkannt, auch der Witterungscharakter einer überdurchschnittlichen Niederschlagsverteilung kann später auch in den Anaylsekarten dokumentiert werden.

Soweit in Ordnung. Allerdings war ich bei einigen Dinge zu voreilig, z.B. das ich SWz-Lagen ausgeschlossen haben (welche uns die letzten Dezemberwochen versüßt haben). Insgesamt bin ich zu weit ins Detail gegangen, was angesichts der groben Strukturen nicht möglich ist.


Insgesamt lässt sich für mich resümieren. Die Methode war (für mich) mehr oder weniger erfolgreich mit der Prognose der globalen Druckabweichungen, dass alle Abweichungen nicht exakt passen können, erklärt sich von selbst. Bisher habe ich gelernt, dass man nicht soweit ins Detail gehen kann, da kleine Verschiebungen der prognostizierten Abweichungen große Folgen für ein lokales Gebiet haben können (in der Realität). In Zukunft werde ich mit solchen Aussagen also vorsichtiger hantieren und auch die Aussagen gröber und unpräziser formulieren.


In diesem Jahr habe ich sehr viel Zeit investiert, um eine fußfassende Prognose auf wissenschaftlichen Argumenten aufzubauen. Das Resultat stellt mich bisher zufrieden, zumindest in Bezug auf die globalen Druckabweichungen. Allerdings muss ich sagen, dass ich bei manchen Aussagen, vor allem in Bezug auf den mitteleuropäischen Winter (lokal) zu forsch war. Vielleicht möge man es mir verzeihen, es war meine erste Prognose und jetzt auch meine erste Erfahrung. Gleichzeitig habe ich auch zuviel Bauchgefühl walten lassen, z.B. in Bezug auf den "Dezemberverlauf". Ich habe auf Bauchgefühlsbasis damit gerechnet, dass sich die Zirkulation in den ersten beiden Wochen umstellt, dafür gab es keine wissenschaftliche Indizien aus meinen Analysen. Auch in meinen Beiträgen zur Mittelfrist habe ich in dem einen oder anderen Beitrag eine zuschnelle Wertung getroffen und vielleicht nicht ausreichend die andere Seite (mild) beleuchtet.


In Zukunft werde ich versuchen meine Methode der groben Druckabweichungen (Nordhemisphärisch) zu verfeinen und zu verbessern, mich aber gleichzeitig in Bezug auf Mitteleuropa mehr zurückhalten. Auch versuche ich nur noch Aussagen zu treffen, die auf meine Analysen zurück gehen und keine Aussagen aus dem Bauchgefühl treffen. In meinen mittelfristigen Beiträgen werde ich auch versuchen mit mehr Zurückhaltung zu agieren, Behauptungen nur mittels einer ausgereiften Argumentation zu tätigen. Viele Vorsätze, es wird vielleicht schwer fallen alle sofort umzusetzen.

Kein Bahnbrechender Erfolg der Langfrist also, aber für mich zufrieden stellend. Wichtig ist für mich immer, dass man sich argumentativ auf physikalischer Basis auseinander setzt.



Thema Klicks geschrieben von Datum/Zeit
  Verifikation meiner Dezemberprognose (Mike R.) 1280 Anonymer Teilnehmer 02.01.13 22:51
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  Re: Das mit "Bauchgefühl" ist nur eine Ausrede für die Fehlprognose 279 Anonymer Teilnehmer 03.01.13 18:59
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  hallo Mike....Wie denkst du über die Entwicklung ab dem 10.01... 372 David_Hannover 03.01.13 10:43
  Re: Verifikation meiner Dezemberprognose (Mike R.) 498 Atlantikdröhnung 03.01.13 21:34


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