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(AN) Sonnenscheinreicher Mai und der darauf folgende Juli
geschrieben von: Jürgen H. (IP-Adresse bekannt)
Datum: 03. Juni 2012 17:19

So, und nun zu meiner seit Tagen angedrohten statistischen Auswertung der Sonnenscheindauer in den Monaten Mai und Juli und zu der Frage, ob möglicherweise ein erkennbarer statistischer Zusammenhang besteht.Zwinkern

Vorweg ein paar Erläuterungen, zumal es ja vorab schon einige grundsätzliche Zweifel und Einwände gegeben hat.
Zunächst bin ich mir grundsätzlich bewusst darüber, dass sich aus einer Statisktik vergangener Jahre kaum einmal eine Prognose von hoher Güte für die Zukunft erstellen lässt - Stichwort: Die Atmosphäre hält sich nicht an die Vergangenheit. Man kann also allenfalls von erhöhten Wahrscheinlichkeiten sprechen, die sich in einem längeren Zeitraum ausgebildet haben und auch nur für einen längeren Betrachtungszeitraum in der Zukunft eine gewisse Aussagekraft haben können. Eine konkrete Prognose für den Juli 2012 kann und will ich hiermit also nicht abgegben.

Weiterhin besteht Klarheit darüber, dass Mittelwerte eines Monats sowie Gebietsmittel eines Landes auch nicht unbedingt viel über die Verteilung der Werte innerhalb des bzw. der betreffenden Monate sowie innerhalb der verschiedenen Regionen des Landes aussagen. Das haben die Mittelwerte, mit denen in der Meteorologie nunmal wegen der statistischen Vergleichbarkeit gearbeitet wird, aber grundsätzlich so an sich. Und letztlich ist dies auch unter den genannten Voraussetzungen keine wissenschaftliche Arbeit, sondern ein Hobbybeitrag. Gelernte Statistiker hätten vermutlich eine andere Herangehensweise bzw. eine andere Einstufung gewählt, mir geht es aber lediglich um die Frage, ob sich aus den Daten eines Mai evtl. Rückschlüsse über die wahrscheinlichen Daten des folgenden Juli ableiten lassen.

Als nun der Mai 2012 mit einer Sonnenscheinausbeute von vorläufig 117% (bei Bernd Hussing) bzw. 120% (DWD) schloss, stellte sich die Erinnerung an den ebenfalls sonnigen Mai und den darauffolgenden trüben Juli 2011 ein. Sollte es etwa hier einen signifikanteren Zusammenhang geben?

Dazu habe ich mir die Jahre ab 1951 angesehen. Als Quelle wurde die Gebietsmittelreihe des DWD herangezogen, die für den Zeitraum seit 1951 frei zugänglich vorliegt.
Bezugsgröße für die Abweichungen vom Mittel die übliche WMO-Referenzperiode 1961-1990. Das Gebietsmittel in diesem Referenzzeitraum liegt bei 195,6 Sonnenstunden.

Dabei soll es nicht um nur geringe Abweichungen bei den Ausgangsdaten des Mai gehen, da ein Bereich um das Mittel herum innerhalb der üblichen Schwankungen liegt. Ich habe daher (willkürlich, zugegebenermaßen) folgende Einstufungen vorgenommen:

Sonnenscheinreich: >= +15% vom Mittel
Besonders sonnenscheinreich: >= +25% vom Mittel
Sonnenscheinarm = <= 85% vom Mittel
Besonders sonnenscheinarm = <=75% vom Mittel


Bei wetteronline wird z.B. ein Bereich bis 25% Abweichung nach oben und unten als "Normalbereich" eingestuft (hier ist das Mittel 1981-2010 Referenz). Dies ist mir ein zu großer Bereich gewesen, da es dann nur wenige zu untersuchende Fälle gegeben hätte. Ich habe den Wert von 25% aber übernommen, um die zweite Kategorie mit besonders hohen Abweichungen gesondert zu untersuchen.


Der Mai 2012 ist mit vorläufigen 234 Stunden und einer Abweichung vom Mittel von 38,4 Stunden = 19,6% demnach als sonnenscheinreich einzustufen. Daran würde auch eine mögliche leichte Veränderung bei der endgültigen Auswertung nichts ändern.

Dabei ergeben sich folgende Resultate:

Sonnenscheinreiche bzw. besonders sonnenscheinreiche Mai waren:
1953, 1954, 1956, 1959, 1964, 1966, 1976, 1977, 1979, 1980, 1989, 1990, 1992, 1993, 1997, 2000, 2001, 2008, 2009 und 2011.

Es gibt also 20 Vergleichsfälle, wobei sechs in die Kategorie "besonders sonnenscheinreich" fielen und 14 in die Kategorie "sonnenscheinreich".

Nun zu den jeweils darauffolgenden Julimonaten.
In elf Fällen fand sich eine negative Abweichung vom Mittel, in neun Fällen eine positive.

Unter den neun Fällen mit positiver Abweichung lagen vier sehr nah am Mittelwert und wichen nur zwischen 1,1 und 4,4% ab.
Die fünf weitern Fälle sind viermal als sonnenscheinreich (18,0 bis 22,7% Abweichung) und einmal als besonders sonnenscheinreich (30,3%) einzustufen.
Dabei folgten von den vier sonnenscheinreichen Julimonaten zwei auf sonnenscheinreiche Maimonate und zwei auf besonders sonnenscheinreiche Monate; dem besonders sonnenscheinreichen Juli ging ein sonnenscheinreicher Mai voraus (der allerdings mit +24,9 nur minimal das Kriterium besonders sonnnenscheinreich verfehlt hatte).

Unter den elf Fällen mit negativer Abweichung lagen vier sehr nah am Mittelwert (-2,6 bis
-6,4%).
Die sieben weiteren Fälle zeigten Abweichungen, die von -15,4 bis -35,8% reichten. Davon lassen sich vier als sonnenscheinarm einordnen (wobei hiervon zwei mit mehr als -24% Abweichung nur knapp die Einstufung besonders sonnenscheinarm verfehlten) und drei als besonders sonnenscheinarm. Von den vier sonnenscheinarmen folgten dabei drei auf sonnenscheinreiche Maimonate und einer auf einen besonders sonnenscheinreichen Mai;
allen drei besonders sonnenscheinarmen Julimonaten ging ein sonnenscheinreicher Mai voraus.

Differenzierte Auswertung nach den beiden Kategorien sonnenscheinreicher und besonders sonnenscheinreicher Mai:

War der Mai besonders sonnenscheinreich ausgefallen, gibt es sechs Fälle, die allesamt in die Zeit ab 1989 fallen. In diesen Fällen folgten viermal Julimonate mit positiver Abweichung und zwei mit negativer. Signifikant waren dabei drei Fälle, davon zwei sonnenscheinreiche Julimonate und ein sonnenscheinarmer.

Die anderen 14 Fälle hatten einen sonnenscheinreichen Mai als Ausgangsbasis. In neun Fällen fand sich eine negative Abweichung vom Mittel, in fünf Fällen eine positive. Von den neun negativen Fällen waren drei Fälle nicht signifikant (<= 6,4%). Von den restlichen sechs sind jeweils drei als sonnenscheinarm und drei als besonders sonnenscheinarm einzustufen.
Von den fünf positiven Fällen sind zwei als nicht signifikant (<= 2,6%) einzustufen, zwei als sonnenscheinreich und einer als besonders sonnenscheinreich.

Die Werte im Einzelnen:

(Mai) Juli
1953 (+17,9%) + 2,6%
1954 (+16,4%) - 28,9%
1956 (+17,5%) - 4,9%
1959 (+24,9%) +30,3%
1964 (+18,2%) +22,7%
1966 (+17,9%) -19,7%
1976 (+19,4%) +20,3%
1977 (+15,3%) - 2,6%
1979 (+15,6%) -24,2%
1980 (+21,8%) -35,8%
1989 (+52,7%) - 3,3%
1990 (+46,2%) +18,8%
1992 (+37,9%) + 4,4%
1993 (+16,4%) -15,4%
1997 (+15,3%) - 6,4%
2000 (+15,0%) -35,6%
2001 (+37,2%) +18,0%
2008 (+38,0%) + 3,6%
2009 (+15,6%) + 1,1%
2011 (+40,6%) -24,3%


Fazit:
Auf die 20 Maimonate mit mindestens +15% Abweichung von der mittleren Sonnenscheindauer folgten Julimonate mit positiver bzw. negativer Abweichung vom Mittel in nahezu gleicher Verteilung (9:11 bzw. 45%:55%). Hier ist also keine signifikante Auffälligkeit auszumachen.
Allerdings folgten sieben Mal Julimonate, die weniger als 85% Sonnenscheindauer vom Mittel aufwiesen, also in mehr als einem Drittel der Fälle (35%). Davon drei, die auf weniger als 75% vom Mittel kamen (15%). Und immerhin fünf von den sieben lagen unter 76%.
In fünf Fällen, also 20%, folgten Julimonate mit mindestens 115% vom Mittel, davon einer, der über 125% kam.

Betrachtet man die 14 Fälle zählende Gruppe der Maimonate mit einer Abweichung zwsichen 15,0% und 24,9%, zu denen ja auch der aktuelle Mai 2012 zählt, gesondert, so finden sich fünfmal positive Abweichungen (36%), davon zweimal (14%) ein sonnenscheinreicher und einmal ein besonders sonnenscheinreicher (7%) Juli.
In neun Fällen (64%) finden sich negative Abweichungen, darunter sind dreimal (21%) ein sonnenscheinarmer und auch dreimal ein besonders sonnenscheinarmer (21%) Juli.

Somit ist die Wahrscheinlichkeit aus Sicht dieser Statistik erhöht, dass der Juli 2012 eher nicht zu den sonnenscheinreichen Monaten zählen wird. Für einen sonnenscheinreichen Juli sprechen nur 20% der Fälle in der Vergangenheit, für einen besonders sonnenscheinreichen Juli gar nur 5%.
In 45% der Fälle folgte ein Juli, der nicht signifikant vom Mittel abwich (weniger als 15% nach oben und unten). In immerhin 35% folgte ein sonnenscheinarmer oder besonders sonnenscheinarmer Juli (20% bzw. 15%).

Engt man die Gruppe auf die Fälle mit Maimonaten mit einer Abweichung von 15-25% ein, so ändert sich die Wahrscheinlichkeit für einen sonnenscheinreichen Juli nur ganz unwesentlich auf 21%, die Wahrscheinlichkeit für einen Juli ohne signifikante Abweichung sinkt auf 36% und die Wahrscheinlichkeit für einen sonnenscheinarmen Juli steigt auf 43%.

So, nun dürft ihr euch nach Herzenslust drüber hermachen...B)



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  (AN) Sonnenscheinreicher Mai und der darauf folgende Juli 2333 Jürgen H. 03.06.12 17:19
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  Re: Fehlt nur eine meteorologische Begründung der Regel 340 Marcus 05.06.12 21:45
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