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Einige Gedanken über Langfristprognosen
geschrieben von: Sigward (IP-Adresse bekannt)
Datum: 19. August 2007 13:34

moin

Mit Aufmerksamkeit verfolge ich in diesem Forum die Anregungen und Gedanken über Langfristvorhersagen,ihre Methoden und Ergebnisse.Der Verfasser hat sich selbst viele Jahre während seiner Berufszeit und auch noch danach mit diesem Problem befaßt,die Ergebnisse seiner Vorhersagen waren allerdings nur einem internen Kollegenkreis zugänglich.Viele Prognosen waren auch einigermaßen efolgreich,etliche voll daneben. Wer sich nämlich mit dieser Materie beschäftigt, begibt sich bisweilen auf sehr dünnes Eis und wird viele Enttäuschungen erleben.

Der Begründer der Langfristprognosen auf wissenschaftlicher Grundlage war bekanntlich Prof.F.Baur, seine Methode basierte auf die mathematische Lösungen von Mehrfachkorrelationen, auch die Sonnenfleckenrelativzahlen wurden mit einbezogen.Sein Prognosengau erfuhr der Experte ausgerechnet im Kriegswinter 1941/42. Nach 2 kalten bezw. strengen Wintern sollte dieser Winter endlich wieder gelinde ausfallen - den "Führer" hät`s wohl gefreut. Doch folgte damals ein aller klimatologischer Logik widersprechender Strengwinter,bezüglich seiner Kälesumme zusammen mit dem Nachkriegswinter 1946/47 der Viertstrengste des vergangenen Jahrhunderts.Sic gloriam transit.

Nicht immer erfolgreich waren und sind auch die Analogverfahren und Signifkanzmethoden von Röder und Dettmann. Unsere Atmosphäre ich einfach zu kompliziert um sich durch statistische Beziehunge und mathematische Lösunge in die Karten schauen zu lassen und mitunter zerstört auch der berühmte Flügelschlag des Schmetterlings alle Hoffnungen auf Erfolg.Sogar Großrechner werden das Problem wahrscheinlich niemals lösen. Vielleicht auch gut, nicht alles voher zu wissen, der Mensch versuche die Götter nicht.

Es gibt zahlreiche mehr oder minder Erfolg versprechende Methoden und viele nützlich Hinweise, Betrachtungen und Beobachtungen für die Erstellung von Langfristprognosen: Die Korrelationsverfahren und Signifikanzmethoden, die quasi 7.6-jährige Temperaturschwingung, die Erhaltungstendenz (Persistenzmethode), die aufmerksame Verfolgung von Zirkulationsanomalien, etwa die - allmähliche - Dislokation relevanter quasistationärer Zirkulationszentren von ihrer klimatologischen Normalposition ( Islantief, Azorenhoch, subpolare Tiefdruckrinne) und das Verhalten der langen nordhemisphärischen Wellen besonders stromaufwärts, die Nordatlantische Oszillation (NAO), die ENSO, signifikante Temperaturanomalien in entfernten Gegenden Europas- etwa die winterliche Ansammlung extrem kalter Luftmassen im nordöstlichsten Europa, die Berücksichtigung von Vulkanausbrüchen ( nach dem Ausbruch des Tabora 1815 folge "das Jahr ohne Sommer"). Auch Wetterregeln, vielleicht nicht ganz so "sexy" in unserer mathematisierten Welt, aber auf jahrhunderte alte klimatologische Erfahrung beruhend wie "warmer Gilbhardt bringt fürwahr einen kalten Januar" können wertvolle Hinweise geben

Sollten die Ergebnisse verschiedener Methoden in die gleiche Richtung weisen, könnte die Prognose erfolgversprechend sein, treten größere Widersprüche auf, sollte sie besser unterbleiben. Aufgrund meiner Erfahrung hat die Korrelationsmethode für sich allein nicht allzuviel Erfolg beschert.Viel aussagefähiger kann das Verhalten der langen Wellen sein. So baute sich bereits während der 2. Junihälfte über Südosteuropa ein Langwellenrücken auf, und die Mittelkarten für den Hochsommer werden über Ost-und Südosteuropa in der 500 hPa-Fläche einen ausgeprägten Rücken aufweisen, ein guter Hochsommer hatte daher im westlichen Zentraleuropa a priori keine Chancen oder etwas überspitzt formuliert: Wenn im sommerlichen Athen die Etesien schwächeln braucht man in Stuttgart den Regenschirm, wenn in Athen die Etesien fächeln braucht man in Stuttgart den Sonnenschirm.

Mitunter haben wir sogar den Eindruck, die Atmosphäre habe so etwas wie ein auf Ausgleich bedachtes "Gedächtnis". So folgt mitunter auf einen bestimmten extrem warmen Monat im kommenden Jahr oder wenige Jahre später ein gleicher wesentlich zu kalter Monat oder vice versa.Es gibt viele Beispiele auch aus jüngster Zeit: August 2003/2006, Juli 2006/007 Juli 1983/1984 und umgekehrt März 1987/1989, November 1993/1994, Januar 19787/1988. Oder kalte Winter bezw.warme Sommer treten paarweise oder gehäuft auf: Sommer 1994/1995,1982/1983 oder die kalten Winter 1984/85,1985/86,1986/87, 1995/96, 1996/97. Die milde Variante: 1973/74 , 1974/75. Das wiederholte Auftreten ist dann das Ergebnis bestimmter Zirkulationsanomalien, die über mehrer Jahre in ihren Grundzügen erhlten bleiben können. Übrhaupt kann eine Zirkulationsanomalie entscheidene Hinweise auf die Witterung künftiger Jahreszeiten geben. So herrchte vor dem Strengwinter 1962/63 im vorangegangnen Sommer bereits eine auffällig südliche Position der Westdrift, ähnlich den Sommermonaten 1940 und 1941 mit einem jeweis dramatisch zu kalten August.

Mitunter jedoch versagen alle Verahren, Regeln und Betrachtungen, so erwischten uns im warsten Sinne des Wortes und ohne jede Vorwarnung und außerhalb der Kaltphase der 7.6-jährigen Temperaturschwingung die Strengwinter 1928/29 und 1946/47 eiskalt, sogenannte Ausreißer; 1947 war ohnehin ein denkwürdiges Jahr, auf den Strengwinter folgte der wärmste Sommer nach 2003 mit in Frankfurt/M 99 Sommertagen und 43 heißenTagen.

Ausdrücklich gewarnt werden muß vor Witterungskapriolen, die das gefürchtete gesunde Volksempfinden provozieren können: Im lezten Septemberdrittel 1974 erlebte Mitteleuropa einen ungeöhnlichen Kälteeinbruch mit einer der frühesten Einwinterungen der höheren Regionen des Schwarzwaldes in seiner Klimageschichte. Es folgte mit 6.5°C der kälteste Oktober seit 1922 in der Baur`schen Klimareihe. Als Konsequenz des verfrühten Wintereinbruchs gab es damals ein großes Zugvogelsterben, unsere geflügelten Winterflüchtler hatten scheinbar immer noch gelernt,mittelfristige Vorhersagesimultionen zu deuten. Für die einschlägigen Medien war ein besonders grimmiger Winter unvermeidlich. Welch Pech: Der Winter 1974/75 wurde einer der wärmsten der mitteleuropäischen Klimageschichte.

Gruß Sigward



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  Re: Einige Gedanken über Langfristprognosen 542 Georg Payr 20.08.07 10:14


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