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Lehren aus Gerda: Gedanken eines Modellentwicklers
geschrieben von: Detlev Majewski am 13.01.04 (IP-Adresse bekannt)
Datum: 16. Januar 2004 22:05

1. Es gibt Unwetterlagen (und das Sturmtief Gerda gehörte sicherlich dazu), bei denen auch 18 bis 24 Stunden vor dem Ereignis weder die Intensität (BFT 8 bis 12) noch das betroffene Gebiet genau genug vorhergesagt werden können. Insofern war JKs Wettervorhersage nach den Tagesthemen am letzten Sonntag mit Windwarnungen vor BFT 8 bis 11 für 90% von Deutschland angemessen.
2. Die geringe deterministische Vorhersagbarkeit solcher Unwetter liegt vor allem an der hohen Nichtlinearität der zugrundeliegenden Prozesse (vor allem: Auslösung barokliner Instabilität, Einfluss der Turbulenz und der bodennahen Prozesse). Kleine Änderungen der Anfangsbedingungen oder des Wettervorhersagemodells können in sehr kurzer Zeit (< 24 Stunden) zu großen Änderungen in der Vorhersage (z. B. Zugbahn, Intensität) führen. Deshalb waren die Vorhersagen der verschiedenen Modelle (UKMO, Meteo France, GFS, GME, NOGAPS, JMA, GEM, ...) so unterschiedlich.
3. Erst im Nachhinein kann festgestellt werden, welches Modell in diesem Fall die beste Vorhersage hatte. Der Synoptiker hat keine Möglichkeit abzuschätzen, welche der vorliegenden 24- bis 48-stündigen Vorhersagen die richtige ist! Im Gegenteil, auch im Kurzfristbereich hat bei solchen Wetterlagen jede der Vorhersagen eine gewisse Eintrittswahrscheinlichkeit. Deshalb sollte der Synoptiker auch eine zu frühe Festlegung auf ein Modell ("bei dieser Wetterlage bevorzuge ich Modell XXX") unbedingt vermeiden, um sein Vorhersagekonzept den sich rasch ändernden numerischen Vorgaben anpassen zu können. Erst im Nowcasting und Kürzestfristbereich kann dann in vielen Fällen die Warnung endgültig konkretisiert werden.
4. Die bestehende Konkurrez bei den Unwetterwarnungen kann aber dazu führen, dass immer der "worst case" relativ frühzeitig an die Öffentlichkeit gegeben wird, um nur ja nicht als "verschlafener Wetterbeamter" gebranntmarkt zu werden. Es besteht also die Gefahr einer "Überwarnung", die in kurzer Zeit zu einer Abstumpfung der Öffentlichkeit führen wird. Um dies zu vermeiden, ist ein "Single Voice"-Prinzip bei der Unwetterwarnung sicherlich sinnvoll. Und es sollte auch von allen akzeptiert und der Bevölkerung vermittelt werden, dass vor manchen Unwettern seriös erst relativ kurzfristig (< 6 bis 12 Stunden) gewarnt werden kann.
5. Auch im Kurzfristbereich wird in Zukunft der Weg von der deterministischen hin zur probabilistischen Vorhersage gehen. Der DWD wird in Kürze ein PEPS (Poor Man's Ensemble Prediction System) für hochauflösende Niederschlagsvorhersagen zusammenstellen, das aus den Vorhersagen vieler europäischer Regionalmodelle bestehen wird. Und für die fernere Zukunft ist ein regionales EPS, basierend auf dem LM, geplant.



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