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Ausführlicher Bericht aus Acht / Eifel
geschrieben von: Matthias, Bonn (IP-Adresse bekannt)
Datum: 12. Juni 2003 21:14

Komme ich nun also zu einem detaillierten Bericht über die Zustände, wie ich
sie vor Ort in Acht vorgefunden habe. Wenn ich mich in diesem Bericht bereits
auf Bilder und Karten beziehe, so habt bitte noch ein wenig Geduld. DIe Bilder
werde ich nun auswählen und aussagekräftige Fotos hochladen, um sie dann
anschließend hier einstellen zu können. Ebenfalls werde ich nun im Anschluss
eine detaillierte Karte auf Gebäudebasis erstellen.
Der Ort Acht liegt in eines Kessellage und ist von relativ hohen Bergen
komplett umgeben. Der Tornado hat den Ort von Westen kommend erreicht und dann
in einer eng begrenzten Schneise durchquert, die zum östlichen Ortsrand nach
Ost-Nord-Ost leicht abbiegt (vergleiche dazu auch die Karte, die ich dazu
erstellt habe).
Das Ereignis begann nach übereinstimmenden Aussagen mehrerer von mir befragter
Augenzeugen (Einwohner des Ortes) am Abend des 10.06.2003 etwa gegen 18.45 Uhr.
Zuvor hatte sich der Himmel bereits verfinstert und die Bewohner befürchteten
bereits ein „normales Gewitter“. Innerhalb kurzer Zeit sei es dann „finster wie
die Nacht“ geworden und es habe sehr heftiger Regen eingesetzt. Wiederum kurze
Zeit später (gegen 18.50 Uhr) beobachtete ein Einwohner, dass sich am
westlichen Ortsrand die Bäume gebogen hätten, „wie er es noch nie gesehen
habe“. Sekunden später seinen bereits Eternitplatten als Ganzes durch die
Luft „gewirbelt“ worden, der Augenzeuge selber hat mehrfach in seiner Aussage
mir gegenüber „kreisende“ Bewegungen erkennen können. Von einer Fichte auf
seinem Grundstück wurden lange Äste abgerissen und in einer „Kreisbewegung in
den Himmel gezogen“. Anschließend sei bereits „Feuer in der Luft“ gewesen durch
umher fliegende Stromkabel des örtlichen Energieversorgers, im gleichen
Augenblick seien auch die Straßenlampen ausgegangen und der komplette Strom
ausgefallen. Anschließend sagte der Mann noch, dass viele Anwohner, mit denen
er schon gesprochen habe in den Keller geflohen seien und sagte wörtlich „das
kann keiner verstehen, wie das hier aussieht“. Auf die Frage nach der Dauer des
eigentlichen Luftwirbels antwortete er, dass es nicht länger als zwei Minuten
gewesen seien, dann sei der Wind Richtung Langenfeld abgezogen. Außerdem sagte
er, dass bevor man es aufgefasst habe, was passiert, sei es schon vorbei
gewesen. Ein weiterer Augenzeuge berichtete, dass es im Anschluss an den
Tornado etwa 5 Minuten sehr starke „Kiesel“ geregnet habe, auf meine Nachfrage,
ob er Hagel meine, antwortete er mit ja und gab die Größe der Hagelkörner mit
mindestens daumennagelgroß an.
Die Aussagen aller von mir befragten Augenzeugen geben die Dauer des
eigentlichen Wirbels mit etwa zwei bis maximal vier Minuten an (wobei viele
meinten, dass sie die Zeit bestimmt falsch einschätzen würden). Der Wirbel sei
trotz der Dunkelheit deutlich erkennbar gewesen und habe eine schwarz-gräuliche
Farbe gehabt.
Ebenfalls von mehreren unabhängig voneinander befragten Augenzeugen erhielt ich
die Auskunft, dass der Wirbel „von zwei Seiten“ gekommen sei (dies werde ich
auf der Karte genauer darstellen). Über dem Ort seien die Wirbel aufeinander
gestoßen und dann hätte es nur noch „kriminell gekracht“ und ganze Bäume seien
samt Wurzel durch die Luft geflogen (diese Aussage kann ich bestätigen, da an
einigen Stellen entwurzelte Bäume lagen, aber für mich nicht erkennbar war,
woher dieser Baum stammte bzw. teilweise doch einige Meter von der ehemaligen
Wuchsstelle entfernt lagen).
Ein Zeuge erwähnte mir gegenüber, dass sich die Bäume in der Luft gegen den
Uhrzeigersinn gedreht hätten, von weiteren Augenzeugen wurde diese Aussage
jedoch weder bestätigt, noch überhaupt getätigt.
Komme ich nun zu den Schäden, die mir vor Ort an Bäumen und Vegetation
aufgefallen sind:
Am Ostrand des Ortes wurde ein zusammenhängendes Waldgebiet an einem nach
Westen exponierten Hang etwa auf einer Länge von 200 m - 300 m und einer Breite
am Hang von etwa 50 m bis (maximal) 100 m komplett verwüstet. Die Bäume
(vorwiegend Nadelgehölze, aber auch einige Laubbäume) wurden sowohl komplett
entwurzelt als auch am Stamm abgebrochen. Der Anteil ist schwer zu schätzen,
aber rein nach Augenmaß würde ich sagen, dass etwa 20% der Bäume entwurzelt und
80% abgebrochen bzw. abgerissen bzw. abgedreht wurden. Der „Knickpunkt“ ist
dabei sehr uneinheitlich, lag jedoch bei einem Großteil in der oberen Hälfte
des Stammes. Am unteren Rand dieses Waldstückes standen einige Laubbäume
(Birken, Apfelbaum, Haselnuss, Buche, Eiche), die ebenfalls abgerissen bzw.
entwurzelt wurden. Imposant war besonders die komplett entwurzelte Eiche, deren
Stammdicke doch auf ein erhebliches Alter schließen lässt. Längs des Weges, der
bis zu dieser Stelle noch einigermaßen begehbar war, lag ein etwa 12 Schritt
langes Fragment einer Fichte, das sowohl am oberen als auch am unteren Ende
abgerissen war. Bemerkenswert ist, dass an dieser Stelle keinerlei
Fichtenbewuchs in nächster Nähe auszumachen war, der eigentliche Bereich mit
Fichtenbewuchs fing etwa 10 – 15 Meter oberhalb an. Der gesamte Bereich in
diesem Wald ist durchsetzt mit Trümmerstücken aus dem Ort (ich habe dies durch
ein Fernglas gesehen) darunter einzelne Dachziegeln, Wellbleche und Eternit-
Platten sowie Plastikfolien. Im Ort selber wurden zahlreiche Bäume entwurzelt
und auch abgerissen bzw. abgedreht. Ein Augenzeuge berichtete, dass ganze Bäume
mit Wurzeln durch die Luft geflogen seien. Auf einigen Dächern sah ich auch
noch größere Stücke von Ästen liegen. Im Bereich des Tennisplatzes beobachtete
ein Augenzeuge, wie mehrere sehr dicke Eichen und Eschen „aus dem Boden
gezogen“ wurden und sich dann gegen den Uhrzeigersinn in der Luft „trillerten“,
bevor sie auf den Boden krachten. In diesem Bereich befindet sich auch ein
Gerätehaus, dessen Dach als ganzes angehoben und etwa 3 – 4 m weiter wieder
abgesetzt wurde.
Komme ich nun zu den Gebäudeschäden:
In der Karte werde ich noch genauer darstellen, an welchen Gebäuden leichte
Teilschäden, schwere Teilschäden und Totalschäden auftraten. Der
offensichtlichste Teil der Schäden war an der Bedachung auszumachen, welche an
einigen Häusern komplett abgerissen wurde incl. des Dachgebälks. Die
beschädigten Dächer waren zum überwiegenden Teil mit herkömmlichen Ziegeln
gedeckt, einige wenige Dächer auch mit Eternit-Platten. Ein Anwohner berichtet,
dass die Eternit-Bedachung seines Hauses komplett verschwunden sei, er habe
nicht eine Platte bislang wieder gefunden. An einigen Häusern waren deutliche
Schäden an der Bausubstanz erkennbar in Form von Rissen und geneigten Wänden,
die nach Aussage der Besitzer vorher gerade waren. Ein Haus wurde bereits in
der Nacht behelfsmäßig abgestützt, da es akut Einsturz gefährdet ist. Dieses
Haus machte ansonsten einen sehr stabilen Eindruck, es ist aus Natursteinen
bzw. Bruchsteinen gebaut, die mit Mörtel / Zement verbunden sind. Es lag genau
im Zentrum der von mir vermuteten Zugschneise des Tornados im Ortsmittelpunkt
etwa an der Stelle, wo sich die „zwei Wirbel“ getroffen hätten.
An einem weiteren Haus am östlichen Ortsrand war ein Nebengebäude, welches als
Abstellscheune genutzt wird, komplett eingestürzt. Eine Nachfrage durch mich
ergab, dass das Gebäude vor 58 Jahren gebaut wurde und anschließend noch
erweitert wurde. Es war komplett aus Industrie-Stein gemauert und mit Mörtel
bzw. Zement verbunden. An diesem Haus konnte man auch erhebliche
Splitterwirkung am Dachgebälk sehen. Die Bewohner des Hauses neben der
eingestürzten Scheune sagten mir gegenüber aus, dass sie in der Wohnung Schutz
gesucht hätten. Plötzlich seien die Scheiben nach innen gedrückt worden und
zersprungen. Einen Augenblick später habe es einen Luftsog gegeben, der eine
selbst eingezogene Holzwand (welche stabil mit Metallwinkeln und
Schrauben/Dübel befestigt war) etwa 5 – 10 cm nach außen (in die Gegenrichtung
des ersten Windstoßes, der die Scheiben bersten ließ) gezogen habe. Ich habe
mir dieses Schaden im Haus selber angesehen und kann dies so bestätigen.
Ebenfalls im Bereich dieses Hauses wurde ein Garagentor „mehrfach wie ein
Windrad um die eigene Achse gedreht“ und kam falsch herum schließlich zum
stehen. Im Mauerwerk des Hauses sind zahlreiche Risse zu erkennen, die vorher
nicht da waren, die Wände sind komplett verzogen, das (nicht gewirbelte)
Garagentor lässt sich nicht mehr schließen, der Bewohner meinte, dass dies
komplett abgerissen werden müsse.
Es wurde mir ebenfalls berichtet, dass Blechpfannen noch im 1 km entfernten
Langenfeld gefunden worden seien – diese Aussage konnte ich jedoch sonst von
niemand bestätigt bekommen.
An manchen Häusern sind auch komplette Dachstühle abgerissen worden und
wurden „kreiselnd durch die Luft geworfen“, bevor sie krachend auf dem Boden
aufschlugen und zerstört waren.
An mehreren weiteren Häusern waren deutliche Schäden im Mauerwerk zu sehen, was
bis hin zu fehlenden Mauersteinen im Giebelbereich reichte. Zahlreiche Fenster,
Fensterläden und Jalousien wurden von umher fliegenden Trümmern zerstört,
einige Fensterläden abgerissen. An einem Haus im Westen des Ortes war der Kamin
abgeknickt, ansonsten wies das Haus aber keine Schäden auf.
Fazit:
Anhand der vor Ort gemachten Beobachtungen würde ich persönlich (und ich
betone, dass ich auf diesem Gebiet über kein Fachwissen verfüge) auf einen /
zwei (?) Tornado(s) der Intensität minimum F2 tippen, wahrscheinlicher halte
ich aufgrund der offensichtlichen Gebäudeschäden sowie der Aussage von durch
die Luft fliegenden, ausgewachsenen Bäumen die Einstufung in die Kategorie F3.
An zahlreichen, stabil und massiv gebauten Häusern waren deutliche Schäden an
Dachstuhl und auch Mauerwerk zu erkennen, zwei Häuser in unterschiedlichen
Ortsbereichen sind eingestürzt. Ebenso wurde ein zusammenhängendes Waldgebiet
komplett umgelegt.
So viel nun zum Bericht. Ich werde nun eine Karte erstellen und darauf
möglichst exakt die von mir vor Ort beobachteten Schäden und Zerstörungen
vermerken. Es wird noch etwas dauern, bis ich die Bilder hochgeladen habe,
bitte geduldet Euch noch so lange.
Noch ein paar Angaben für Tordach:
Koordinaten des Zentrums von Bach [geographisch, dezimal]:
7,07167 E
50,36948 N
Spurbreite: max 100m
Spurlänge: ca. 1,5 km (nachgemessen mit TOP 50)
anzumerken ist: ein Augenzeuge gab ein abgedecktes Scheunendach in Engeln an;
dieser Ort liegt etwa 1,6 km westlich von Acht. Eine Verlängerung der in
Bach beobachteten Zugbahn nach Westen würde ziemlich genau nach Engeln führen.
Von daher wären Beobachtungen von Waldschäden zwischen Engeln und Acht sicher-
lich sehr aufschlussreich, ebenso nach Osten Richtung Langenfeld.
Für weitere Fragen, gerne per mail oder Forum!
Matthias, 11.06.2003



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  MCS 07.07.2001 : Harmonie der Synergetik 5354 org:Wetterfuchs am 07. 07 2002 08.06.03 01:26
  Heute vor 2 Jahren : Schwergewitterlage 02.07.2000 6181 org:Wetterfuchs am 02.07.02 11.05.03 13:17
  Die Gewitterfront kam wie eine Wand, 02.06.99 7561 org:Wetterfuchs am 10.09.02 13.09.02 13:59
  Heute vor 8 Jahren : Schwere Hagelgewitter in NRW 5434 org:Wetterfuchs am 4.07.02 30.08.02 19:53
  21.07.92 : Top-Schwergewitterlage in Mitteleuropa 9683 org: Wetterfuchs 23.07.02 15:29
  Ein Markstein : Münchener Hagelunwetter 12.07.1984 7368 org: Wetterfuchs 24.07.02 10:08
  Noch ein Bericht zum Sturm am 10.Juli 2002 4499 org: Christoph Gatzen am 13.07.2002 21.08.02 20:32
  Interessante Bemerkungen zum Hagelschlag vom 15.06 5032 org: Martin Hubrig am 1.07.2002 21.08.02 20:28
  15.05.2008 - Konvergenz in NRW - Gewitter/Starkregen geschrieben von: Fabian aus Bochum (Mai 2008) 10294 Admin 30.11.09 13:17
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