Interessante Beiträge :  Wetterzentrale Forum Wetterzentrale Forum

| Wetterzentrale-Startseite | Wetterzentrale-Chat | Wetterchronik | wetter-foto.de | Das alte WZ-Forum-Archiv (05/1999-04/2007) |

| Nutzungsbedingungen/Forumsregeln/Datenschutz | Die neuesten Postings aus allen Foren | Wettersymbole einbinden | Präfixe in Betreffs verwenden |

Tornados 23.06.04 (2) : Aspekte von Micheln
geschrieben von: Wetterfuchs am 05.07.2004 (IP-Adresse bekannt)
Datum: 06. Juli 2004 07:07

In meinem ersten Posting zur Tornadolage vom 23.06.04 gab ich einen Gesamt-Überblick zur Synoptik und eine regionale Diagnostik (vgl. „Interessante Beiträge“) dieses Tages. Der Fall Micheln war in diesem Rahmen einer von mehreren Tornadofällen. Ohne Zweifel erfordert der Fall Micheln aber eine besondere Aufmerksamkeit. Dem möchte ich in diesem zweiten Posting nachkommen und dabei noch nicht diskutierte Details und Aspekte der dortigen Entwicklung aufzeigen. Sie sollen gleichzeitig die von Jan Hoffmann im Forum gezeigten Struktur-Details ergänzen und zu einem Gesamtbild der Entwicklung hin zum Tornado abrunden. Grundlage meiner Betrachtungen sind Radaraufbereitungen, Synop- und Tempdaten, sowie Satellitenbildinformationen.
Ich möchte zunächst an das anschließen, was ich im ersten Posting schon andeutete und komme in jetzt ½-stündiger Folge auf die Java-MAP-Kombinationen von Radarkomposit + Synops zurück, beginnend um 15.30 UTC, also etwa 1 1/4 Stunden vor dem Ereignis :
Radarkomposit 23.06.04 15.30 UTC :

Man sieht um 15.30 UTC das von Westen vordringende noch lockere Feld von Gewitter-Clustern. Dabei markiert die vorderste Front dieser Cluster den Südteil der damaligen ersten Gewitterlinie nach Passage der Kaltfront (s. erstes Posting). Zwei der Gewittercluster zwischen Wolfsburg und Wittenberg zeigen mit ihrer blauen Farbe (>=55 dBZ) höchste Intensität. Im Bereich Harz befinden sich weitere 3 Gewittercluster. Mit einem Kreis markiert ist der Gewittercluster, der (in der Rückschau) sich als Vorform der späteren Tornadozelle erweist. Erstmals tauchte diese „rote“ Zelle (=>46 dBZ) rund 1 ½ Stunden vorher weiter im Südwesten auf. Die spätere Brisanz der Zelle war im Radarkomposit auch jetzt noch nicht zu erkennen und befand sich noch über 70 km von Micheln (direkt vor Südwestknie der Elbe zwischen Dessau und Magdeburg gelegen) entfernt .
Radarkomposit + Synops 23.06.04 16.00 UTC :

½ Stunde später, um 16 UTC (50 Minuten vor dem Ereignis), hatten sich die Gewittercluster weiter ostwärts vorgeschoben. Und auch jetzt war noch keine entscheidende Wende im Biild der kommenden Michelner Gewitterzelle eingetreten . Nach Überquerung des Ostharzes besaß sie weiterhin nur „rote“ Intensität.. Mit den eingeblendeten Synopdaten sieht man aber, daß im Temperatur- und Windfeld der regionale Kaltfrontcharakter der Gewitterlinie deutlich war. Vorderseitig herrschten bei rund 22°C südliche, teilweise südöstliche Winde, rückseitig bei Temperaturen von 17-21°C südwestliche Winde. Die Taupunkte (hier nicht gezeigt) bewegten sich zwischen 13° und 16°C. So bestand regional-synoptisch ein Potential für eine kurzfristige Verstärkung. Diese wurde dann um 16.30 UTC (20 Minuten vor dem Ereignis) sichtbar :
Radarkomposit 23.06.04 16.30 UTC :

Die Gewitterzelle stand nun rund 16 km von Micheln entfernt und besaß erstmals einen „blauen“ Kern (>= 55 dBZ). In der Detail-Struktur bildete sie die südwestliche Ecke eines größeren konvektiven Echofeldes. Gleichzeitig konnte man beobachten, wie sich alle Gewittercluster längs der ganzen Gewitterlinie nach und nach zusammenschlossen. Der komplette Zusammenschluß erfolgte zum nächsten ½-Stundenschritt, um 17.00 UTC :
Radarkomposit + Synops 23.06.04 17.00 UTC :

Jetzt hatte die Michelner Zelle ihre höchste Intensität erreicht . Es war der Zeitpunkt 10 Minuten nach dem Tornado in Micheln und die Zelle hatte nun knapp die Elbe überschritten. Der Temperaturgegensatz zwischen Vorder- und Rückseite betrug in diesem Moment 6 K und auffälligerweise besaßen sämtliche Vorderseitenwinde der Region eine südöstliche Richtung. Der vorderseitige „Inflow“-Effekt war entsprechend optimiert.
Innerhalb der nächsten Stunde verlagerte sich die geschlossene Squall-Line mit allen inkorporierten stärkeren Zellen nordostwärts :
Radarkomposit 23.06.04 17.30 UTC :

Radarkomposit + Synops 23.06.04 18.00 UTC :

Auch um 18.00 UTC war der „blaue“ Kern der alten Michelner Zelle noch erhalten, nun knapp südlich von Potsdam gelegen.
Halten wir fest : Auch im hier in dem mit den regionalen Radarkomposits betrachteten engeren Zeitraster verstärkte sich die Michelner Zelle erst etwa ½ Stunde vor dem Ereignis und nur kurz vor Micheln zu einer Superzellen-verdächtigen Intensität. Der Vorgang wurde begleitet vom Zusammenschluß der Gewitterlinie zu einer geschlossenen Squall-Line, die sich dann noch mindestens 1 Stunde intensiv entfaltete.
Neben dem Aspekt der Entwicklung der Struktur und Intensität verdienen auch Details der Verlagerung der Zelle stärkere Aufmerksamkeit. Die Bewegungsrichtung der Zelle in der Zeit zwischen 15.30 und 18.00 UTC zeigte aus 245° bis 240°. Die Verlagerungs-Geschwindigkeit steigerte sich von anfangs 25 Knoten auf über 30 Knoten (rund 32 Knoten). In der allgemeinen konzeptionellen Vorstellung der Zellbewegung agiert die mittlere Troposphärenströmung als „Führungsströmung“, in Fällen von WLA (Warmluft-Advektion) und stärkeren Zellen auch mit einer Rechtsabweichung davon („Right-Moving), bei KLA (Kaltluft-Advektion) auch zu einer Linksabweichung („Left-Moving“). Wie waren die diesbezüglichen Verhältnisse im Fall der Michelner Zelle? Der zeitlich nächstgelegene aerologische Termin zur Prüfung dieser Frage war 18 UTC. Die nächstgelegene Windinformation für 18 UTC dieses Tages stammte von der Radiosondenstation Meiningen (Südwestflanke des Thüringer Waldes). Die Aufbereitung der Winde von dort in Tabellenform :
Meiningen (10548) Höhenwinde 23.06.04 18 UTC :

Man sieht : Die Höhenwinde besaßen hauptsächlich eine Richtung von 245° bis 240°. Da demnach in der Höhe auch kaum T-Advektion herrschte, deckten sich die Verhältnisse gut mit der konzeptionelle Vorstellung. Interessant auch der Vergleich der Verlagerungs-Geschwindigkeit der Zelle mit der Stärke der Höhenwinde. Ab etwa oberhalb 1200 m (ü. NN) waren die Höhenwinde stärker als die Verlagerungsgeschwindigkeit der Zelle. Daraus folgt, daß die Gewitterzelle im Großteil ihrer vertikalen Erstreckung umströmt wurde bzw. Luft in die stromaufwärtige Seite hineingeführt wurde. Diese Relativwindverhältnisse (relativ zur sich bewegenden Zelle) decken sich gut mit der bekannten Vorstellung, daß die Mesozyklone sich bildet, wenn die von unten vorstoßende „langsamere“ Updraftluft wie ein „Rammbock“ in der nach oben zunehmenden Strömung wirkt. Die „Rammbock“-Wirkung im Michelner Fall bestand demnach oberhalb 1200 m ü.NN.
Die obige Radarbetrachtung der Tornadozelle von Micheln beschränkte sich auf die Analyse der Horizontalverteilung der bodennahen Radarreflektivitäten. Jan Hoffman hat bereits gezeigt, daß entscheidende Zell-Merkmale erst im Vertikalprofil sichtbar wurden, wie z.B. der „Überhang“ (neben dem charakteristischen „horizontalen“ Hook-Echo). Er wählte für seine Demonstration lokale Radardaten der Radarstation Ummendorf. Prinzipiell boten sich für den Michelner Fall 2 Radarstationen an : Ummendorf im Nordwesten (rund 65 km entfernt zwischen Magdeburg und Braunschweig gelegen) und Berlin im Nordosten (rund 115 km entfernt). Für eine Betrachtung der 3D-Entwicklung im oben benutzten Zeitfenster erweist sich Berlin als der günstigere Standort, da aus Berliner „Sicht“ in der Zeit praktisch keine „Dämpfungseffekte“ auftraten (s. Grundlagen-Posting Juni 2002 in „Interessante Beiträge“). Berlin „schaute“ direkt in die Vorderseite der Zellen, während die „Sicht“ von Ummendorf aus durch andere Zellen teilweise behindert war. Nur vom Berliner Radar aus war die spätere Tornadozelle über alle Termine hinweg eindeutig identifizierbar, auch wenn infolge der größeren Entfernung (Erdkrümmung) der unterste Kilometer stets unsichtbar war. Für die nachfolgende Serie werden im wesentlichen die Berliner Radarbilder herangezogen, und zwar im vollständigen ¼-Stunden-Takt. Es handelt sich bei den Abbildungen um Quasi-3D-Bilder („PL“)(in einer mir zugänglichen alten Darstellungsform) der Radarreflektivität. Auf Doppler-Wind-Darstellungen konnte ich leider nicht zugreifen. Die „PL“-Radarbilder zeigen im Grundriß die bodennächste Radarreflektivität, im Aufriß (Blick von Süd nach Nord durch den Datenquader) und Seitenriß (Blick von West nach Osten durch den Datenquader) in Höhen bis 12 km die jeweils maximalen dBZ-Werte. Zusätzlich eingegeben sind die DWD-Warnpunkte (Starkschauer = braun; Hagelgefahr = rot) :
Radar-Bild („PL“) Berlin vom 23.06.04 15.58 UTC :

Um 15.58 UTC war die spätere Tornadozelle im Berliner Radarbild schon durch einen roten Hagelwarnpunkt gekennzeichnet (mindestens 40 dBZ in 6 km Höhe, zusätzlich oberhalb der Nullgradgrenze >= 46 dBZ). Im Seitenriß (rechts) sieht man, daß die Zelle bis rund 7 km Höhe „rote“ Intensität aufwies (der „rote“ Fußpunkt im Grundriß ist durch den Warnpunkt verdeckt). Andere Zellen wirkten in dem Moment mit ihrem „blauen“ Kern noch deutlich stärker und gefährlicher. Dies deckt sich mit dem, was man schon der Java-MAP-Komposit-Bildern entnehmen konnte. Auch ein ¼ Stunde später hatte sich die noch relativ ungefährlich erscheinende Struktur der betrachteten Zelle noch nicht wesentlich geändert :
Radar-Bild („PL“) Berlin vom 23.06.04 16.13 UTC :

Erst im Berliner Radarbild von 16.25 UTC gab es (im Seitenriß erkennbar) erstens einen nun bis 10 km hoch reichenden „roten“ Tower mit einem „blauen“ Fuß, zweitens erstmals auch Überhang-Strukturen :
Radar-Bild („PL“) Berlin vom 23.06.04 16.25 UTC :

Im nachfolgenden Radarbild von 16.43 UTC, also dem Zeitpunkt, an dem die den Tornado hervorbringende Mesozyklone schon existiert haben muß, (der Zeitpunkt des Tornados wurde mit 16.50 UTC angegeben), waren die Schwergewitter-Signale dann sehr deutlich :
Radar-Bild („PL“) Berlin vom 23.06.04 16.43 UTC :

Besonders auffällig das „blaue“ Reflektivitätsmaximum in 3,5 bis 5,5 km Höhe (über Boden). Dies war ein deutliches Zeichen für eine starke Produktion von Niederschlagselementen in mittlerer Höhe und somit für einen kräftigen verursachenden Updraft.
Genau in diesem Moment war die „Sicht“ von der deutlich näher gelegenen Radarstation Ummendorf aus auch „frei“ (d.h. nicht durch andere Zellen abgeschwächt) :
Radar-Bild („PL“) Ummendorf vom 23.06.04 16.43 UTC :

Das Ummendorfer Bild zeigte anders als im Berliner Radarbild einen durchgehenden „blauen“ Tower bis zum Boden (d.h. praktisch, die Reflektivitätswerte waren aus Ummendorfer Sicht im gesamten Höhenbereich intensiver). Ummendorf zeigte zusätzlich unübersehbar die von Jan Hoffmann schon erwähnten deutlichen Überhänge. Der Vergleich beider Radarbilder beweist, daß je nach Richtung, Entfernung und „Sichtfreiheit“ der Radarstation Gewitterzellen durchaus unterschiedlich aussehen können. Dies läßt sich auch an den anderen, zu dem Zeitpunkt sehr starken Zellen weiter nördlich feststellen : Während die Sicht von Ummendorf aus deutlich „gedämpft“ war, war sie von Berlin aus ganz „frei“.
Um 16.58 UTC, als die Michelner Tornadozelle gerade die Elbe überschritten hatte, zeigte auch das Berliner Radarbild einen vertikal durchgehenden „blauen“ Tower bis 8 km Höhe. Insgesamt war die Superzelle jetzt auf ihrem Intensitäts-Höhepunkt :
Radar-Bild („PL“) Berlin vom 23.06.04 16.58 UTC :

Radar-Bild („PL“) Ummendorf vom 23.06.04 16.58 UTC :

Keine andere Zelle besaß zu diesem Zeitpunkt eine vergleichbare Stärke. Zusätzlich bestand aus Ummendorfer Sicht weiterhin ein deutlicher Überhang.. So läßt sich feststellen : Die Entwicklung des Tornados fiel mit dem Übergang zur markantesten Form und höchsten Intensität der Superzelle zusammen.
Bei der weiteren Verlagerung der Superzelle blieb die Radarreflektivität zumindest noch bis 17.43 UTC auf höchstem Niveau, wie die 3 nachfolgenden Berliner Radarbilder demonstrieren :
Radar-Bild („PL“) Berlin vom 23.06.04 17.13 UTC :

Radar-Bild („PL“) Berlin vom 23.06.04 17.25 UTC :

Radar-Bild („PL“) Berlin vom 23.06.04 17.43 UTC :

Zu 17.43 UTC hin verbreiterte sich die Gewitteraktivität dabei zu einem mehr Multizellen-Charakter innerhalb der geschlossenen Squall-Line. Dies war möglicherweise der Zeitpunkt, an dem die Superzelle ihre Eigenständigkeit verlor. Sie hatte somit eine Mindest-Lebensdauer von 1 Stunde oder sogar etwas mehr.
Das Radar-Diagnose-Programm „Radwarn“ (Eigenentwicklung aus meiner aktiven Zeit beim DWD) ermöglicht diverse Spezialauswertungen einer Gewitterlage. Ich möchte daraus hier 2 Abbildungen zeigen, und zwar die Analyse der Spurlinien der Warnpunkte und die räumliche Verteilung der bodennahen Maximalreflektivität :
Spurlinien der Warnpunkte am 23.06.04 im Berliner Radarbereich :

Verteilung der maximalen Radarreflektivität im Berliner Radarbereich :

Wichtig bei der Betrachtung der Spurlinien der Warnpunkte im ¼-Stunden-Takt ist hier u.a. die Verfolgung der Intensitäten : Man sieht an der Farbfolge, wie die „Michelner Spur“ aus einer „grünen“ Intensität (46-49 dBZ) über eine „violette“ Intensität (50-54 dBZ) sich sprunghaft um 16.43 UTC auf 60-62 dBZ verstärkte (gelb). Dies bestätigt die obigen Ergebnisse der direkte Inspektion der Radarbilder. Auch im Rahmen der Spurlinien-Analyse kommt man zu dem Ergebnis, daß sich der Tornado im Moment der explosiven Entwicklung der Superzelle gebildet haben muß . Die Intensität der Zelle (gemessen an den Warnpunkten) blieb noch bis 17.58 UTC in der Intensitäts-Klasse von über 60 dBZ. Ein sehr analoges eindringliches Bild präsentiert auch die Karte mit der Verteilung der bodennahen Maximalreflektivitätswerte.
Die meteorologische Betrachtung der Michelner Strukturentwicklung wäre unvollständig ohne einen Blick aus die Weltraumperspektive der Wettersatelliten. Inwieweit war die Michelner Tornado-Gewitterzelle im Satellitenbild erkennbar, in welchen Scale-Bereich der Konvektion war die Entwicklung eingebettet ? Leider gab es zum Zeitpunkt der Tornado-Entwicklung keine geographisch passende NOAA-Umlaufbahn und somit auch keine hochauflösenden (1 km) NOAA-Satellitenbilder. Das letzte NOAA-Bild davor erfaßte die Situation um 15.11 UTC, also mehr als 1 ½ Stunden vorher :
NOAA-Vis-Satellitenbild (DLR) 23.06.04 15.11 UTC :

Man sieht über dem östlichen Niedersachsen eine V-Shape-förmige starke Zelle, die aber mit dem späteren Michelner Ereignis direkt noch nichts zu tun hatte. Für die Satellitenbild-Überwachung von Micheln bleibt daher nur die skalen- und auflösungsmäßig nicht so günstige Erfassung mit den ½-stündigen Meteosatbildern, die im sichtbaren Spektralbereich über Mitteleuropa eine Auflösung von rund 5 km besitzen. Nachfolgend die 3 Meteosat-Visbilder von 16 UTC, 17 UTC und 18 UTC (DWD), zur besseren Orientierung ist jeweils um die Michelner Zelle ein Ring geschlagen :
Meteosat-Vis-Bild 23.06.04 16.00 UTC :

Meteosat-Vis-Bild 23.06.04 17.00 UTC :

Meteosat-Vis-Bild 23.06.04 18.00 UTC :

Aus der Meteosat-Schau erschien die spätere Michelner Zelle um 16.00 UTC noch so klein, daß sie noch kaum identifiziert werden konnte. Erst um 17.00 UTC war die Zelle bei genauem Hinschauen identifzierbar, um 18.00 UTC war sie bereits im Verbund der Squall-Line eingetaucht. Was bereits im Radar (Komposits und Einzelradarbilder) herauskam, wird in der Satellitenperspektive bestätigt : Die Michelner Superzelle war horizontal relativ kompakt und klein. Im nahen Umfeld gab es dagegen einige ausgebreitere, aber weniger aktive konvektive Strukturen. Hierin unterschied sich der Fall Micheln auch deutlich vom Fall des Tornados in Acht am 10.06.03 (vgl. Posting in „Interessante Beiträge“). Während die Entwicklung von Acht eingebettet war in eine machtvoll ausgebreitete MCS-Entwicklung (oder sogar MCC-Entwicklung), war die „Kaltluftzelle“ von Micheln jetzt horizontal deutlich kleiner.
Diese letzte Feststellung führt hin zu meinem abschließenden Punkt : War die Michelner Tornado-Entwicklung früh und gut genug erkennbar, d.h. konkret prognostizierbar? Eins hat die Detail-Betrachtung der Radarbilder, die spezielle Radarauswertung und die Satellitenbild-Auswertung ohne Zweifel gezeigt : Die unmittelbar zum Tornado hinführende Entwicklung zeichnete sich erst unmittelbar vor dem Ereignis ab. Im ¼-Stunden-Takt der (Volumen-) Radarreflektivitätsbilder gab es erst um 16.43 UTC (wenige Minuten vor dem Ereignis) eine unzweifelhafte Aussage in Richtung gefährlicher Superzelle. Dies galt prinzipiell auch bei möglicher Nutzung der ebenfalls mit dem Volume-Scan produzierten Doppler-Wind-Karten. Meteorologisch bildet in jedem Fall die offensichtliche Koppelung von Superzellen-„Explosion“, Mesozyklonen- und Tornado-Bildung eine praktische Erschwernis für ein vorzeitiges Erfassen der akuten Tornado-Situation (in dem Fall für Micheln).
Wetterfuchs



Thema Klicks geschrieben von Datum/Zeit
  Analysen von Gewitter- und Starkregenlagen (oT) 14061 Admin 09.10.08 08:22
  07.08.08 : Analyse einer ungewöhnlichen Superzelle im Norden - Wetterfuchs 4714 Admin 08.10.08 13:06
  Die Schwergewitterlage Ende Mai 2008 im Westen - Fabian aus Bochum 3586 Admin 08.10.08 13:04
  15.05.2008 - Konvergenz in NRW - Gewitter/Starkregen - Fabian aus Bochum 3677 Admin 08.10.08 13:03
  29.07.05 (1) : Hagel + Tornadoverdacht Südwest/Süd 8516 Wetterfuchs 14.11.05 20:35
  29.07.05 (2): Superzellen/Super-Sqallline Nordost 6695 Wetterfuchs 08.12.05 20:50
  29.07.05 (3): Extremhagel der LP-Superzelle 5994 Michel (Erzgebirge, 670m Höhe) 09.03.06 22:43
  29.07.05 (4): Starkwindereignis durch Squall 5938 Michel (Erzgebirge, 670m Höhe) 09.03.06 22:51
  29.07.05 (5): Zu den Sturmschäden - Oberpfalz 4199 Martin Hubrig, Melle - Whh., 20 km sö 11.03.06 09:14
  29.07.05 (6): Tornado durch LP-Superzelle 4373 Michel (Erzgebirge, 670m Höhe) 08.04.06 00:17
  29.07.05 (7): Dunkelheit am Tage - Rückanalyse 7175 Marco Puckert 06.03.07 12:33
  29.7.05: Heute vor 2 Jahren, schwere Unwetterlage in weiten Teilen Deutschlands...- Michel, Erzgebirge 3316 Admin 08.10.08 12:51
  Analyse zum Unwetter in Dortmund am 26.07.2008 - Fabian aus Bochum 3953 Admin 08.10.08 13:05
  Großer Jahresrückblick 2007 für Sachsen und das Erzgebirge - Michel/Erzgebirge 3093 Admin 08.10.08 12:48
  04.10.07 Unwetter Mallorca : Beobachtungen und Analyse / Org: Wetterfuchs 9810 Admin 24.01.08 12:47
  10.07.07: Analyse der Wasserhosen/Tornados bei Borkum, Org: Wetterfuchs am 10.07.2007 7879 Admin 20.09.07 11:20
  02.08.07: Eine Super-Multizelle durchquert die Alpen - Org: Wetterfuchs, 9.08.2007 9242 Admin 20.09.07 11:18
  Welch ein Sommerwetter : Sturm, Regenkaskaden, <15°C - Org: Wetterfuchs am 27.06.2007 9150 Admin 29.06.07 10:46
  26.06.07 Eutin : Ein irrer Liniendurchgang - Org: Wetterfuchs am 26.06.2007 6535 Admin 29.06.07 10:44
  Analyse + Bilder der Gewitterlage vom 25. Mai (ca. 3 MB ) - Org.: Björn, Hannover am 28.05.2007 8273 Admin 29.06.07 10:42
  Gewitter-Diagnose : Synopsis von Foto und Radar - Org.: Wetterfuchs am 8.06.2007 7251 Admin 29.06.07 10:41
  Bilderbericht zum Hagelunwetter im Osterzgebirge 5702 wetterfrosch aus sachsen 21.11.06 11:54
  dazu passend Zeitungsartikel: 9902 wetterfrosch aus sachsen 21.11.06 11:57
  03.08.06: Met.Analyse Tornado/Wasserhose vor Büsum 6816 Wetterfuchs 17.08.06 12:16
  Radardiskussion zur Squall-Line vom 25.6.2006 7641 Jan Hoffmann 14.08.06 13:18
  Der Unwettertag 16.06.2006 / Leipziger Superzelle 5515 Geggo, Glaubitz 99m (Sachsen) 14.08.06 13:15
  Die Superzellen vom 27./28.7.2005 8313 Bernold Feuerstein 09.03.06 22:20
  3 Tornados am Starnberger See (36 Bilder+1Video) 6018 Walter aus München 09.03.06 21:57
  27.07.05 : Die Megazelle von Frankfurt 6575 Wetterfuchs 14.09.05 11:14
  03.06.05 : Diagnose der Tornado-Verdachtsfälle 4761 Wetterfuchs 21.06.05 11:30
  14.06.05: Analyse des Ulmer Tornado-Verdachtsfalls 5336 Wetterfuchs 21.06.05 11:26
  03.06.05 : Der Geltinger Hagelfall 6108 Wetterfuchs 06.06.05 09:31
  05.05.05 : Meteorol. Umfeld d. Reutlinger Tornados 7086 Wetterfuchs 09.05.05 12:33
  26.03.05 : Diagnose der Hagellage im Münsterland 5451 Wetterfuchs 15.04.05 10:59
  Vielen Dank und einige Anmerkungen 3530 Jan Hoffmann 15.04.05 11:00
  Die ungewöhnliche Gewitterlage vom 01.10.04 5686 Wetterfuchs 31.10.04 21:11
  Das waren die Schwergewittertage des Sommers 2004 4221 Wetterfuchs 31.10.04 21:10
  Tornadolage vom 05.10.04 im Weserbergland 4568 Wetterfuchs 31.10.04 21:08
  18.07.04: Diagnose der Tornado-Lage vom Ruhrgebiet 6773 Wetterfuchs 26.10.04 15:46
  12.09.04 : War es ein Tornado oder nicht? 6177 Wetterfuchs 03.10.04 20:21
  Tornado von Prüm, 15.09 1986 - Eine Analyse 4315 Lars aus Neufahrn 03.10.04 20:18
  20.08.92 : Unvergeßlicher Unwettertag in SW-D 6794 Wetterfuchs am 02.09.2004 03.09.04 13:45
  Analyse zum F2-T4-Tornado Odenwald (10.06.2004) 4819 Felix Welzenbach 15.08.04 20:19
  23.07.04 : Diagnose Unwetter Bonn + Rhein-Main 6484 Wetterfuchs am 28.07.2004 31.07.04 22:34
  Tornados 23.06.04 : Synoptik + region.Strukturen 5707 Wetterfuchs am 30.06.2004 30.06.04 21:33
  Tornados 23.06.04 (2) : Aspekte von Micheln 4769 Wetterfuchs am 05.07.2004 06.07.04 07:07
  Rückanalyse zur Schwergewitterlage vom 10.06.2004 4256 Marco Puckert, 26.06.2004 02.07.04 12:43
  Gestriger Unwetterabend in Oklahoma 4772 mesoscale am 28.03.04 29.03.04 01:21
  Tornado Drochtersen : Schnell-Analyse 4759 Wetterfuchs am 13.01.04 16.01.04 21:55
  Gestern abend : Markante Frontogenese+Kanaleffekt 5317 Wetterfuchs am 14.01.04 16.01.04 21:58
  Synopt.Analyse - Tornado bei Kirchhain (3.11.2003) 5069 Org: Wetterfuchs, 4.11.2003 05.11.03 09:13
  Doppler-Radar-Analyse des Kirchhain-Tornados 5121 Jan Hoffmann, am 05.11.03 07.11.03 22:29
  Re: Doppler-Radar-Analyse des Kirchhain-Tornados 4221 Jan Hoffmann, am 15.11.03 17.11.03 16:06
  Schadensbericht mit Bildern und Video 5495 Eyk (wabern) am 06.11.03 11.11.03 21:44
  Teil 2 3599 Eyk (wabern), am 06.11.03 11.11.03 21:58
  Teil 3 3282 Eyk (wabern) am 06.11.03 11.11.03 22:05
  Bilddoku v. Kirchhainer Tornado - viele Pics 9282 Micha (Giessen, 180m) am 04.11.03 11.11.03 22:18
  Teil 2 ... viele Pics 3646 Micha (Giessen, 180m) am 04.011.03 11.11.03 22:22
  Teil 3 ... viele Pics 3486 Micha (Giessen, 180m) am 04.11.03 11.11.03 22:27
  Meine Intensitätseinschätzung z. Kirchhein-Tornado 3422 Martin Hubrig am 09.11.03 13.11.03 21:06
  Der Innsbrucker Gewittersturm vom 21.Juli 2003 4686 Org: Friedrich Föst, 27.08.2003 03.09.03 08:00
  Schadensanalyse/Bilder Teil 1 3313 Org: Friedrich Föst, 27.08.2003 03.09.03 08:02
  Schadensanalyse/Bilder Teil 2 4203 Org: Friedrich Föst, 27.08.2003 03.09.03 08:04
  16.07.03: Strukturvielfalt einer Schwergewitterlage 4771 Org: Wetterfuchs, 5.08.2003 03.09.03 07:56
  Zusatz zum Verlauf dieser Schwergewitterlage: 4554 Org: Marco Puckert, 5.08.2003 03.09.03 07:57
  09.07.02 : Starkgewitter vor dem Berlin-Unwetter 6868 org:Wetterfuchs am 09.07.03 09.07.03 21:19
  Rückschau : Entwicklung des Berliner Unwetters 7571 org: Wetterfuchs am 11.07.02 09.07.03 18:01
  18.06.02: Eine Gewitterlage der Superlative 6392 org. Wetterfuchs 02.07.2003 02.07.03 16:41
  Unwetterdoku vom 23.06.2003 4705 Christian (Braunschweig) 01.07.03 21:37
  Tornadolage 10.06.03 : Met.Strukturen (2,5 mB) 6687 Org: Wetterfuchs am 21.06.2003 21.06.03 13:09
  Ausführlicher Bericht aus Acht / Eifel 3827 Matthias, Bonn 12.06.03 21:14
  So! hier nun die Karte des Ortsgebietes Acht 3250 Matthias, Bonn 12.06.03 23:12
  Bilder aus Acht 3715 Matthias, Bonn 13.06.03 13:14
  Das Straßburger Gewitter-Drama vom 06.07.2001 6853 org:Wetterfuchs am 06.07.02 08.06.03 01:28
  MCS 07.07.2001 : Harmonie der Synergetik 5492 org:Wetterfuchs am 07. 07 2002 08.06.03 01:26
  Heute vor 2 Jahren : Schwergewitterlage 02.07.2000 6331 org:Wetterfuchs am 02.07.02 11.05.03 13:17
  Die Gewitterfront kam wie eine Wand, 02.06.99 7700 org:Wetterfuchs am 10.09.02 13.09.02 13:59
  Heute vor 8 Jahren : Schwere Hagelgewitter in NRW 5595 org:Wetterfuchs am 4.07.02 30.08.02 19:53
  21.07.92 : Top-Schwergewitterlage in Mitteleuropa 9850 org: Wetterfuchs 23.07.02 15:29
  Ein Markstein : Münchener Hagelunwetter 12.07.1984 7545 org: Wetterfuchs 24.07.02 10:08
  Noch ein Bericht zum Sturm am 10.Juli 2002 4641 org: Christoph Gatzen am 13.07.2002 21.08.02 20:32
  Interessante Bemerkungen zum Hagelschlag vom 15.06 5151 org: Martin Hubrig am 1.07.2002 21.08.02 20:28
  15.05.2008 - Konvergenz in NRW - Gewitter/Starkregen geschrieben von: Fabian aus Bochum (Mai 2008) 10438 Admin 30.11.09 13:17
  Analyse/Rückblick: Der markante 30.7.2009 im Norden... geschrieben von: Jan Hinrich Struve (August 2009) 5084 Admin 30.11.09 13:18
  Bemerkenswerte Boundary, 02.07.2009 geschrieben von: Roboter (Juli 2009) 2951 Admin 30.11.09 13:21
  Tornado-Outbreak Hamburg 27.03.06 (1) : Synoptik + Radar/Sat-Überblick geschrieben von: Wetterfuchs (März 2009) 5517 Admin 30.11.09 13:40
  Tornado-Outbreak Hamburg 27.03.06 (2) : Detail-Analyse Zell-Entwicklung + Tornados geschrieben von: Wetterfuchs 4673 Admin 30.11.09 13:41
  Tornado-Outbreak Hamburg 27.03.06 (3) : Kurzfristprognosen + Nowcasting geschrieben von: Wetterfuchs 8843 Admin 30.11.09 13:42


Du hast nicht die erforderliche Berechtigung, um in diesem Forum zu schreiben.