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KLIMA: Winteraus- und Rückblick (lang!!)
geschrieben von: Christian (Braunschweig) (IP-Adresse bekannt)
Datum: 15. September 2002 23:10

W I N T E R A U S - und R Ü C K B L I C K








Vorwort


Hallo Forum,
der folgende Beitrag ist als allgemeiner Überblick für das Extra-Forum der Wetterzenatrale gedacht. Ich habe mir vorgenommen die Entwicklungen der letzten 10 Winter kurz Revue passieren zu lassen. Mittels dieser Beispiele will ich ebenso einen Überblick über Parameter verschaffen, die vor und im Winter durchaus das mittel- und langfristige Wetter mitbeeinflussen können.
Dies soll keine Prognose oder sonstiges sein, es soll eine Einführung in die Winterspekulationen sein, die schon jetzt anfang Herbst anfangen, eben weil der Herbst die Vorjahreszeit des Winters ist und weil hier und jetzt in der Atmosphäre unser Winterwetter eingeleitet und auch vorbereitet wird. Deswegen folgt ein kleiner Ausblick bzw. ein Fazit aus den letzten Wintern, ohne auf Hightlights näher einzugehen.
Ich habe mir bei den aufwendigen, zahlreichen Diagrammen erlaubt, den üblichen Winterzeitraum vom 01.12. bis 28/29.02. auf den 1.11. bis 31.3. zu verlängern, sprich auf den Zeitraum in dem Winterwetter bzw. winterliches Wetter möglich ist. Evtl. werden in diesem Thread noch weitere Diagrammdarstellungen zu anderen Messwerten folgen.
Die Temperaturdiagramme habe ich zu Hannover und zu Magdeburg gemacht. Die Daten habe ich von der DWD-Seite entnommen, sind also in jeden Fall beanstandungslos. So, nun wünsche ich euch viel Spass beim Lesen und hoffe, dass sich die Arbeit gelohnt hat :-)...
Der Rückblick
W I N T E R 1991-1992:
Diagramme:
- Hannover
- Magdeburg

Dieser Winter war der erste richtig milde Winter der 90'ziger. Während der November noch recht normal verlief, keilte die Frontalzone zum Ende des Monats aus, wurde zu Beginn des Dezembers von der Westdrift überrollt, deren Intensität noch recht gering war. Gegen Mitte des Dezembers tropfte die Frontalzone über den Kontinent kurzfristig stärker nach Süden aus, sodass in Deutschland ein paar winterliche Tage möglich waren. Um Weihnachten wurde diese kurze winterliche Periode, die in diesem Winter auch die strengste darstellen würde, schnell durch ein stärkeres Hochdruckgebiet abgelöst. Darunter gab es oft die so typische hochnebebelgebrägte Witterung mit schwacher Temperaturamplitude, leichtem Frost und knapp positiven Temperaturen. Nach 1 Woche nahm die Nordatlantische Oszillation (NAO) westlich des Hochs stark zu. Der erhöhte Druck- und Temperaturgradient (NAO) nordwestlich des Hochs führte zu einem rapiden Aufleben der Westdrift und damit auch Sturmtieftätigkeit. Fortan gestaltete sich der Winter ausserordentlich mild, nur ganz kurze Frostperioden waren möglich. Desöfteren hielt stürmisches, nasskaltes und regnerisches Wetter Einzug...

Der Polarwirbel war zu keiner Zeit des Winters gesplittet. Das Kältezentrum war zumeist zwischen Nordkanada und Grönland. Die Ausbildung eines "störenden" Kältezentrum über dem nordosteuropäischen Kontinent war zumeist unzureichend für strengwinterliche Witterung. Die Luftmassen aus Norden waren durchweg maritim. Der Winter war insgesamt geprägt durch eine milde Witterung.
W I N T E R 1992-1993:
Diagramme:
- Hannover
- Magdeburg

1992-1993 war ein wechselhafter Winter. Zwischenzeitlich gab es nenneswerte winterliche Perioden, dennoch überwiogen die milden Witterungszeiten, sodass auch dieser Winter zu mild wurde, wenn auch nicht so mild wie der Vorwinter.
Der November war im Gegensatz zum Vorjahr häufig durch eine starke NAO geprägt, demzufolge ausgeprägte Westdrift mit Starkwindlagen und mildem, nassem Wetter. Bis weit in den Dezember bewies die westliche Höhenströmung einen langen Atem. Um Weihnachten stieg der Druck rasch über Mittel- und Westeuropa, sodass die Luftmassen darunter zur Ruhe kamen. Aus Ost setzte erste nennenswerte KLA ein, die eine kurze, recht ordentliche Winterwoche bis Jahreswechsel bescherte.
Über Südeuropa entstand südlich des Hochs dann ein Höhentief, dass dann das Hoch entscheidend schwächen konnte. Infolge der ebenso starken NAO, des ungestörten Polarwirbelzirkulationsmuster stellte sich die Höhenströmung wieder auf West um.
Im weiteren Verlauf deamplifizierte sich die Frontalzone (Starkwindband in der Höhe) und konnte unter hoher Intensität gen Norden zurückwandern, während südlich davon über Deutschland der Druck anstiegt. In der Höhe lag WLA vor, aber aufgrund der entfernten Fronten konnte die Luftmasse über Deutschland einigermassen auskühlen in Bodennähe. Eine richtige Winterperiode gab es trotz Frösten nicht, nur störenden Hochnebel.
Ein Trogvorstoss mitte Februar brachte Winterwetter in den Bergen, in den Tieflagen schneite es ab und zu auch, aber aufgrund der meist positiven Tagestemperaturen konnte dieser kaum liegenblieben. Die KLA war zu maritim um Deutschland dauerhaft Winter zu bescheren, es blieb bei Eintagsfliegen, die bis Ende des Winters immer weniger wurden...
Die Ausbildung eines Kältepols über dem nördlichen bzw. östlichen Europa blieb ebenso aus wie im Vorwinter.
W I N T E R 1993-1994:
Diagramme:
- Hannover
- Magdeburg

Über dem nordwestlichen Russland bis nach Finnland lagerte lange Zeit ein kräftes Hoch, dass die dortigen Luftmassen bodennah zu starker Abkühlung brachte. In der Folgezeit breitete sich dieses Hoch retrograd aus, sodass Mitte und Ende November schon kräfte KLA aus Ost vorlag. Es war für die Jahreszeit im November zu kalt. Wie sich herausstellen sollte, schlug der Winter zu früh los und verbrauchte schon zu jenem Zeitpunkt einen Grossteil seiner Energie. Der eigentliche Winter wurde der bis dahin mildeste Winter der 1990'ziger.
Ab Anfang Dezember bis Ende Januar währte fast ausschliesslich (!) eine zonale (west-ost/ost-west) , westliche Höhenströmung, die mal mehr , mal weniger nach Nordwesten bzw. Südwesten ausschlug (Amplifizierung der Frontalzone). Selbst Frost war angesichts dieser anhaltenden, milden, windige und feuchten Höhenströmung eher die Ausnahme.
Im Februar tropfte dann die Frontalzone bis nach Nordafrika aus und bescherte auch Deutschland vorübergehend eine recht ausgeprägte winterliche Witterungsphase. Zu diesem Zeitpunkt war die NAO über dem Atlantik schwach, der Polarwirbel gestört, nicht gesplittet und über Nordosteuropa lagerte ein Kältezentrum.
Genau über Südskandinavien und Norddeutschland entstand dann sogar ein sogenanntes Polarhoch, das kurzfristig sehr strenge Fröste bewirkte. Vom Balkan kommend umschloss dann wiederum ein Höhentiefband das Hoch und schnürte die Höhen-WLA in das Hoch ab, sodass das Hoch sich nicht dauerhaft etablieren konnte und später wiederum infolge der erhöhten NAO die Westdrift auf Mitteleuropa übergreifen konnte. Bis Ende des Winters blieb es dann wechselhaft und sehr mild.
W I N T E R 1994-1995:
Diagramme:
- Hannover
- Magdeburg

Zum Anfang des Novembers war die Frontalzone sehr stark amplifiziert, es lag noch eine Low-Index-Lage vor (Wetterlage mit schwachen Höhenströmungen). Da Deutschland auf der Vorderseite schwacher Höhentiefs lagerte, lag meist eine südliche, milde Bodenströmung vor, sodass der November zu mild ausfiel. Bis Ende des Monats deamplifzierte sich die Frontalzone immer mehr und aus der Low-Index-Lage wurde mehr und mehr eine High-Index-Lage (Wetterlage mit stärkeren Höhenströmungen) mit westlich, zonaler Grundströmung.
Dies dauerte bis auf eine Ausnahme im bekannten Wechsel der mal weniger, mal stärker amplifizierten Frontalzone den ganzen Winter lang, sodass dieser Winter ebenso deutlich zu mild ausfiel. Eistage gab es auffällig wenige (Hannover nur 6)!
Die einzigste kalte Ausnahme resultierte aus einer starken Südausbreitung der Frontalzone gegen Jahreswechsel. 5 von 6 Eistagen gab es in Hannover beispielsweise zwischen 31.12. und 10.01. Nachfolgend drehte der Höhenwind wieder gen westliche Richtungen , gegen Mitte Ende Januars tropfte die Frontalzone vor dem Kontinent leicht aus, sodass zwischenzeitlich eine kühltrübe, dennoch milde Südströmung vorherrschend war, ehe es dann nahtlos wieder Westdrift und das bis Monatsende gab.
Die Polarwirbelzirkulation war durchweg ungestört, das Kältezentrum war über Nordkanada bzw. Westgrönland.
W I N T E R 1995-1996:
Diagramme:
- Hannover
- Magdeburg

Der Winter 95-96 war die einzigste Unterbrechung in der Serie der zu milden Winter in den 1990'zigern. Dieser Winter war ein echter Kaltwinter, auch wenn nicht unbedingt spektakulär mit viel Schnee, dennoch aber sehr kalt.
Auffällig ist, dass im gesamten Zeitraum sehr grosse Temp.-Maxima fehlen, die Temperatur schlich' sich meist um den Nullpunkt und darunter. 2 Starkfrostphasen prägten die Witterung in dieser Jahreszeit.
Nachdem der November witterungsbedingt normal verlief, baute sich ein typisches Kaltwinterdruckmuster auf, das sich als besonders konstant erwies. Während zwischen Mittel- und Südskandinavien sowie Irland ein kräftiges Hoch lagerte, dass den Westdrift blockierte, bildete sich über dem nördlichen und nordöstlichen Europa im Gegensatz zu den anderen Jahren ein Kältepol aus. Der Grönlandpol war abgeschwächt, sonst ist es umgekehrt. Diese Temperaturverteilung bewirkte schwache NAO, sodass keine High-Index-Lage die eher ruhige Zirkulation hätte stören können.
Ende Dezember kam es somit zur ersten richtig starken Frostphase mit Dauerfrost und sehr strengen Nachtfrösten. Im Osten Europas etablierte sich dann zunehmend Hochdruck, der dann retrograd unter Höhen-WLA auch Deutschland erfasste. Das Wetter blieb frostig, war aber häufig durch Hochnebel und Schneegriesel geprägt. Der gefallene Schnee konnte sich auch im Tiefland wenige Wochen halten, ehe dann eine kurze warme Unterbrechung vor dem nächsten grossen Winterschlag folgte.
Das entstandene Hoch frass sich über Südskandinavien fest und bewirkte teils extreme KLA aus Osten, die zu einer längeren Frostphase in Deutschland führte von Mitte Januar bis Mitte Februar (Kernwinter). Die Polarwirbel waren total gesplittet.
Die Zirkulation benötigte lange um sich von diesem Schlag zu erholen. Einige wirre Low-Index-Lagen wurden darauf produziert, meist mit recht kalten, trüben Winterwetter, sodass es nur langsam immer wärmer wurde. Die Frontalzone konnte wiederholt austropfen und über dem Atlantik auskeilen. Bis Mitte März waren Dauerfrosttage in Deutschland auch im Tiefland möglich...
W I N T E R 1996-1997:
Diagramme:
- Hannover
- Magdeburg

"Ein Kaltwinter kommt selten allein" - Ganz funktionierte das diesmal nicht, auch wenn es bis Mitte der Jahreszeit durchaus perfekt(!) geklappt hat.
Der November war von recht normaler Witterung geprägt, die in einer einer wiederholten, windigen Nordwestrutsche endete. Im Dezember bestimmte Hochdruck über dem östlichen und auch südöstlichen Europa die Wetterlage. Über dem Norden Osteuropas konnte sich wieder ein Kältepol festigen. Dieser Kältepol dehnte sich dann Mitte des Monates Dezember mit aller Gewalt nach Süden aus. Bis Mitte Januar währte dann eine extreme(!) Dauerfrostperiode, Anfang des neuen Jahres gab es teilweise Rekordkälte(!). Viele Gewässer konnten zufrieren, der Binnenschifffahrtsverkehr kam verbreitet zum Erliegen.
Nach 3 Wochen tiefstem Winter teilweise in Deutschland konnte sich über Grönland ein 2. Kältepol mit Macht behaupten. Wie in der üblichen Zirkulation musste dieser starke Temperaturkontrast solange ausgeglichen werden bis eine geschlossene Zirkulation vorliegen kann. In der Folgezeit konnte sich der Polarwirbel im Norden erholen, und das Hauptkältezentrum lag wieder über Grönland. Eine nördliche Westlage folgte, in Deutschland kletterten die Temperaturen langsam wieder in den positven Bereich bei meist trüben Wetter.
Ab Februar setzte sich dann auch die westliche Höhenströmung in Deutschland durch und brachte bis zum Ende des Winters mildes, nasses und windiges Wetter.
Am Anfang war die NAO recht schwach, zum Ende hin stark. Der Polarwirbel war anfangs gestört, teils sogar gesplittet, ab Mitte Februar lag ungestörte Polarwirbelzirkulation vor.
W I N T E R 1997-1998:
Diagramme:
- Hannover
- Magdeburg

Nach kurzer Unterbrechung folgte wieder ein milder Winter in den 90'zigern. Dieser Winter lässt sich schlecht in ein bestimmtes Schema packen, weil er recht abwechslungsreich war, natürlich mit einer erhöhten Häufung westlicher Höhenströmung, sodass eben auch dieser Winter gegenüber dem Mittel zu warm ausfiel.
Der November fiel leicht zu mild aus und war zum Schluss durch ein schwaches, ungeordnetes Zirkulationsmuster geprägt. Zum Monatswechsel keilte die Frontalzone über dem Atlantik aus und bewirkte zumindest in den Bergen winterliches Wetter. Die KLA war maritim geprägt. Wechselhaft ging es weiter: Die NAO kam in Gang und entsprechend auch die Westdrift. Zog ein Trog durch floss rückseitig kühle Luft ein, vorderseitig war die WLA nur mässig, die Frontalzone war auch nur mässig ausgeprägt, verlor aufgrund abnehmende Gradientes immer wieder Schwung und Dynamik.
Eine schwache Wetsdrift gestaltete das Wetter eigentlich den Winter hindurch meist mild, brachte kurz aber auch mal einen winterlichen Hauch. Zum Jahreswechsel war die Sturmtätigkeit kurzzeitig gut ausgeprägt, sonst dominierte schwach- mässiggradientige Witterung. Zum Monatswechsel Jan.- Feb. konnte sich eine östliche Strömung kurzzeitig einnisten, sonst dominierten Westwinde, später auch Südwinde mit viel Wärme.
Der Polarwirbel war zumeist ungestört, die NAO variierte, meist schwach-mässig.
W I N T E R 1998-1999:
Diagramme:
- Hannover
- Magdeburg

Dieser Winter setzte die Neigung zu sehr milden Winter weiter um. 98-99 war ebenso wechselthaft, konnte keine konstanten Witterungsphasen über min. 3 Wochen aufweisen. Grund hierfür ebenso wieder die NAO. Der ständig wechselnde Temperaturgradient bewirkt ständig unterschiedlich dynamische Strömungen entsprechend unterschiedliche Auswirkungen auf unser Wetter.
Begann der Winter wie der Vorwinter mit einem wirren Low-Index-Lagen-Muster so beahuptete sich schnell ein schöner Kältepol über Kanada und Grönland. Aufgrund dessen konnte man schlussfolgern, dass die NAO stark erhöht war, und so kam es um Weihnachten zu einer abermals ausgeprägten West-Südwestlage.
Wurde der Gradient ausgeglichen beruhigte sich die Zirkulation wieder und winterliches Wetter konnte ab und zu mal auch auf Deutschland kurzfristig übergreifen. Die Frontalzone amplifizierte sich wieder. Diese Witterungsfolge führte abermals bald wieder zu einer Erhöhung des Kontrastes zwischen Nord und Süd, sofort kam es wieder zu erhöhter Westlagenneigung und auch Starkwindlagen. Das ganze Spielchen setzte sich in seinen unterschiedlichen Variationen im gesamten Winter fort, brachte wechselhafte, überwiegend warme Witterung. Mal Schmuddelwetter, mal ein weissen Erwachen...
SO sind die Winter, wie wir sie aus den 90zigern so kennengelernt haben.
W I N T E R 1999-2000:
Diagramme:
- Hannover
- Magdeburg

Auch dieser letzte Winter der 1990'ziger wollte nicht anders werden. Am Ende gab es 9 Winter, die leicht bis deutlich zu mild waren. So viele zu milde Winter gab es in keinem anderen Jahrzehnt. In der Mittelung aller 10 Winter liegt die wohl wärmste Winterfolge vor, die es seit Aufzeichnungen gegeben hat.
Der letzte Winter war dann auch noch einmal besonders mild. Schon der November fiel zu warm aus, endete in einer Südwestlage. Wie so oft in den 90ziger Winter wurde die NAO durch den Gröndlandkältepol potenziert und das bekannte Islandtief bildete den Langwellentrog, der die Randstörungen auf Deutschland zurichtete, die eingebettet in einer teilweise sehr intensiven, westlichen Höhenströmungen meist über Norddeutschland "bretterten". Zweifelsohne ist es ungewöhnlich, dass so eine Zyklone über Süddeutschland zieht, aber dass es dann wie Lothar am Ende des Dezember gleich so ein Monster war zum Abschluss des Jahres, damit hätte wohl niemand gerechnet. Die 1990ziger enden also so, wie sie begonnen haben: Stürmisch, regnerisch und mild.
Auch in der weiteren Entwicklungen war zumeist Westdrift vorherrschend und gab dem Winter, wenn überhaupt, nur kurze Gastspiele. Es bedarf kaum weitere Betrachtung dieses Winters: Er war durchweg zu mild. Der Polarwirbel konnte ungestört sein Werk verrichten, sodass der Winter in dieses Mal fast überhaupt nicht anwesend war...
W I N T E R 2000-2001:
Diagramme:
- Hannover
- Magdeburg

"Auch Mildwinter können Schneewinter sein" - Das passt sicher am besten zu diesem Winter. Er war am Ende wiederum zu mild, bot aber speziell für den Norden Deutschlands etwas, was sonst sehr selten ist im Winter, nämlich Schnee. Dass der Schnee dann gleich 3-5 mal im Winter entweder im Nordosten, der Mitte oder im gesamten Norden in solchen Mengen wie sonst kaum runterkam, das ist einer besonderen Erwähnung unter den Mildwinter in jedem Fall wert.
Der November verlief ähnlich wie in den Vorjahren, war meist deutlich zu mild und von zonalen Höhenströmungsmustern geprägt. Der Polarwirbel war ungestört.
Bis weit in den Dezember hinein dauerte die ausserordentliche Milde an, ehe dann ein kleiner Trog bei Island die ohehin schwache Frontalzone gegen Ende des Monats aufwölbte. Dieses Hoch wanderte dann nordwestwärts, sodass die Zugbahn frei für kalte Luftmassen aus Norden wurde. Eine Luftmassengrenze in schwach durchmischter Luft entstand pünktlich zu Weihnachten über Deutschland und brachte speziell in der Mitte und im Osten 3 Tage Dauerschneefall und gar Rekordmengen an Schnee. Bis zum Jahreswechsel taute vielerorts der Schnee aber wieder stark an, da immer wieder WLA bei Trogvorstössen aus Nordnordwest vorlag.
Hochdruck bestimmte dann Mitte Januar das Wetter. Danach schwächte sich das ganze wieder ab, sodass es bei wiederum westlicher Höhenströmung milder wurde. Zum Ende des Monats tropfte die Frontalzone direkt über dem Kontinent aus. Es folgten Trogvorstösse, die das Wetter abwechselnd winterlich und weniger winterlich gestalteten. Einige echte Schneestürme bewirkten tiefwinterliches Ambiente im Februar. Sogar im März konnte Rekordschnee fallen....
W I N T E R 2001-2002:
Diagramme:
- Hannover
- Magdeburg

Der letzte Winter ist uns allen noch bestens in Erinnerung. Von der Zirkulation betrachtet differeriert er erheblich gegenüber dem Vorwinter. Eigentlich hätte der letzte Winter ein Kaltwinter werden können, aber wie so oft die Indizien doch nicht stimmen können, das hat uns insbesondere der letzte Winter aufgezeigt, der besonders im Dezember durchaus gut war.
Der November verlief normal temperiert, besticht besonders zur Mitte durch hohen Druck über Deutschland (Blockade). Die Westdrift wurde ausblockiert und so konnte sich über Nordwestrussland seit langem ein Kältepol festsetzen.
Im Dezember wölbte sich der Keil immerwährend wiederholt auf, einen Trogvorstoss vom Nordmeer folgend. Pünktlich zu Heilig Abend war nahezu ganz Deutschland eingeschneit und in den Mittelgebirgen lagen Schneemengen wie lange nicht mehr. Der Polarwirbel war geteilt. Wäre die Nordsee ein Mü kälter gewesen, dann hätten auch die nächsten Trogvorstösse über Norddeutschland den gefallenen Schnee liegen lassen. So aber endete alles nach dem Jahreswechsel jäh. Schnee taute weg, und es folgte ein letzter Akt des Winters in einem Winterhoch mit dem Kältehöhepunkt. Anfang der letzten Januardekade war es soweit: Nach der "Todesschleife" eines Cut-Offs um ein Hoch folgte gnadenlos die Westdrift. Der Winter war gelaufen...
Nicht ganz, er spielte arg verrückt. Im Februar folgten bei Nordwestenlagen ungewohnt häufig Gewitterstürme, die teilweise Sommergewitterausmasse annahmen. Am Ende des Winters folgte zum Abschluss noch die grosse Wärme...
Ausblick / Fazit
Es ist anzunehmen, dass sich der scheinbar eindeutige Trend der Erwärmung fortsetzt. Ich will hier nicht die Vorwinter aufgreifen, dennoch ist es jedem avisierten Laien bzw. den Statistikern und Langfristprognostikern bekannt.
Die Neigung zu Kaltwinter hat erheblich abgenommen und es ist nicht abwegig zu vermuten, dass trotz aller Phasen- und Zirkulationsbegünstigenden Umstände andere Faktoren wie NAO immer mehr Schwere aufbringen, also eine scheinbar stabile Winterlage immer eher zum kippen bringen können.
Dennoch liesse sich anmerken, dass die diesjährige Häufung an Cut-Offs und Low-Index-Lagen im Winter eine weitere Fortszung erleben können, auszuschliessen sei es nicht. Hierzu sollte man insbesondere den Polarwirbel betrachten, ein Kältepolwirbel, der zumeist zwischen Nordmeer und Gröndland lagert. Eine Störung des Wirbels macht sich oft durch Auskeilen der Frontalzone, sowie steigenden Durck über dem Polgebiet bemerkbar. Durch den Druckanstieg entsteht eine Zirkulationstrennung über dem Gebiet, das eigenständige Wirbelzentren über anderen Kältepolen ermöglicht. Bei guter Auskühlung über dem nordeuropäischen Kontinent sollte dies günstigerweise Finnland/Nordwestrussland für einen Kaltwinter in Mitteleuropa sein. Desweiteren wird durch den Split der Westdrift folgend die Dynamik gestohlen, sodass sich Kaltluftansammlungen durchaus nach Süden bzw. nach Westen ausbreiten können.
Allgemein bin ich der Auffassung, das trotz aller Vorgeschichten kein Zirkulationssystem in mittlererer Troposphäre konstant genug ist, um als ein hochwertiges Indiz angesehen zu werden. Ich denke also trotz aller statistischer Belegungen eines wahrscheinlicheren Mildwinters, dass ein Kaltwinter dennoch möglich erscheint. Kaltwinter sind alle 5 Jahre häufiger. Das lässt alle Winterfans ebenso hoffen wie der kühlere Golfstrom und die Abnahme des Sonnenzyklus.
Inwiefern der Golfstrom Einfluss hat, kann man nur vermuten. In den letzten 10 Wintern war er in jeden Fall intensiver. Dies Jahr ist er kühl wie lange nicht mehr. Vielleicht ist dies ein Indiz auf einen normalen bis zu kühlen Winter ?
Zum Sonnefleckenmaxima: In den letzten 10 Jahre baute sich bis zu den letzten 2-3 Jahre das Sonnenzyklusmaxima auf. Mit diesem Zyklus erhöht sich die Zufuhr extrateresstrischer Energie bzw. schwächt sich entsprechend ab. Nun ist die Atmosphäre kein einfach strukturiertes Schema, in das jede Erwärmung gleich Erwärmung für uns bringt, sondern dieser Zyklus bedarf ein wenig Zeit in seiner Energie-Umsetzung, sodass auch hier die Aussagekraft gering ist. Aber vielleicht ist es doch ein Kaltwinterindiz, da es in den letzten Jahren nicht so war ?!
Die Verschiebung von Planetaren Wellen ist für mich der letzte übergeordnete Fakt, der eine statistische Grundlage begründen kann. Die Verschiebung dieser Atmosphärenstrukturbedingten Wellen (Konzentrationsgefälle, Wärmedichte) bedarf weit mehr Zeit als die eines Langwellentrog, der nur in der Troposphäre wirksam ist. Man kann ebenso nur vermuten, wie hoch das Einflusspotential von diesen planetaren Wellen ist, die durch ihre Verlagerung einen schwachen Zyklus bewirken. Dennoch überwiegt, wenn überhaupt, nur eine erhöhte Neigung zu einer bestimmten Wetterlage.
Bisher war dies in diesem Jahr das Cut-Off, die Austropfung der Frontalzone. Wenn der Zeitpunkt einer Blockierung passt, ist es möglich, dass die Kälteansammlung über Osteuropa besonders intensiv vonstatten geht. Klappt das, kann man auf bestimmte Polarwirbelsplitsignale hoffen. Hierzu kommt der Stratosphäre erhöhte Bedeutung zu. Eine Erhitzung bedeutet vielleicht eine mögliche Störung im Zirkulationsprofil....?!
Also mehr als Hoffen kann man nicht. Ich persönlich sehe die Chancen auch dieses Jahr, dass es ein Kaltwinter wird, wobei ich dem Erahnen, der Langfristprognostik nicht vertraue, speziell der, die versucht statistisch die Werte der letzten Jahre aufzubereiten und in einem möglichen Trend umzusetzen.
Wetter bleibt ein noch unüberschaubares Phänomen, und besonders zum Winter hin erfüllt es sich mit hoher Brisanz, da alle Faktoren in erhöhtem Einklang wirken.
Wir können also gespannt sein, welches Rätsel sich in welchem Muster wiederfindet... (vergleiche dazu z.B. mit dem Winterrückblick)
In den letzten 10 Jahren haben wir, wie ihr seht, bis auf wenige Ausnahme nicht mehr das geniessen können, was es noch Mitte der 80ziger gab: Schneereiche Kaltwinter. Vielleicht machen die Bilder des letzten Winters (siehe oben) doch Geschmack auf Winterwitterung und zehrt die Hoffnung auf einen solche, mal wieder notwendigen Winter.
Wer liebt es nicht, bei Kälte und Schnee das weisse Lichterambiente zu Weihnachten zu geniessen, in warmer gemütlicher Stube angekommen einen wärmenden Glühwein in freundlicher, gemütlicher Familienatmosphäre zu sich zu nehmen ? ...
Diagramme 91-02




































































CiJay86, 14.09.2002


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