
Der erste Wintereinbruch - Fr. 26.10.2012 bis So. 28.10.2012
Datum: 25. Oktober 2012 18:19
Hallo Freunde des winterlichen Wetters,
nachdem wir uns in den letzten Tagen an überwiegend sommerlichem und sonnigem Spätherbstwetter mit zahlreichen neuen Dekadenrekorden erfreuen konnten (oder auch nciht im Nebel), deutet sich wieder besondere Spannung im Wettergeschehen an. Interessanterweise kommt es durch die meridionale Anordnung der langen Wellen nach dem Vorstoß tropisch anmutender Luftmassen (siehe Rückwärtstrajektorien) nun zum exakten Gegenteil.
Ein massiver Atlantikblock unterbindet sogar geringste Ansätze einer zonalen Grundströmung, sowie die Ansammlung tiefen Geopotentials im Bereich Labrador und Grönland. Somit konnte sich nun in den vergangenen Tagen im Nordmeer eine Blase sehr tiefen Geopotentials mit (sub-)polaren Luftmassen ansammeln, die sich gegenwärtig auf Skandinavien ausweitet. Durch einen von Nord nach Süd gerichteten Jetstream kann der Trog seinen Einfluss bis nach Afrika ausweiten und Deutschland steht damit der erste Wintereinbruch bevor. Die Rückwärtstrajektorienkarte zeigt, dass die kommenden Luftmassen aus der Arktis in der Nähe des Nordpols stammen. Nach der Rekordwärme mit 850 hPa-Temperaturen von bis zu 22 °C durch kontinentaler Tropikluct cT fließen nur zehn Tage später polare Luftmassen (mP) mit 850 hPa-Temperaturen bis zu -8 °C ein. Das macht eine Temperaturamplitude von 30 K und zeigt auf, welche Facetten der Oktober in Deutschland zu bieten hat.
Am Freitag kommt die Kaltfront nur noch langsam südwärts voran und gerät ins Schleifen. . Gleichzeitig hat sich das Cut-off, das gegenwärtig östlich der Azoren liegt, über Spanien in den Mittelmeerraum bewegt und dort Kontakt zum Skandinavientrog aufgenommen. Im 500 hPa-Niveau zeigt sich, dass Höhenkaltluft von etwa -30 °C über die Westalpen und die Provence in den ca. 20°C warmen Löwengolf vorstoßen. Durch die massive Temperaturdifferenz verstärkt sich das vorhandene Bodentief unter Zyklogenese- auch unterstützend durch einen starken Nordföhn und Mistral - Zyklogenese über Norditalien recht schnell. Beeindruckend ist v.a. der Nordföhn, der durch Druckdifferenzen von bis zu 20 hPa zwischen Zürich und Lugano starke Ausmaße annehmen kann.
(Grafik: meteomedia)
Unterdessen drängt aufgrund der Zyklogenese über Norditalien warme und feuchte Mittelmeerraumluft nach Norden über die Alpen , sodass die die Kaltfront, hinter der postfrontal schon leicht erwärmte polare Luftmassen bis zur Donau eingeflossen sein, rückläufig zur Warmfront, die schleifend über dem Alpenraum liegt. Durch teilweise intensive Hebungsprozesse kommt es zu flächigen Aufgleitniederschlägen, die sich bis zu einer Linie Saarland - Erzgebirge ausbreiten und dort oberhalb von etwa 300 m bis 800 m NN Schneefälle bringen.
Schwierig ist besonders die Vorhersage der Neuschneemengen aufgrund der diffizielen Schichtungverhältnisse im süddeutschen Raum. Mutige können sich im extra dafür eingerichteten Tippspiel beweisen: [
www.wzforum.de].
Aussagekräftig ist v.a. dieses Vorhersagesounding für den Raum München am Samstag um 12 Uhr nach dem Meteociel-WRF.
(Grafik: Meteociel)
Erkennbar ist ein Warmluftkeil zwischen 1500 m und 2000 m der die nach Norden rückströmende Warmluft kennzeichnet. Hierbei sind erste Schmelzprozesse im Gang, sodass in diesem Höhenniveau zu dem besagten Zeitpunkt mit Schneeregen zu rechnen ist. Weiter unten sinkt die Temperatur wieder unter den Gefrierpunkt, da hier der Wind von SW in der Höhe auf NO in der Grundschicht dreht und somit bodennah polare Luftmassen bereitstellt. Isothermieschneefall, der sich durch sehr geringe Luftbewegungen kennzeichnet und somit ein Vordringen der Kaltluft in tiefere Schichten ermöglicht, ist auszuschließen, da die Low- und Midlevelwinde teilweise recht gut ausgeprägt sind und somit zur Durchmischung führen.
In meinen Augen bleibt es im Flachland bis Samstagmittag bei Regen oder Schneeregen (evtl. Schnee), der allerdings nicht liegenbleiben kann, da die Temperaturen über dem Gefrierpunkt liegen. Erst ab dem Samstagnachmittag drängt die Kaltluft weiter nach Süden voran und verschafft mit negativen Taupunkten nach GFS 12z die Bildung einer Schneedecke bei Dauerschneefall. Hier sind die stärksten Niederschläge zwar schon vorbei, aber trotzdem fallen in den weiteren Stunden 5 mm an der Donau und bis zu 15 mm an den Alpen, sodass sich südlich der Donau recht sicher eine geschlossene Schneedecke auf Höhen über 400 m NN ausbreiten sollte. Weiter Richtung Alpen nimmt die Mächtigkeit der Schneedecke von knapp 10 cm im Münchener Raum bis zu 25 cm am unmittelbaren Alpenrand zu. Auf Lagen über 1500 m muss man sich auf einen starken Wintereinbruch mit Neuschneemengen um die 50 cm in den Bayerischen Voralpen, den Chiemgauer Alpen und dem Karwendel einstellten. Das ist aber nur meine bescheidene Sicht der Tatsachen.
Die Schneefälle ziehen sich zum Sonntagvormittag an die Alpen zurück und klingen dort langsam ab. In der Nacht zum Sonntag legt sich rasch ein Bodenhochkeil über Süddeutschland, der für Absinken und somit für mögliches Aufklaren und Wetterberuhigung sorgt.
Zudem stellt sich die Frage, ob sich trotz der immer noch sehr warmen Böden im Alpenvorland eine ansehnliche Schneedecke bei Temperaturen um oder unter dem Gefrierpunkt ausbilden und halten kann. Sollte dies der Fall sein, dann kann sich unterhalb des Hochablegers durch die windstillen und sternenklaren Nächte über einer frischen Schneedecke Frost bis zu -10 °C, in Alpentälern lokal darunter, einstellen. Auch sonst werden die Nächte ohne Schnee mit bis zu -5 °C recht frisch.
Damit wären zahlreiche Dekadenrekorde im Süden Deutschlands, die im Flachland bei etwa -7 °C liegen, in Gefahr: [
www.wettergefahren-fruehwarnung.de]
Unsicherheiten bestehen aber weiterhin in mesoskaligen Abläufen. So entscheiden zum Teil ein Grad oder wenige Zehntel, ob es schneit oder nicht oder ob der Schnee liegen bleibt oder nicht. Sollte die Kaltluft etwas früher eintreffen und sich bodennah setzen und für Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt sorgen, kann man im Optimalfall eine Schneedecke von über 15 cm an der Donau liegen und bis zu 40 cm an den Alpen. Im Negativfall kann sich nur direkt an den Alpen eine Schneedecke bilden. Desweiteren gilt es die Lage wachsam zu beobachten, da durch die massiven Hebungsprozesse zwischen den stark unterschiedlichen Luftmassen die Niederschlagsmengen in den letzten operationalen Läufen stetig erhöht wurden, sodass nach aktueller Sicht etwa 15 mm an der Donau bis zu 50 mm an den Nordalpen fallen. Nichtsdestotrotz sollte man sich in den Regionen südlich der Donau auf einen frühen und für die Jahreszeit recht kräftigen Wintereinbruch mit Schnee bis in die Niederungen einstellen.
Gruß Flo
84091 Attenhofen (Hallertau, westliches Niederbayern)
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4-mal bearbeitet. Zuletzt am 29.10.12 01:10.