
Morgen erhöhtes Hagel/Spoutpotential im Süden?
geschrieben von:
Foehnix (IP-Adresse bekannt)
Datum: 19. April 2009 23:27
Zwischen dem hohen Geopotential über der Nordsee und dem Mitttelmeertief hat sich eine flache Tiefdruckrinne über Mitteleuropa und dem Alpenraum etabliert, in dessen Einflussbereich Höhenkaltluft und Sonneneinstrahlung für Labilisierung sorgen.
GFS 12z rechnet morgen nachmittag im Süden mit MLCAPE bis 700 J/kg (südlich der Donau bis Schweiz, Bodensee), die Gewittervorhersagekarten zeigen starken Auftrieb (> 100 J/kg MLCAPE in den untersten 3km) in der unteren Troposphäre. Die hochreichende Windscherung ist relativ schwach, (< 10 m/s 0-6km), die niedertroposphäre für Typ-II-Tornados evtl. ein bisserl zu stark, zumal durch die Tiefdruckrinne bodennah stärkere Nordostwinde entstehen und die Bildung mesoskaliger Konvergenzzonen erschweren. Die doch recht flächigen Niederschlagssignale im süddeutschen Raum lassen verbreitete Auslöse von Feuchtkonvektion erwarten, niedrige LCLs und EL-Temperaturen bis -50°C deuten den Aufbau einer hochreichenden Labilitätsschicht an.
Falls es so kommen würde, wie GFS 12z das derzeit rechnet, bestünde in den entstehenden Einzel/Multizellen ein erhöhtes Potential für (dichten) Hagelschlag, weniger in der Größe (fehlende Windscherung) als in der Menge gefährlich, sowie für Typ-II-Tornados (nichtmesozyklonal), dafür sprächen
- das sehr niedrige LCL (< 1000m)
- windschwach in der Höhe
- starker bodennaher Auftrieb
- Bildung bodennaher Konvergenzzonen, vor allem im Bereich des Bodensees bis ins Schweizer Mittelland.
Alles schön und recht, was GFS da rechnet, aber wenn man für 18 UTC die GFS-Prognose und die tatsächlichen Werte, z.b. der Taupunkte, vergleicht, dann stellen sich doch deutliche Abweichungen gerade für jene Region heraus, die morgen die höchsten CAPE-Werte erfahren soll (Südwestdeutschland), das Modell ist 2-3K, örtlich auch höher, zu hoch bei den Taupunkten.
Zu niedrige Taupunkte haben gravierende Konsequenzen:
- das Kondensationsniveau liegt höher: Auslöse und Tornadobildung sind erschwert
- die Labilitätsenergie ist viel geringer, dadurch auch der Auftrieb gerade in den bodennahen Schichten (vermindertes Hagelrisiko)
Kompensiert könnte letzteres durch die recht trockenen Schichten (siehe 2-4km lapse rates) in der Höhe, d.h. Labilitätsaufbau "von oben", weniger durch feuchte Grenzschicht.
GFS rechnet morgen nachmittag allerdings Taupunkte von verbreitet über 10°C, in den CAPE-Spitzengebieten bis 13°C, was schon recht viel ist.
Fazit:
Ein gewisses Potential für kleinkörnigen (dichteren) Hagelschlag scheint morgen gegeben, in den windschwachen Gebieten im äußersten Süden Deutschlands bis Bodenseeraum auch ein erhöhtes Gefährungspotential durch Typ-II-Tornados. Knackpunkt des Ganzen wird wohl, wie so oft, die Bodenfeuchte sein. Im Modell (speziell GFS) ist das mit der Vegetation/Bodenbeschaffenheit nicht optimal implementiert und die Taupunkte sind oft zu hoch simuliert.
Felix
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