
Interessantes subtropisches System aufm Atlantik [11 Karten]
Datum: 24. September 2008 23:16
Nahmd,
Während sich morgen über dem Alpenraum immer noch ein hartnäckiger Trog herumtreibt, der mit zwischenzeitlichen Schwächephasen bereits seit dem 13. September existiert (!), tut sich auf der anderen Seite der Hochdruckgebiete im Nordatlantik so Einiges, das uns auch in den nächsten Tagen interessieren dürfte.
Südlich von Neufundland stößt ein mit starkem Geopotentialabbau verbundener Trog nach Südosten vor, an dessen Vorderseite sich Bodentief entwickelt.
Bis Freitag mittag dominiert im Alpenraum weiterhin Trogeinfluss mit tiefer Bewölkung und letzten Regenspritzern - es macht sich aber langsam Druckanstieg in allen Höhen von Westen her mit dem Keil bemerkbar. Der oben angesprochene Trog hat sich verlängert wie ein Kaugummi und kündigt mit dieser Konfiguration einen cut-off-Prozess westlich der Azoren an, während der nördlichere Teil des Troges westlich von Island verbleibt und auf seiner Vorderseite nun die Sturmtiefentwicklung ermöglicht, die später als Skandinavientief südostwärts rauschend ein bisschen windigeres Wetter im nördlichen Mitteleuropa bringen könnte.
Wechsel zu den Theta-e-Karten:
Äußerst interessant ist, was im Frontenfeld passiert:
Samstag abend präsentiert das Kartenbild ein "Seilziehen" zwischen dem Orkanwirbel in der norwegischen See und dem durch das cut-off-Höhentief rasch eingeringelte Bodentief im Atlantik.
Während die Frontenlage (mit einer leichten Verwellung über Nord-G

+ber Nordeuropa eindeutig erscheint, ist sie im Atlantik ein wenig seltsam. Dazu muss man wissen, dass die scheinbar einsam herum irrende Warmfront einmal eine Kaltfront war, nämlich des Skandinavientiefs und früheren Islandtiefs. Die Luftmassengrenze blieb gewissermaßen liegen und wird nun durch das Atlantiktief reaktiviert.
Auch im Niederschlag sieht man schön die Frontensituation, wenngleich das Atlantiktief ein wenig von den Bjerknes'schen Fronten abweicht. Denn im Grunde genommen ist das Tief bereits okkludiert.
Was ich nun bemerkenswert bzw. interessant finde, ist, was mit dem Theta-e-Feld des Atlantiktiefs passiert.
Zunächst mal ringelt sich das Viech weiter ein, bis dahin scheint alles klassisch, auch wenn die Okklusionsfront ungewöhnlich lang und beständig energiereich ist.
Dann aber geschieht das:
Zur besseren Verdeutlichung auch folgende zwei Sequenzen:
Das Tief hat sich weiter eingeringelt, aber anstelle, dass die rückseitig der Okklusionsfront liegende kältere Luftmasse in den Tiefkern vorgedrungen ist, sind die Luftmassengegensätze völlig verschwunden und die Theta-e-Werte im Kernbereich der Zyklone haben sogar noch etwas an Fläche zugenommen:
Daran ändert sich auch im weiteren Verlauf nichts. Das breite energiereiche Theta-e-Feld nimmt an Fläche zu und gleichzeitig sinkt der Kerndruck des Tiefdruckgebiets weiter ab, obwohl es - nach den ersten Karten zu urteilen ja schon längst okkludiert ist, sich also auffüllen müsste.
Knapp 3 Tage später sieht es nämlich so aus:
Was kann man daraus ohne Kenntnis anderer Karten schließen? Dass ein Umwandlungsprozess von einem frontengebundenen Tiefdruckgebiet, einem Frontalzonentief, in ein tropisches (bzw. subtropisches) System stattfindet. Es verliert den Frontencharakter, indem die Luftmassen einheitlich werden und nimmt stattdessen an Energie noch zu (die Ursache dafür sind die nach Südwesten hin ansteigenden Wassertemperaturen), entsprechend sinkt durch die durch Kondensation und Gewitterbildung freigesetzte latente Wärme der Kerndruck ab.
Weiters interessant ist auch, wenn man den Höhentiefkern im Atlantik mit dem vor der portugiesischen Küste vergleicht:
Sie weisen in etwa dieselbe geopotentielle Höhe auf (560 gpdm), jedoch ist das ostatlantische Höhentief mit kaltem Kern (rund -22°C) versehen, während das Atlantikhöhentief einen warmen Kern (etwa -12) aufweist. Auch hier setzt in den weiteren Stunden eine stetige Erwärmung in der Höhe, bis auf -4°C 3 Tage später. Da Höhen- und Bodentief konzentrisch übereinander liegen, die Bodenisobaren wesentlich dichter gedrängt sind als die Isohypsen (also eine vertikale Abnahme des Windes mit der Höhe, wie es in Hurricanes der Fall ist) und dennoch der tiefe Luftdruck am Boden erhalten bleibt, drängt sich der Verdacht auf, dass es ganz und gar ein (sub)tropisches System werden möchte.
Soweit meine Einschätzung dieser Entwicklung aus synoptischer Perspektive.
Karten verfallen nicht.
Gruß,
Felix
Der beste Kenner einer Gesellschaft ist der Fremde, der bleibt. (G.S.)
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 24.09.08 23:21.